Europa · Finnland

Helsinki – Suomenlinna

Tag 3: Und wieder einmal versprach die Wettervorhersage einen regnerischen Tag. Ein Blick aus dem Zellenfenster brachte uns nicht weiter. Viele Wolken, hier und da mal etwas blauer Himmel, nur mäßig Sonne. Egal, der letzte volle Tag in Helsinki wollte gut genutzt werden. Wir zogen unseren Plan durch und liefen am späten Vormittag zum Anleger der Fähre nach Suomenlinna. Die Fähre ist im 3-Tages-Ticket enthalten, sodass sie uns nichts extra kostete. Die Überfahrt dauerte nur ca. 15 Minuten.

Es wehte eine frische Brise und das Thermometer zeigte nicht mal 20 Grad an. Dennoch blieben wir vom Regen verschont und die wenig protzige Skyline war beim Blick zurück wirklich hübsch anzusehen.

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Angekommen auf Suomenlinna schlenderten wir zunächst durch das kleine Besucherzentrum, wo wir uns ein wenig zur Geschichte bildeten, und die daneben liegende Galerie mit außergewöhnlich schönen impressionistischen Werken. Wir waren die Einzigen, denn alle anderen Passagiere stürmten sofort los ins Inselinnere. Kunstbanausen!

Bereits die ersten Häuschen, denen wir begegneten, stimmten uns fröhlich. Schön bunt und alle mit Blumen und schönen Veranden versehen. Das Museum wollte ich Mika nicht antun, obwohl der Eintritt frei war. Stattdessen weckte die Kanone davor das uneingeschränkte Interesse meines Kindes. Viele weitere sollten folgen.

Wir bogen auf Grund meiner Leidenschaft, nicht unbedingt der Masse zu folgen, irgendwo falsch ab und landeten in einer Sackgasse. Diese bescherte uns allerdings einen wunderbaren Blick über das Inselzentrum, bis hin zum Festland. Leider vergass ich vor Schreck ein Foto davon zu machen, wie Mika mit seinem Po in einer Reifenschaukel festhing. Hihi.

Dieses imposante vermeintlich leer stehende Bauwerk stand oben einsam und verlassen auf dem Hügel. Es ist das ehemalige Gefängnis von Suomenlinna. Es wirkte verlassen, allerdings hing davor ein bisschen Wäsche auf der Leine.

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An diesem kleinen idyllischen Örtchen gefiel es uns richtig gut. Wir kletterten über die Felsen, beobachteten Bienen und sehr selbstbewusste Gänse (vor denen wir letztendlich geflüchtet sind!) und genossen die frische Seeluft, die zu uns herüber wehte. Leider war ich nicht mutig genug abzuchecken, ob man um die rote Mauer herumkraxeln kann (siehe unten rechts), sodass wir den selben Weg zurückgingen, den wir gekommen waren. Natürlich wäre es gegangen, wie wir später feststellen mussten. Pech gehabt.

Über eine kleine Brücke spazierten wir zur Nachbarinsel, auf der sich u.a. die Bastion Zander befindet. Suomenlinna („Finnenburg“ bzw. „Schwedenburg“) ist eine um 1748 entstandene Festung, die sich auf mehreren kleinen miteinander verbundenen Inseln befindet. Das „Gibraltar des Nordens“ wird erst seit 1973 nicht mehr militärisch genutzt und ist nun UNESCO Weltkulturerbe. Es gehören etwa 200 Gebäude und 105 Kanonen aus dem deutschen Hause Krupp zu der Festung.

Der Bau der Festung begann noch unter schwedischer Herrschaft und wurde von den Finnen weitergeführt. Eine Verteidigung wurde notwendig, als Peter der Große meinte, sein neu gewonnenes Ostseereich von Sankt Petersburg aus zu vergrößern und Russland als neue Seemacht zu behaupten. Nun ja, was daraus wurde wissen wir ja.

Nachdem wir die Tunnel der Bastion unsicher gemacht haben, bestaunten wir die Werft und das Trockendock.

Wir schlenderten ganz gemütlich über die Insel. Mika erklomm diverse Kanonen und verkündete lautstark, dass ein neuer Ritter angekommen ist, der die Insel gegen alle Feinde verteidigen wird. Der Helm war allerdings noch ein bisschen groß.

In diesem hübschen Café „Piper“ mit fantastischem Blick auf’s Meer hinaus hätte ich gerne einen Kaffee getrunken und etwas verweilt. Leider war niemand da, der meinen Wunsch hätte erhören, geschweige denn erfüllen, können. Schade!

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Gleich dahinter landeten wir auf einem wunderschönen Küstenweg, der uns zu kleinen hinter Sandwällen versteckten Wohnhöhlen, felsigen Strandbuchten und zahlreichen Kanonen führte. Nun ließ sich obendrein auch noch ab und zu die Sonne blicken. Kaum auszuhalten! Ganz Mutige (wahrscheinlich Finnen!) waren sogar baden.

Mika und auch die anderen Kinder, denen wir begegneten, hatten so viel Spaß mit den Kanonen. Damit, dass die mal als Klettergerüst herhalten müssen, hätte früher wohl auch niemand gerechnet.

Am beeindruckendsten und landschaftlich hübschesten fand ich die schon erwähnten Sandwälle, in denen sich, von der Rückseite, gesehen kleine Hobbit-Höhlen versteckten. In einige konnte man hineingehen, allerdings waren sie leer, muffig und dunkel. Nix mit auenländischer Gemütlichkeit (Mittelerde-Fans kennen sich aus).

Wir spazierten zurück – natürlich mit nervigen Pausen, um kleine böse Steinchen aus den Sandalen zu pulen. Der Wind wurde langsam etwas frischer und ich hatte keine Jacke mit. Im Inselinneren war es wieder etwas angenehmer und so ging das auch mit dem Eis, das wir uns dort gönnten. Mmh, lecker Softeis! Mika wollte allerdings irgendetwas Grünes.

Nach einem Abstecher in den Souvenir-Shop und der wahnsinnig großen Ausbeute von einer finnischen Fahne, warteten wir auf die Fähre zurück. Sie fahren im 30-Minuten-Takt, was das Warten erträglich machte. Auf dem Rückweg boten sich auch nochmal einige hübsche Motive von Helsinkis Waterfront.

Wir pausierten eine Weile in unserem Hotel und gönnten meinen geschundenen Füßen eine wohlverdiente Pause. Über 10 km haben wir an diesem Tag hinter uns gebracht. Wer mich kennt, weiß, dass das eine Meisterleistung für mich war. Und Mika hat kein einziges Mal genörgelt!

Später am Abend machte sich großer Hunger breit. Wir hätten einen Elch verdrücken können. Den gab es beim Mexikaner aber glücklicherweise nicht. Das „Amarillo“ auf der Aleksanterinkatu war nett eingerichtet, das Essen lecker und der Service sehr freundlich.

Wir waren so vollgefuttert, dass wir die knapp 2 km zurück zum Hotel gelaufen sind. Auf dem leergefegten Senatsplatz machten wir eine kleine Fotosession mit dem Dom und dem wunderschönen Brunnen davor.

Wir schlenderten weiter nach Katajanokka, allerdings diesmal auf die andere Seite zum Nora Hamnen, dem Nordhafen. Hier liegen historische Segelschiffe, Yachten und weiter östlich an der Spitze der Insel Katajanokka die Eisbrecher vor Anker. Eine wunderschöne Ecke, für die wir leider keine Zeit mehr hatten. Durch die verlassenen Straßen kehrten wir letztlich pünktlich zur Geisterstunde in unser Gefängnis zurück.

Am nächsten Morgen brachen wir erst kurz vor 8 Uhr in Richtung Flughafen auf. Die Zugfahrt und der anschließende Flug mit EasyJet waren unspektakulär. Gegen 13 Uhr waren wir wieder zu Hause und freuten uns auf den Mittagsschlaf. Es waren bezaubernde und entspannte Tage in der finnischen Hauptstadt. Nächstes Mal haben wir sicherlich mehr Zeit und können weitere schöne Ecken von Finnland kennenlernen.

2 Kommentare zu „Helsinki – Suomenlinna

  1. Eine Skyline ohne Hochhäuser kann auch sehr schön sein, wie Helsinki beweist. Konntest ja froh sein über all die Kunstbanausen. Ist doch großartig, eine Ausstellung ganz für euch alleine gehabt zu haben! @ Po-Klemme: wie haste den armen Kerl denn da wieder rausgekriegt? Reifen zerschnitten 😂? Hübsche Insel, dieses Suomenlinna. Allerdings mache ich mir etwas Sorgen über deinen neuen Hang zu Gefängnissen 😅. Tolle Aufnahmen von der Festung haste gemacht! Weshalb lief denn im Café Piper nichts? Ruhetag oder schon Saisonende? Die Sandwälle gefallen auch mir sehr gut. @Futter: da habt ihr aber ordentlich geschlemmt. Richtig so 👍. @Dom in der Dämmerung: sehr gut gelungen!

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    1. Danke!😘 Die Motive haben es der Fotografin leicht gemacht.
      Auf jeden Fall. Die „Skyline“ hat mir sehr gut gefallen. Es hat etwas gedauert, aber dann habe ich Mika doch unbeschadet aus dem Reifen befreien können.😂 Ja, ich und die Gefängnisse. Ich musste auch schmunzeln, als ich hinterher gegoogelt habe, was das für ein Gebäude war. Stand nämlich nirgends. Das Café sollte eigentlich täglich von 10-19 Uhr geöffnet haben, war aber zu.🤷‍♀️ Echt schade.

      Gefällt 1 Person

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