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Vom kalten Berlin ins verregnete San Marino!

Ein letztes Mal von Berlin Tegel abfliegen! In weniger als drei Wochen ist dieser Flughafen Geschichte und der neue BER öffnet endlich – mit „nur“ 9 Jahren Verspätung. Mich erschüttert es nicht, denn ich mochte lediglich die Terminals A + B. Die sehr hässlichen und unorganisierten Terminals C + D hingegen werde ich in keiner Weise vermissen. In Letzterem habe ich sogar mal einen Flug verpasst, weil es dort abgrundtief chaotisch zuging. Natürlich finde auch ich, dass die Architektur von Tegel (A/B) einmalig und absolut gut durchdacht ist und bedaure, dass sich dieser Aufbau eines Terminals nicht weiter durchgesetzt hat. Aber schauen wir mal, wie sich der neue BER so machen wird.

Heute, am 11. Oktober 2020, sollte es nun aber nochmal vom Terminal C in Tegel losgehen und wir machten das Beste daraus, indem wir draußen auf dem Vorplatz erstmal eine halbe Stunde lang eine Kastanie hin und her kickten. Am einzigen Snack-Stand vor der Security holten wir uns eine nicht mehr sehr frische Brezel und erhielten ein kleines Spiel als Geschenk dazu. Na? Wer bin ich? Die Wartezeit verging schnell und unsere EasyJet-Maschine startete überpünktlich und fast voll gen Süden. In Corona-Zeiten erwartet man ja eher nicht so ausgelastete Flugzeuge, aber da der Flugplan sehr gestrafft und viele Flüge gestrichen wurden (so auch unser Rückflug, aber dazu später mehr), betrug die Auslastung in unserer Maschine gefühlte 95 Prozent.

Der Landeanflug auf dem Marco Polo Airport in Venedig war spektakulär. Leider hatte ich mein Handy nicht griffbereit, aber die Aussicht auf die Lagune, die kleinen Inseln und das Meer drumherum war trotz des wolkenverhangenen Himmels und des Nieselregens atemberaubend. Sogar Mika erkannte den Markusplatz und erinnerte sich an die vielen Bootsfahrten auf den Kanälen. Schööön.

Wir holten unsere Koffer und ich tröstete Mika, der sehr enttäuscht darüber war, dass wir über keinerlei Laufbänder, sogenannte Fahrsteige, laufen konnten. Seit Toronto liebt er die wie verrückt. Wir folgten den Schildern „Rent a car“ bis zum nächstgelegenen Parkhaus. Die Abholung verlief reibungslos und relativ zügig. Der Plan sah ja ursprünglich vor, ganz gemütlich an der Küste entlang bis nach San Marino zu tingeln und da anzuhalten, wo es schön ist. Durch die Verschiebung des Fluges von 9:15 auf 13:10 Uhr kamen wir aber erst gegen 15 Uhr an und konnten somit erst gegen 16:20 Uhr vom Flughafen losfahren. Auch das Wetter spielte leider so gar nicht mit. Es regnete, regnete, regnete.

Kurz vor Chioggia fuhren wir über einen ewig langen Damm (Bild oben), zu dessen beiden Seiten die Wellen auf die Straße peitschten. Endlich am Meer! Bei sonnigem Wetter wäre die Fahrt sicher nicht zum Aushalten schön gewesen. Kurz hinter der Abfahrt nach Chioggia durchquerten wir einen Nationalpark. Der Himmel klarte kurz auf und wir hielten an einem Aussichtsturm, den wir erklimmen wollten. Ich schaffte es dank meiner Höhenangst nur bis auf die erste Plattform, haha. Mika kraxelte natürlich bis ganz nach oben und feixte.

Zurück im Auto begann es schon wieder zu regnen und die Dämmerung ließ nicht mehr lange auf sich warten. Mika hatte im schicken neuen VW Polo sogar ein ordentliches Leselicht auf dem Rücksitz und übte mit seinem Lerncomputer für die Schule oder malte. Er war so artig – einfach toll! Insgesamt waren die 3 h Autofahrt etwas zäh, da man fast ausschließlich nur 70 km/h fahren durfte. Ein kleiner Stop bei McDonalds in Rimini füllte notdürftig unsere Mägen und gegen 20 Uhr waren wir dann endlich in unserem Hotel in San Marino angekommen. Auf dem Weg dorthin wurde es plötzlich total bergig. Ihr müsst euch vorstellen, dass ihr fast 3 h lang nur ebenerdig fahrt und dann taucht da plötzlich aus dem Nichts ein Berg auf. Es wurde teilweise sogar richtig steil. Völlig surreal. Durch den Regen sind die nächtlichen Fotos nicht wirklich gelungen, aber sie zeigen eine kleine Ahnung von dem, wie und wo San Marino liegt. Viel mehr sollten wir leider auch am nächsten Tag nicht davon zu sehen bekommen.

Unser Hotel, das Grand Hotel Primavera, war mit Google Maps leicht zu finden und befindet sich bereits am Berghang in San Marino, jedoch noch vor dem Grenzschild zum historischen Zentrum. Das Zimmer war sehr sauber und landestypisch eingerichtet. Den Indoor-Pool fanden wir direkt am Ende unseres Flures. Wir ruhten uns 10 Minuten aus und gingen dann noch fix schwimmen, bevor wir in die Betten fielen.

Am nächsten Morgen hatte es zwar aufgehört zu regnen, aber die Wolken hingen noch tief und die Sonne versuchte vergeblich sich hindurch zu kämpfen. Immerhin begrüßte uns ein schöner Regenbogen genau über unserem Hotel.

Wir passierten die Grenze, die lediglich an ein paar Schildern erkennbar war, und schlängelten uns in Formel 1 – Manier über zahlreiche Spitzkurven den Berg hoch. Immer höher und höher, bis wir schließlich in den Wolken verschwanden und die Sichtweite auf unter 50 Meter sank.

Mit dem Wetter hatten wir wirklich großes Pech! Ganz oben angekommen hielten wir auf dem Parcheggio 6, direkt neben einem Stadt-Tor. Die riesige Stadtmauer war schon sehr beeindruckend und ich überlegte kurz, ob wir auf einen freien Parkplatz warten und einen Spaziergang durch die Altstadt wagen sollten. Aber es begann zu regnen – nach und nach immer stärker – und ein Parkplatz wurde auch nach 10 Minuten immer noch nicht frei. Da das Spektakulärste in San Marino, meiner bescheidenen Meinung nach, wohl die Sicht nach unten ist und diese Sicht heute gleich Null war, verabschiedeten wir uns von dem Gedanken, zu Fuß den Berggipfel zu erkunden. Wir hatten auch weder Schirm noch Regenjacke dabei.

Auf dem Weg hinab passierten wir noch die Seilbahnstation, die ich zuvor aus Google Maps herausgesucht hatte und mit der ich Mika überraschen wollte. Aber auch diese Fahrt mussten wir sausen lassen. So schade!

Wieder zurück in Bella Italia wurde das Wetter leider auch nicht besser. Wir fuhren auf schmalen und zum Teil nur schwer passierbaren Landstraßen durch die Berge. Aber wir hatten ja Zeit. Durch das fehlende Sightseeing in San Marino war es noch früher Vormittag. Vielen Autos begegneten wir nicht. Wir picknickten unterwegs und hielten hier und da mal für ein Foto an. Die Landschaft war sehr schön, aber so ein bisschen bedröppelt wirken die Fotos leider trotzdem.

Besonders die Fahrten über die Gipfelgrade des Apennin-Gebirgszugs, auf denen es links und rechts tief hinab ging, waren aufregend. Da diese aber volle Konzentration forderten und keinerlei Haltebuchten boten, müsst ihr leider auf diese Aussichten verzichten. Gerne hätte ich diese Pässe bildlich festgehalten.

Kaum waren wir über den Gipfel und somit auf der anderen Seite der Wetterscheide, blinzelte uns die Sonne entgegen. Verrückt! Ein völlig anderes Wetter – viel wärmer, sonnig und vor allem trocken! Wir waren etwas zu früh in unserem Hotel Montaperti in Casetta. Der Ort liegt nur 15 km von Siena entfernt, weshalb ich uns hier für zwei Nächte einquartierte. Das kleine Dorf befindet sich unweit der Schnellstraße und das Hotel oben auf einem Hügel außerhalb des Ortes – mitten in der Natur und mit Blick auf die typische Landschaft der Toskana. Wir checkten nach etwas Wartezeit, die wir mit einem kleinen Spaziergang verbrachten, in unser wunderschönes Zimmer ein und statteten erstmal dem Pool einen Besuch ab.

Pandemiebedingt waren nur sehr wenige Gäste im Hotel. Zum Glück! Denn verständlicherweise darf nur eine bestimmte Anzahl an Menschen in den Pool-Bereich. Nach dem Planschen fuhren wir noch in den Nachbarort und deckten uns, mit Masken und Einmalhandschuhen bewaffnet, im Supermarkt für die nächsten Tage mit Lebensmitteln ein. Danach bestaunten wir den Sonnenuntergang und warteten auf das Abendessen.

Punkt 19:30 Uhr betraten wir das hoteleigene gemütliche Restaurant, dass wir uns lediglich mit zwei holländischen Mädels und einer kleinen dreiköpfigen italienischen Familie teilten. Das Essen war sehr lecker – für mich gab es Risotto und für meinen kleinen Gourmet die ersten Shrimps in diesem Urlaub.

6 Kommentare zu „Vom kalten Berlin ins verregnete San Marino!

  1. Ach, Tegel! Ich bin durchaus gerne von dort aus abgeflogen. Ich mochte die kurzen Wege innerhalb des Flughafens – und natürlich auch den Umstand, dass er von unserer Wohnung aus deutlich schneller zu erreichen war als der BER. Ja, warten wir mal ab, wie sich der Neue entwickelt! Wenn wir denn überhaupt erst mal wieder abheben können 😅.

    @Anflug: Schade, dass dein Handy außer Reichweite war! Solche Luftaufnahmen liebe ich ja. Beim nächsten Mal, wa 😎? Bedauerlich auch, dass dort so ein bescheidenes Wetter auf euch wartete. Aber ihr habt ja dann doch noch was daraus gemacht im Rahmen des Möglichen. Ein Grund mehr, irgendwann einmal wieder dorthin zu fahren und San Marino eine zweite Chance zu geben.

    Casetta war dann ja wohl sehr um Wiedergutmachung bemüht 👍. Da hattest du ja auch eine ziemlich schicke Bude für euch gerissen. Das Foto mit Mika und den Trauben ist übrigens total schön. Posen kann der Kleine, wa? Sein richtiges Abendessen sieht aber auch gut aus. Bin schon gespannt auf die nächsten Tage!

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    1. Ich fand Tegel auch klasse, aber eben nur Terminal A/B. Leider bin ich nur selten von dort abgeflogen. Der Rest war mir ein Graus! Aber ja, SXF und nun der BER sind von mir aus auch nur einen Katzensprung entfernt, im Gegensatz zum Ex-TXL. Nützt mir aktuell natürlich kaum bis nix, aber ich bete für baldigen Wandel.😂

      Nach Venedig fliege ich definitiv wieder (dann mit Handy in der Hand😅) und auch San Marino wird irgendwann nochmal nachgeholt. Manchmal kommt es eben anders als geplant…aber das macht das Reisen ja auch aus.

      Danke für das Kompliment. Das Foto finde ich auch ganz toll. Ja, posen konnte er von Anfang an ziemlich gut. Er ist auch irgendwie immer sehr fotogen.🤓

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  2. Habe ja schon auf Deine Italienberichte gewartet, schließlich wird es mich im Juni wieder auf den Stiefel ziehen ( hoffentlich). San Marino, tja schade mit dem Wetter …aber an der Adriaseite ist tatsächlich Ende September so gut wie vorbei mit der Saison. Die Toskana ist dann doch stabiler vom Wetter. Freue mich auf Siena, war neben San Gimignano mein Hightlight in der Toskana.
    LG Sandra

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    1. Ja, durch den Umzug, Home-Schooling, usw. dauert es alles etwas länger. Und hinzu kam noch die Faulheit, wenn ich doch mal Zeit dafür gehabt hätte.😂

      Die Wetterscheide (Appenin) ist dort wirklich gravierend. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Wo genau verschlägt es euch denn im Juni hin?

      Bei Siena kann ich dir nur zustimmen. Hat mir super gut gefallen und war neben Verona und Florenz auch mein Highlight auf dieser Reise.😍

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      1. Wir sind, so Corona will, eine Woche in Südtirol in Kaltern, direkt am Kalterer See. Habe mir von dort einige Wanderungen und Almen ( Seceda und Seiser Alm, Grödner Tal, Geisler Spitzen) vorgenommen. Von dort gehts nach Cavallino Treporti, dem Rambazamba Strand von Italien ….dort war ich mal 1988 und bin echt gespannt, wie schrecklich es wird….letztendlich ging es um die Nähe zu Venedig und dem Meer. Wir fahren das erste Mal mit WoWa und sowohl Kaltern als auch Cavallino stellen keine Ansprüche an den Skoda, d.h beide Orte sind eher im Tal. Mir ists mittlerweile egal, ich wäre nach dem vermasselten Urlaub im Januar auch mit dem Harz schon zufrieden. So langsam nervt es wirklich, meine verschobene Reise nach Oslo in 2020, wird ja wohl auch in 2021 wohl nicht stattfinden und es schlummert viel Geld bei f**ck Aida. Könnte mich in den Allerwertesten beißen, das ich als Kreuzfahrtgegnerin mich zu diesem Geschenk in 2019 habe hinreißen lassen……
        LG Sandra

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      2. Ach stimmt, euer erste Wowa-Urlaub steht ja in den Startlöchern. Eure Ziele in Südtirol klingen sehr gut. Und auf die Fotos vom Ramba Zamba Strand bin ich nun auch gespannt.😅 Wo sollte es mit Aida nochmal hingehen? Erstatten die das Geld wirklich nicht zurück?😳

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