Israel · Naher Osten

Berlin – Tel Aviv

Tag 1: Rrrrring! Um 3:20 Uhr, also mitten in der Nacht, klingelte der Wecker! Halleluja! Nicht ganz wach machten wir uns auf zum Flughafen Tegel. Glücklicherweise brachte uns Tobias mit dem Auto hin. Ich hätte es in dem Zustand fertig gebracht und wäre im Zug nach Frankfurt/Oder gelandet. Gegen 4 Uhr standen wir am Gate, wir hatten ja nur Handgepäck. Viele Menschen waren nicht da. Und dann ging das los, was ich immer am meisten hasse, das Warten! Pünktlich um 06:15 Uhr startete die Ryanair-Maschine und brachte uns auf einem sehr ruhigen Schönwetter-Flug über die österreichischen Alpen und die griechische Inselwelt in nur 3 Stunden und 45 Minuten ins sonnige Israel.

Der Anflug vom Meer über Tel Aviv war atemberaubend. Leider hatte ich das Handy in der Tasche und die musste oben ins Fach, weil wir Sitze in der 1. Reihe hatten. Nach der Landung führte mich der erste Gang zum ATM und der zweite zum Info-Schalter für den ÖPNV. Dort kaufte ich für Mika und mich je eine Rav Kav Karte. Diese Guthabenkarte kostet 10 Shekel (2,36€) und ich habe beide mit je 50 Shekel (11,82€) aufgeladen. Sie gilt für Züge, Busse, Straßenbahnen und U-Bahn und gilt im ganzen Land – allerdings zum Teil zu unterschiedlichen Tarifen. Ich kann es vorweg nehmen: wir sind die ganze Woche damit hingekommen.  Als nächstes suchten wir den Bahnhof, der aber auf Grund einer guten Ausschilderung schnell zu finden war. Unmittelbar vor dem Ankunftsterminal links halten und dann eine Rolltreppe runter, schon ist man da. Was ich nicht wusste war, dass man Zugfahrten außerhalb der Stadt vorher am Fahrkartenautomaten quasi freischalten muss. Als ich einem Mitarbeiter mit Händen und Füßen erklärte, wo wir hin möchten (Englisch war leider fehl am Platz), übernahm er das freundlicherweise für uns. Wir fuhren mit der Rolltreppe runter zum Gleis und nahmen 20 Minuten später den Zug Richtung Nahariya, ganz im Norden Israels.

Nach nur knapp 15 Minuten erreichten wir schon den Bahnhof HaHagana in Tel Aviv. Wir stiegen aus, unterquerten eine mehrspurige Straße und gesellten uns zu vielen Leuten an einer kleinen Bushaltestelle. Schon von dort konnten wir sehen, dass diese Stadt eine pulsierende und moderne Metropole ist.

Laut Google Maps konnten uns gleich mehrere Buslinien zum Hotel bringen, z.B. 16, 104 und 304. Ich weiß nicht mehr genau welche Linie wir genommen haben, aber kurze Zeit später waren wir an der Haltestelle Allenby/Balfour und unser „Hotel 75“ nur noch 70 m entfernt. Die Allenby Street ist eine der Hauptverkehrsadern der Stadt und gerade in Höhe unseres Hotels tobt das Leben. Nur 20 m neben dem Hotel hatten wir einen Supermarkt und eine Drogerie, gegenüber eine tolle Bäckerei und in unmittelbarer Nähe zahlreiche Restaurants und kleine Geschäfte sowie Bushaltestellen für gefühlt alle Buslinien der Stadt. Die Lage der Unterkunft war demzufolge schon mal perfekt.

Aber auch der Empfang an der Rezeption im 3. OG des Gebäudes war sehr freundlich. Wir waren zwei Stunden vor dem offiziellen Check-In da, mussten aber nur 10 Minuten warten, bis unser Zimmer fertig war. Das befand sich im 2. OG und besaß Fenster zu einer kleinen Seitengasse. Und hier bin ich auch schon beim einzigen Manko des Hotels. Die einfach verglasten Schiebefenster sind null dicht. Man hört einfach alles – selbst wenn sich abends Leute vorne an der Hauptstraße unterhalten, könnte man theoretisch mitplaudern. Ganz zu schweigen von den Massen an Autos, LKW’s, Motorrädern und sirenenheulenden Polizei- und Krankenwagenfahrzeugen. Aber hey, wir sind im Urlaub und lassen uns davon die Zeit nicht vermiesen. Und rückblickend betrachtet war es auf jeden Fall auszuhalten, weil wir abends sowieso immer so platt waren, dass wir gut schlafen konnten.

Wir machten ein ausgedehntes Mittagsschläfchen, da das nächtliche Aufstehen seinen Tribut forderte. Danach hatten wir Hunger! So liefen wir die Allenby ein Stück nach Norden und fanden im „Hamisada Express“ ein ordentliches Abendmahl zu moderaten Preisen. Direkt daneben war eine süße Eisdiele und neben dieser ein gut besuchter Cannabis-Shop. Der Konsum dieses Stoffes ist seit April 2019 in Tel Aviv nämlich nicht mehr strafbar.

Danach spazierten wir noch ein bisschen durch die nähere Umgebung. Es war sehr mild und wir waren ausgeschlafen. Fast gegenüber befand sich der Magen David Square, wo der bekannte Carmel Market beginnt, der nur 300 m von unserem Hotel entfernt ist. Allerdings waren die Verkäufer dort in den letzten Zügen und so wanderten wir durch zugemüllte geruchvolle kleine rutschige Gassen. Wir mussten beim Laufen ziemlich aufpassen, da im Bereich der Obst- und Gemüsestände fast das gesamte nicht verkaufte Angebot mitten auf die Straße geworfen wurde: Erdbeeren, Bananen, Mangos, Salate. Es war so schade, dass zu sehen, da vieles davon gar nicht schlecht aussah.

Wir bogen ab in Richtung Meer und kamen somit unweigerlich an der Hassan Bek Moschee vorbei, die uns an der rabenschwarzen Uferpromenade begrüßte. Dieses im osmanischen Baustil errichtete Gebäude aus dem Jahr 1916 ist die wohl bekannteste Moschee der Stadt. Es ist für den Betrachter ein interessanter Kontrast, da ringsherum ausschließlich moderne Bauten stehen, so z.B. das Hotel Intercontinental. Unmittelbar daneben befindet sich ein großer Park mit Spielplatz, wo sich Mika eine Weile vergnügte.

Wir nahmen den Rückweg zum Hotel in Angriff, der aber entsprechend Zeit in Anspruch nahm: hier und da ein Brunnen oder ein Spielplatz und viele schöne Gebäude mit gemütlichen Bars und entspannten Gästen. Besonders auffällig waren für mich die vielen Sitz- und Ruhegelegenheiten in der Stadt. Wir konnten bereits jetzt erahnen, dass sich das Leben hier vorwiegend draußen abspielt. Und offenbar wurde hier an alle Bürger gedacht, auch an die Älteren, die sich gerne auf ihrem Weg mal ausruhen möchten. Davon könnte sich Berlin noch einiges abschauen.

Wir machten noch einen kurzen Boxenstop im Supermarkt neben unserem Hotel und ließen den Abend gemütlich ausklingen. Mal sehen, was uns der morgige Tage bringt.

6 Kommentare zu „Berlin – Tel Aviv

  1. Na das war ja schon mal ein gelungener Auftakt der Israel Reise und ich bin schon gespannt wie es weiter geht! … und ein bisschen neugierig auf die Geschichte hinter dem Foto von Mika vor den Süßigkeitenstand (da sieht er ausnahmsweise mal nicht sehr happy aus)
    Ach und Mikas Abendessen sieht besser aus als deins 😜

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    1. Was soll ich sagen…er hat halt keine Süßigkeiten bekommen, deshalb schaut er so.😅 Nee im Ernst, es gab da einfach so viel für ihn zu sehen, dass er einfach nur konzentriert schaut. Und was hast du gegen Rigatoni in Pilzrahmsoße?🤪

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  2. Ich liebe den Carmel Markt, hoffe Du hast ihn im geöffneten Zustand auch nochmal genossen? Ja, die Allenby kann den Nerv rauben, unglaublich was sich da so durchschiebt. Bin gespannt wie es weitergeht.

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    1. Wir sind danach immer mal wieder dran vorbei gelaufen, aber nicht explizit durch. Nach dem riesigen Flohmarkt in Jaffa reichte uns das.😅 Ich mochte die Allenby eigentlich, weil es da so schön trubelig war und mit ordentlichen Fenstern wäre das auch absolut kein Ding gewesen. Wo hattest du denn in TA genächtigt?

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  3. Ja, mit dem Start mitten in der Nacht habt ihr euch echt ins Zeug gelegt, möglichst viel vom Tag zu haben 😎. Und letztendlich ist euch das ja auch gelungen! Dass euer Hotel gut war, hattest du mir ja schon erzählt. Jetzt bestätigen deine Fotos das. Hätte mir auch gut gefallen! Mal abgesehen von der Einfach-Verglasung, aber es gibt wahrlich Schlimmeres.

    Ja, eure Erlebnisse auf dem Carmel Market waren in der Tat komplett anders als meine! Interessant, die Szenerie mal abends zum „Auslaufen“ hin zu sehen. Krass, dass die Reste an Obst und Gemüse einfach weggeworfen werden 😳. Sooo schlecht kann das Zeug doch nach einem Tag fast nicht sein. Stimmt, in Tel Aviv gibt es auffallend viele Möglichkeiten, innezuhalten und sich hinzusetzen. Das ist echt klasse! Wie so Vieles in meiner neuen Lieblingsstadt.

    Und nun bin ich gespannt, wie deine Sicht auf die Stadt weitergeht!

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    1. Und ich bin schon sehr gespannt, auf deine weiteren Berichte. Es ist wirklich interessant zu sehen, was jemand unternommen hat, der zur gleichen Zeit dort war und wie unterschiedlich auch die Herangehensweise sein kann. Aber so ergänzen wir uns prima.😊

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