Israel · Naher Osten

Israel: Jerusalem und Totes Meer

Tag 6: Wir brachen beizeiten auf, da die Parkgebühren bis 8 Uhr morgens noch erträglich waren und wir vor den Reisebussen starten wollten. Auf ein Frühstück verzichteten wir derweil und versorgten uns mit Keksen für die Fahrt. Mir war etwas mulmig zumute, da ich nicht so recht wusste, was auf mich zukam. Kann man so einfach nach Jerusalem reinfahren? Gibt es dort richtige Grenzen mit Schranken oder wie läuft so ein Grenzübertritt nach Palästina ab? Google hat mir bei dieser Frage nicht weiter geholfen, also musste ich mich überraschen lassen. Fahrten nach Palästina sind bei den meisten Mietwagenfirmen ausgeschlossen, ausgenommen sind u.a. die A1 und Teile Jerusalems sowie das Tote Meer. Ich verließ mich auf diese Aussagen. Die Fahrt nach Jerusalem verging sehr schnell und war recht unspektakulär, allerdings war ich erstaunt, wie bergig die Stadt ist. Grenzkontrollen passierten wir im Übrigen keine, auch Schilder wiesen mich nicht darauf hin, dass ich nun im Westjordanland (Westbank) bin. Google Maps wies uns zuverlässig den Weg in die City und hoch zum Holocaust Memorial auf dem Ölberg. Die letzte Straße den Berg hoch hatte es aber in sich. Sie war so steil dass ich befürchtete, mit meiner kleinen Butze hinten über zu kippen. Halleluja! Im Bild rechts seht ihr die Kirche aller Nationen, die sich am Fuße des Ölbergs befindet.

Oben angelangt, kamen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Aussicht ist einfach überwältigend. Wir hatten Glück und ergatterten einen der wenigen kostenlosen Parkplätze auf dem Gipfel. Hier standen wir nun. Vor uns eine der berühmtesten Ansichten der Welt. Mich überkam ein eigenartiges Gefühl. Wie oft habe ich den leuchtenden Felsendom in Historienfilmen, Reportagen oder Magazinen gesehen. Besonders ist mir in Bezug auf Jerusalem natürlich der Film „Königreich der Himmel“ im Gedächtnis, den ich immer wieder schauen könnte. Hier jetzt leibhaftig zu stehen bescherte mir Gänsehaut. Ich glaube nicht an Gott, Allah oder irgendeine allmächtige Macht, aber hier an dieser Stelle spürte ich etwas magisches und unerklärliches.

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Bis auf eine Reisegruppe, die recht früh dran war (es musste so gegen 9:30 Uhr gewesen sein), war noch wenig los. Wir nutzten die Gelegenheit und schossen einige Fotos von diesem once-in-a-lifetime – Moment für die Ewigkeit. Wow, was für ein Anblick!

Der Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee dominieren die Skyline der Altstadt. Aber bei längerer und genauerer Betrachtung fallen noch viele andere eindrucksvolle Bauten auf, nicht zuletzt die Kirche Maria Magdalenas mit ihren goldenen Zwiebeltürmen.

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Nach unserer Fotosession bahnten wir uns gemächlich den Weg durch den gigantischen jüdischen Friedhof, der sich vom oberen Hang des Ölbergs (50 m über der Altstadt) bis hinunter zur Stadt David erstreckt. Schätzungsweise 200.000 bis 300.000 Grabsteine sollen hier stehen. Es ist unmöglich, diese superlativen Ausmaße auf ein Foto zu bannen. Noch heute finden hier Juden aus aller Welt eine zeitlich unbefristete Ruhestätte.

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Unser Ziel war die am unteren Hang des Ölbergs gelegene Franziskanerkirche Dominus Flevit („Der Herr weinte“). Anders als bei katholischen Kirchen üblich, ist sie nach Westen und nicht nach Osten ausgerichtet. Durch ein hübsches Fenster hinter dem Altar erblickt man die Altstadt mit dem Felsendom und der Grabeskirche, die in etwa auf gleicher Höhe liegen. Es empfiehlt sich sehr früh an diesem Ort zu sein, denn die kleine Kirche war äußerst gut gefüllt und die Morgensonne wirft das beste Licht auf die goldene Kuppel des Felsendoms.

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Natürlich war auch von hier das Panorama auf den gegenüberliegenden Tempelberg unwiderstehlich. Besonders das zugemauerte Goldene Tor (Tor des Erbarmens), eines der fünf Tore in die Altstadt, fällt unweigerlich ins Auge. Im Inneren befand sich eine Moschee, die 2003 wegen illegaler Bauarbeiten geschlossen wurde. 2019 räumte die israelische Polizei eine dort abermals provisorisch errichtete Moschee.

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Auf dem beschwerlichen Weg nach oben (es war bereits wieder sehr heiß!) machten wir einige Pausen und genossen weiterhin das Panorama. Sogar Mika wollte immer wieder „Selfies für Oma“ von sich machen. So süß! Wer im Übrigen darüber nachdenkt über den Friedhof auf direktem Wege zur Dominus Flevit zu laufen, dem sei ans Herz gelegt, dass dies kein guter Plan ist. Der Friedhof ist ummauert und die Tore im Westen und Nordwesten verschlossen. Wir hatten lediglich das Glück auf einen netten Friedhofsmitarbeiter zu treffen, bei dem wir Mitleid erzeugten, als wir verzweifelt feststellten, dass wir den ganzen Weg nach oben hätten zurückgehen müssen. Er öffnete eigens für uns ein großes Schiebetor in der Mauer, für das wir in der aufkommenden Hitze unendlich dankbar waren.

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Wir verabschiedeten uns von der einmaligen Aussicht und fuhren wieder aus der Stadt hinaus in Richtung Totes Meer. Die Mauer war allgegenwärtig und ihre imposante Größe ziemlich beeindruckend. Was für ein Bollwerk! Für deutsche Besucher kein einfacher Anblick!

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Die Fahrt durch die Judäische Wüste war spektakulär. Die Halbwüste bietet surreale karge Felsen-Landschaften, in denen ein (Über-)Leben fast unmöglich erscheint.

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Schon nach kurzer Zeit erreichten wir das Tote Meer, den tiefsten frei zugänglichen Punkt der Erde. Weder andere Autos noch Menschen kreuzten unseren Weg. Ich fuhr zu dem Strandabschnitt „Kalia Beach“, an der nordwestlichen Ecke dieses abflusslosen Sees. Der Zugang war durch eine Schranke versperrt und sah alles andere als einladend aus. Wir kehrten daher um und fuhren noch ein kleines Stück weiter zu einem Resort, dessen Name ich vergessen (oder auch nie gewusst) habe. Alles schien verlassen – zahlreiche leere Barracken auf dem Areal zwischen Straße und Küste, aber auch im Resort selbst. Es gab auf dem riesigen Parkplatz ein Wächterhäuschen mit Schranke. Der in einer Zeitung lesende gelangweilte ältere Mann im Inneren winkte uns lächelnd durch, ohne Geld haben zu wollen. An einem riesigen Dino (?) vorbei gelangten wir auf das Hotelgelände. Weit und breit war niemand zu sehen – das war schon fast gruselig. Wir sahen uns etwas um und plötzlich stand jemand hinter mir, der wissen wollte, ob wir im Toten Meer baden gehen wollen. Ähm ja, eigentlich schon. Er knöpfte mir umgerechnet 15 Euro für eine Tageskarte ab und Mika ging kostenfrei durch. Und so machten wir uns auf den Weg durch das ziemlich große und menschenleere Hotelgelände hinunter zum Strand. Naja, Strand ist auch übertrieben. Mein Gott, was war ich enttäuscht! Der steinige Zugang zum Wasser war völlig zugemüllt und insgesamt äußerst ungepflegt. Die am Ufer installierten Süßwasserduschen waren derart von glitschigen Algen überzogen, dass das Betreten der unebenen Betonfläche, auf die das Wasser prasselte, fast unmöglich war. Die umher stehenden Plastikstühle waren durchweg alle kaputt. Unten am Wasser trafen wir dann tatsächlich auch auf ein paar Menschen: eine Gruppe einheimischer Jugendlicher, ein Pärchen mit zwei frei laufenden Hunden, die später auch ihr Geschäft einfach am Strand hinterließen, ohne dass es die Besitzer juckte, sowie drei ältere Damen, die sichtlich Spaß im Wasser hatten. Drüben am Kalia Beach war ein bisschen mehr los. Ich verzichtete auf das Baden (ich kann auch ohne Salz ganz gut an der Wasseroberfläche treiben, hihi) und auch Mika watete nur bis zum Po hinein. Nein, es war einfach nicht schön und wir verweilten nur knapp 30 Minuten an dieser schnöden Stelle, bevor wir uns wieder hinauf ins Resort begaben.

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Wir spazierten noch eine Weile auf dem scheinbar verlassenen Gelände umher, in der Hoffnung noch irgendetwas Interessantes zu entdecken und siehe da: kurz vorm Ausgang entdeckten wir versteckt hinter einer Mauer, nur erreichbar durch eine ganz kleine unscheinbare Tür, ein riesiges Pool-Gelände. Auch hier: keine Menschenseele! Und es war überraschend sauber! Augenscheinlich hatte die Saison noch nicht begonnen, obwohl es bereits über 30 Grad waren, und das bedeutet ganz offensichtlich, dass das Hotel noch keine Gäste hat. Nicht mal Angestellte waren zu sehen. Der einzige Mensch, der uns auf dem Areal begegnete, war der Typ am Anfang, bei dem ich bezahlt hatte. Aber auch er ward nie wieder gesehen. Hier am Pool hielten wir es jedenfalls noch gut 1-2 Stunden aus, badeten im eiskalten Wasser und relaxten auf den Liegen, bevor wir uns auf den Rückweg machten.

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Die Rückfahrt war auf Grund der kargen ungewöhnlichen Landschaft zumindest für mich kurzweilig und abwechslungsreich. Mika war schon nach wenigen Minuten in ein wohlverdientes Schläfchen versunken. Ein kleines Highlight erwartete uns aber noch auf der Rückfahrt, doch dazu mehr im nächsten Beitrag.

7 Kommentare zu „Israel: Jerusalem und Totes Meer

  1. Hallo Verena, Du hast keine Kontrollen von TA nach Jerusalem gehabt, weil Du das Land ja nicht gewechselt hast. Jerusalem ist ja das Problemkind in der Region und er Zankapfel schlechthin. Die Moslems beanspruchen für sich yostjerusalem inkl. Tempelberg und Al Aqsa Moschee, genau den Teil der auch für die Juden heilig ist. Dort befindet sich dummerweise auch noch die Western Wall und die vermutete Budneslade unter dem Felsendom….verzwickte Kiste. Seitdem Jerusalem nun auch noch Hauptstadt von Israel geworden ist ( dafür hat das Trumpeltier gesorgt) ist die Problematik nicht besser geworden. Einen tollen Eindruck gibt Dir ein Besuch der Altstadt, mit seinen vier Stadtteilen ( jüdisch, christlich, muslimisch, äthiopisch)….ach Jerusalem ist einfach toll!
    Achöne Bilder,by the way.

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    1. Danke.☺️ Ich bin davon ausgegangen, dass es zum Westjordanland Grenzkontrollen gibt und wie ich später festgestellt habe, soll es wohl auch tatsächlich mobile Grenzposten geben. Heißt, dass sie, wenn sich die Situation anspannt, flexibel und schnell reagieren und die Grenze dicht machen können.
      Für die Altstadt war keine Zeit. Nicht mal der Ölberg war wirklich geplant. Ich hatte den Mietwagen spontan gebucht und wollte eigentlich nur mal ans Tote Meer.😉

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      1. Fixe Grenzposten hast Du auch, wenn Du von Jerusalem nach Bethlehem fährst, da sieht man dann dann auch Deine Mauerfotos von der anderen Seite,eben aus der Westbank. Ziemlich bemalt und eine düstere Erinnerung an unsere eigene Geschichte. Dei Grenzen an sich waren immer harmlos,auch mit israelischem Kennzeichen hattem wir im Westjordanland nie Probleme. 2012 sind wir ja durch dei gesamte Westbank gefahren,no problem….

        LG Sandra

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  2. achja, bzgl. Totes Meer, das zieht sich leider aufgrund der beschissenen Politik der Israelis immer weiter zurück. Während ich 2012 noch am Mineral Beach toll baden konnte, war dieser 2017 komplett verschwunden. Wir waren 2017 in En Bokek baden, aber auch dort sah man dass der Wasserstand. immer niedriger wird.

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    1. Ich war wirklich enttäuscht. Alles so dreckig, abgeranzt und ungepflegt. Wahrscheinlich ist es im Süden, wo die ganzen großen Hotels sind anders, aber den Norden würde ich wirklich null weiterempfehlen. Vielleicht hätten wir nach Ein Gedi fahren sollen, aber so viel Zeit war ja nicht. Egal, wir waren mal am Toten Meer.☺️

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  3. Ich hatte ja das Privileg, deinen Bericht über diese Tour kurz nach eurer Rückkehr live vor Ort serviert zu bekommen. Doch nun, garniert mit deinen tollen Fotos, ist das noch deutlich schöner. Jetzt habe ich natürlich auch noch mehr Lust, im Oktober nach Jerusalem zu fliegen 😅. Auch auf die Halbwüste hast du mich neugierig gemacht.

    Mit eurer Stoppstelle am Toten Meer hattet ihr ja leider etwas Pech. Ich gehe davon aus, dass es da doch noch schönere Küstenabschnitte gibt. Ein Glück, dass ihr wenigstens noch das Poolgelände entdeckt habt! Nun harre ich auf die Fortsetzung in deinem nächsten Bericht 😎.

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    1. Ja, mit Bildern ist das natürlich viel anschaulicher. Die Landschaft und gerade Jerusalem sind mit Worten auch kaum beschreibbar. Ans Tote Meer muss ich wohl nicht unbedingt nochmal, auch wenn ich den Abstecher nicht missen möchte. Aber die Altstadt von Jerusalem interessiert mich schon. Solltest du deinen Trip auf nächstes Jahr verschieben müssen, schaue ich glatt mal, ob wir das zeitlich wieder zusammen abpassen.😜 Auch einem zweiten (Entspannungs-)Besuch in Tel Aviv bin ich nicht abgeneigt.🥰

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