Israel · Naher Osten

Tel Aviv: Jaffa – Old Town

Tag 2: Nach dem Ausschlafen und einer Portion Müsli fuhren wir mit dem Bus Nr. 18 quasi vor der Haustür ab und stiegen elf Stationen und nur knapp 20 Minuten später in der Nähe des Hafens von Jaffa aus. Ich warne euch gleich vor: dieser Beitrag wird sehr lang, weil ich mich einfach nicht entscheiden konnte, welche Fotos ich auswählen soll. Also lehnt euch zurück und nehmt euch für diesen visuellen Ausflug nach Jaffa etwas Zeit.

An dieser Stelle ein kleiner historischer Exkurs: Jaffa war schon immer ein Ort wechselnder Herrschaftsverhältnisse. Im Altertum herrschten die Phönizier, danach die Makkabäer und dann kamen die Römer. 636 eroberte Kalif Omar den Ort, während des ersten Kreuzzuges 1099 gewann Gottfried von Bouillon die Stadt für sich und 1187 wurde Jaffa schließlich durch Sultan Saladin erobert, der auch Jerusalem einnahm. Wer den Film „Königreich der Himmel“ kennt, dem sollten diese Namen bekannt vorkommen. Nur vier Jahre später besetzte Richard Löwenherz die Stadt kampflos. Ab 1268 herrschten dann die Mameluken und 1516 fiel die Stadt schließlich an das Osmanische Reich. Sogar Napoléon Bonaparte wollte Jaffa unter seine Fittiche bekommen und eroberte sie 1799 nach einem sechsstündigen Artilleriebeschuss. 1832 versuchten dann ägyptische Truppen ihr Glück, mussten aber sogleich wieder abziehen, weil Jaffa erneut vom Osmanischen Reich regiert wurde. Das Ende des ersten Weltkrieges besiegelte dann auch die Niederlage des Osmanischen Reiches und Jaffa fiel in britische Obhut, die allerdings 1948 endete, als der unabhängige Staat Israel gegründet wurde. Im Jahr 1950 wurde Jaffa mit der Stadt Tel Aviv vereinigt und heißt bis heute Tel Aviv – Jaffa.

In der Altstadt Jaffas, in den schmalen pittoresken Gassen, finden sich noch heute zahlreiche liebevoll restaurierte Steingebäude aus der osmanischen Periode, die zu einem wunderschönen Künstlerviertel gehören. Einer dieser Künstler war offensichtlich von der Geschichte um Jonas und den Wal fasziniert und widmete zumindest dem Wal ein kleines Denkmal. Wer die Geschichte nicht kennt, hier die Kurzfassung: Jonas hatte einen Auftrag von Gott bekommen, den er nicht erfüllen und deshalb von Jaffa aus übers Meer nach Spanien fliehen wollte. Gott bekam das mit und entfachte einen Sturm. Jonas wurde als Übeltäter enttarnt und über Bord geworfen. Dort wurde er von einem Wal verschlungen und nach drei Tagen voller Gebete im Bauch des Wals wieder an Land ausgespuckt. Nun wisst ihr Bescheid.

Wir erreichten nach nur wenigen Metern das Uri Gellar Museum und Mika bestaunte einen gigantischen gebogenen Löffel. Ich kann mir nur schwer vorstellen, was der Inhalt dieses Museums sein soll, denn Uri selbst wird sicher nicht vor Ort sein. Und Magie ohne Zauberer erscheint mir nicht sehr logisch.

Wir ließen dieses Museum aber rechts liegen und wandten uns dem Ilana Goor Museum direkt daneben zu. Ich hatte im Vorfeld darüber gelesen und es klang recht interessant. Das Museum befindet sich in einem Gebäude aus dem Jahr 1742 oberhalb des Hafens, das unterschiedlichen Zwecken diente, so z.B. als Parfum- und Seifenmanufaktur, Synagoge und Unterkunft. In den 1970ern wurde Old Jaffa zunehmend von Künstlern entdeckt, die dort lebten und arbeiteten – unter ihnen auch Ilana Goor. Zahlreiche kleine Ateliers und Galerien eröffneten. 1983 kaufte sie die verfallene Kreuzritter-Residenz und sanierte das Gebäude, das ihr zunächst als Wohnhaus und Atelier diente. 1995 eröffnete die Künstlerin dann zusätzlich das Museum.

Die Kunstwerke sind in mehreren Etagen des Gebäudes sowie auf der interessanten Dachterrasse mit Meerblick ausgestellt. Neben eigenen Werken von Ilana Goor (Skulpturen, ausgefallene Schmuckstücke, sowie futuristische Retromöbel) umfasst die Sammlung auch afrikanische und orientalische Kunst, antike Artefakte, sakrale Kunst aus dem Mittelalter und moderne Kunst der Neuzeit, u.a. auch Skulpturen von Henry Moore, Alexander Archipenko und Diego Giacometti, Bilder von Josef Albers oder einen Designstuhl von Frank Gehry (Quelle: Wikipedia). Wir betraten das Haus im Untergeschoss, wo wir den Eintritt zahlten und eine Leih-Broschüre bekamen, und fuhren mit einem nachträglich eingebauten Fahrstuhl bis ganz nach oben, wo uns eine kleine Treppe auf die hübsche Dachterrasse führte. Mit allerlei Sitzmöbeln lädt sie zum Verweilen und Betrachten ein.

Hier gab es für uns neben vielen skurrilen Skulpturen und hübschen Blumen auch wunderschöne Ausblicke auf die umliegenden Stadtteile zu sehen, u.a. den Hafen, die Altstadt und das südliche Viertel von Jaffa.

In der Etage darunter gab es ebenfalls nochmal kleinere Terrassen und eine sehr sehenswerte Küche mit Artefakten aus längst vergangenen Tagen. Kochen mit Aussicht ist hier das Thema! Aber besonders fasziniert waren wir von der knallig bunten Pferde-Skulptur, die wir bereits von oben bewundern konnten.

Ich habe unzählige Fotos von den Kuriositäten gemacht, aber die alle in den Blog aufzunehmen würde wohl wirklich den Rahmen sprengen. Bei vielen habe ich auch den Sinn nicht verstanden. So gab es z.B. Stühle jeglicher Form mit Tierschädeln an der Rückenlehne, überdimensionale Spinnen an der Decke oder ein Klavier mit lauter Katzenfiguren.

Nachdem wir uns erfolgreich von oben nach unten „durchgearbeitet“ haben, gaben wir unser Info-Heft zurück und steuerten als Nächstes den Hafen an. Das war nicht so einfach wie gedacht, da wir in den schmalen Altstadtgassen einige Male in einer Sackgasse landeten. Unangenehm war das aber ganz und gar nicht, denn gerade diese kleinen verwunschenen Ecken haben uns besonders gut gefallen.

Der Hafen der Stadt ist in der Regel von Touristen und Fischern bevölkert. Hier stehen auch einige wichtige christliche Stätten, wie etwa das Haus Simon des Gärbers (Foto siehe oben) sowie das Grab der Jesus-Jüngerin Tabitha (Tabea), die aufgrund ihrer guten Taten von Petrus vom Tode erweckt wurde. Archäologische Fundstücke zeigen, dass Jaffa bereits 3500 v. Chr. besiedelt war. Holzlieferungen für den ersten und zweiten jüdischen Tempel wurden über diesen Hafen importiert.

Auf der Hafenpromenade war einiges los, aber jetzt am Vormittag hielt es sich noch gut in Grenzen. Wir schlenderten am Wasser entlang und entdeckten dabei nicht nur tolle Streetart und kleine süße Läden, sondern auch Mika’s heimlichen Wohnsitz in Jaffa.

Eine der Hauptsehenswürdigkeiten von Old Jaffa ist die Kuppe des in ihrem Zentrum liegenden Hügels, auf dem sich Restaurants, Galerien und exklusive Judaica-Läden, eine Promenade, die alte Meeresmauer, ein Besucherzentrum und der Kdumim-Platz befinden. Wir erklommen diese Kuppe von der um 1600 errichteten Al Bahr Moschee aus. Steile Stufen führten uns zu kleinen ruhigen Wegen, die uns bis zur Franziskanerkirche Sankt Peter hinauf führten.

Natürlich warfen wir auch einen kurzen Blick hinein und ich war wirklich beeindruckt davon, wie hübsch diese Kirche ist. Von Außen eher unscheinbar, entpuppt sich im Innern eine wahre Schönheit.

Fast direkt daneben befindet sich der Brunnen „Zodiac Signs“. Mit kindlich dargestellten Wesen werden hier auf lustige Art und Weise die 12 Tierkreiszeichen dargestellt.

Der Kdumim-Platz ist der zentrale Ort auf dem Hügel und ist umsäumt von gastronomischen Einrichtungen, einer Touristeninformation sowie kleineren Souvenir-Geschäften. Von dort aus führen Treppen noch ein kleines Stück höher in den Sha’ar Ra’amses Garden mit dem Ramses Gate und in den daneben liegenden Abrasha Park. Um dorthin zu gelangen, überquerten wir die mit Sternzeichen verzierte „Wishing Bridge“, auf der sich Mika natürlich auch etwas gewünscht hat.

Vom Tor des Ramses aus, also dem höchsten Punkt Jaffas, bot sich uns ein traumhafter Blick über die Skyline von Tel Aviv.  Das Tor steht an der Stelle einer alten ägyptischen Festung aus dem 13. Jahrhundert, die den Hafen bewachte.

Wir durchquerten den Sha’ar Ra’amses Garden und fanden so den hängenden Orangenbaum. Viel schöner und interessanter als diese Kunstinstallation waren aber die kleinen Gassen drumherum.

An der Grenze der Altstadt, also wieder am unteren Ende des Hügels, steht der osmanische Uhrturm, an den sich das Agami-Viertel anschließt. Hier findet regelmäßig der Flea Market (Flohmarkt oder auch Souk) statt, der eine Fundgrube für Kunstliebhaber und Sammler darstellt. Die angebotenen Waren können Schnäppchen sein, aber auch völlig überteuert – wie auf jedem Markt dieser Art. Wir ließen uns einfach durch die wuseligen Gassen treiben und staunten über die Vielfalt der Dinge, die unterschiedlichen Gerüche und die zahlreichen Farben.

In einer der richtig schmalen Souk-Gassen fand Mika dann auch sein heißbeliebtes Holzschwert mit roten Verzierungen und einer Holzscheide. Nach kurzer Prüfung meinerseits, ob es auch den Handgepäck-Richtlinien entspricht, durfte er es sich kaufen. Er hat sogar selbst bezahlt und war danach ganz stolz.

Anschließend schlenderten wir zur Promenade und flanierten sie bis zum nächsten Restaurant entlang. Es war viel los. Skater, Radfahrer, Spaziergänger und Surfer aus allen erdenklichen Kulturkreisen genossen hier die frische Seeluft. Auch unsere vierbeinigen Freunde, die hier sogar einen abgetrennten eigenen Strandabschnitt haben, tobten voller Lebensfreude im kühlen Nass umher. Wusstet ihr, dass Tel Aviv zu den hundefreundlichsten Städten der Welt zählt?

In der Alma Beach Bar, direkt am Strand, bestellten wir uns hausgemachte Limonade und frittierte Calamaris. Super lecker! Man beachte das Schild auf dem Tresen. Haha.

Nachdem wir uns satt gegessen und genug Leute beobachtet haben, überquerten wir die mehrspurige Kaufmann Street und den dahinter liegenden großen Parkplatz und schon standen wir vor der Old Train Station. Der Bahnhof von Jaffa war der erste im Nahen Osten und bediente von 1891 an die Strecke nach Jerusalem. Nach der Schließung 1948 wurde er zwischen 2005 und 2009 restauriert. Seitdem ist „HaTachana“ ein großzügiges Kultur- und Freizeitareal. Das ehemalige Bahnhofsgelände avancierte zum Szene-Treffpunkt mit schicken Boutiquen, Bars und Restaurant mit schicken Terrassen sowie Künstlergalerien und kleinen Shops. Bierfeste, Musikfestivals und Kunstausstellungen stehen in den Sommermonaten auf der Tagesordnung. Heute allerdings war es eher ruhig und wir konnten ganz entspannt über das Gelände flanieren.

Da sich unmittelbar neben dem Bahnhof nicht nur einer der in der Stadt zahlreich vorhandenen eingezäunten Hundeauslaufplätze, sondern auch ein großer schöner Kinderspielplatz befand, machten wir dort noch für eine gute Stunde Rast. Pardon: nur Mika raste! Ich rostete eher – und zwar auf einer Bank.

Der Himmel zog sich immer weiter zu, sodass wir dann zur nahe gelegenen Bushaltestelle an der Kaufmann Street gingen anstatt den Heimweg zu Fuß anzutreten. Wir hatten Glück, denn unser Bus fuhr noch. Freitagnachmittag beginnt hier nämlich der Sabbat, der von Sonnenuntergang bis zum Eintritt der Dunkelheit am Samstagabend andauert. Dann fährt so gut wie nichts mehr, außer Taxi’s und private Fahrzeuge, die unbedingt müssen. Streng Gläubige nutzen nämlich nicht mal ihre eigenen PKW, da der Verbrennungsmotor mit Feuer gleich gesetzt wird und das Anzünden eines Feuers am Sabbat verboten ist. Wir deckten uns noch schnell mit 5-Minuten-Terrinen, Snacks und Getränken für morgen ein und verschwanden dann auf unserem Zimmer.

Wenn euch der Bericht und die Fotos gefallen haben, hinterlasst mir gerne einen kleinen Kommentar hier im Blog.

2 Kommentare zu „Tel Aviv: Jaffa – Old Town

  1. sehr schöner Bericht, nachdem jetzt auch meine erste Reise dem Virus zum Opfer gefallen ist, konnte. ich mal kurz virtuell aus D abtauchen. Jaffa gehört in TA zu meinen Lieblingsplätzen, leider waren bei allen meinen Besuchen immer min. 35 Grad ( Mai u Stember) und ich schlich mich mehr oder weniger durch die Altstadt….mal hübsch zu sehen, wie wenig dort los sein kann.
    LG Sandra

    Gefällt 1 Person

    1. Oh Gott, ja, bei 35 Grad macht das natürlich weniger Spaß!😓 Wir hatten angenehme 22 Grad mit leichter Bewölkung. Das war für die Altstadt perfekt. Jaffa ist wirklich hübsch. Danke für dein Feedback.🤗

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