Europa · Reisen · Spanien

Tag 7: Tarifa

Heute galt es, Tarifa und somit ein Stückchen Geschichte zu erkunden. Nach einer relativ kurzen Nacht, waren wir dank Mika bereits 9 Uhr bei der noch sehr gut erhaltenen Festung von Tarifa. Glücklicherweise öffnete sie auch gerade, sodass wir die ersten und auch bis zum Schluss die einzigen Besucher waren. Der Eintritt betrug 4€ pro Person (Kind frei), die sich unserer Meinung nach auch vollends gelohnt haben. Das Castillo Guzmán el Bueno wurde im Jahr 960 im Auftrag des Kalifen Abd El Rahman III errichtet und wurde vermutlich auf antiken römischen Einrichtungen gebaut. Während der muslimischen Herrschaftszeit war Tarifa aufgrund seiner wichtigen strategisch wie auch logistisch günstigen Lage sehr gefragt. 1292 wurde die Stadt von Sancho IV El Bravo (der Mutige) erobert und so dem christlichen Reich zurückgeführt. Er vertraute die Stadt Alonso Pérez de Guzmán an, dessen Namen die Festung heute trägt. Die Story dahinter ist unmenschlich, aber aus militärischer Sicht ehrenhaft. Guzmán musste die Burg bei einem Angriff des Thronfolgers Don Juan verteidigen, der sogar König Mohamed II von Granada um Hilfe bat, um Tarifa zu erobern. Da der Angriff erfolglos blieb, entführten die Agressoren den Sohn Guzmáns und drohten, ihn zu ermorden, wenn Guzmán nicht aufgeben würde. Darauf sagte dieser: „Wenn ihr kein Messer habt, um ihn zu töten, nehmt meines.“ Er warf seines herunter, rettete mit dem Opfer seines Sohnes die Stadt und ging als Guzmán El Bueno (der Gute) in die Geschichte ein. Nun war die Stadt bis zum Ende des Nazarenerreiches Grenzstadt zum Königreich Granada, danach Vorposten gegen die Berberpiraten und seit dem 18. Jahrhundert Gegenpol zum britischen Gibraltar. Dabei spielte die ehemalige maurische Festung ständig eine wichtige Rolle, die erst 1989 in zivile Hände übergeben wurde. Heute ist das beeindruckende Castillo de Guzmán El Bueno nicht mehr als eine Touristenattraktion, von der man aber einen wunderschönen Blick auf den Hafen, die Straße von Gibraltar mit der marokkanischen Küste sowie Tarifa selbst hat.

Nach der ausgiebigen Bekraxelung der Burg fuhren wir mit dem Auto das kleine Stück am Hafen entlang, bis zur vorgelagerten Insel mit dem schönen weißen Leuchtturm. Wir parkten bei dem kleinen hübschen Tower an der Spitze und spazierten bis zur Insel hinüber, die Militärgebiet und somit für Besucher verschlossen ist. Die Punta de Tarifa bzw. Punta Marroquí (Punta = Spitze) gilt als südlichster Punkt des europäischen Festlandes und liegt  genau gegenüber der besagten Isla de Las Palomas an der engsten Stelle der Straße von Gibraltar, nur 15 km von Afrika entfernt. Westlich von ihr beginnt der atlantische Ozean, im Osten liegt das Mittelmeer. In der Nähe der Punta de Tarifa landete 710 ein arabischer Offizier namens Tarif ibn Malik, der Namensgeber der Stadt, von Nordafrika kommend mit einem 500 Mann starken Expeditionsheer. Er stieß anschließend kurz ins Landesinnere vor und kehrte dann mit reicher Beute nach Afrika zurück. Von diesem Erfolg ermuntert startete im Jahr darauf Tāriq ibn Ziyād, ein Unterbefehlshaber des Kalifen in Damaskus, einen Feldzug nach Spanien, der den Beginn der arabischen Herrschaft auf der lberischen Halbinsel bedeutete, die erst im Jahr 1492 endgültig beendet wurde.

Abgesehen vom historischen Hintergrund war es einfach nur schön und entspannend dort spazieren zu gehen. Es wehte eine ordentliche Brise und einige Kitesurfer hatten ihren Spaß. Mika war fasziniert, wie hoch die Surfer manchmal geflogen sind. Der Strand von Tarifa ist unglaublich breit, doch trotz der großen Hitze (wir steuerten wieder auf die 30 Grad Marke zu) und der angenehmen Wassertemperatur waren kaum Leute dort. Genau das ist es, was Tarifa so reizvoll für uns macht. Ein kleines hübsches chilliges Örtchen mit leerem breiten Sandstrand, etwas spannender Historie und einem tollen Hafen. Unser schönes Apartment ist natürlich noch ein fetter Bonus obendrauf. Uns gefällt es hier richtig gut!

Auf dem Weg zurück fuhren wir einmal um die kleine, super erhaltene, Altstadtmauer herum und begegneten einem Oldtimer-Corso. Wunderbare Fotomotive. 🙂

Da wir noch keine richtige Lust hatten, wieder „nach Hause“ zu fahren, steuerten wir das ca. 20 km entfernte Bolonia an, wo es eine archäologische Ausgrabungsstätte sowie sehr große wüstenähnliche Sanddünen geben soll. Die Dünen sah man schon von Weitem. Die dorthin wandernden Touristenströme allerdings auch. Ach nee, da müssen wir uns nicht einreihen. Wir sahen uns daher nur ein bisschen an dem nach unserem Geschmack zu überlaufenem Strand um und machten uns wieder auf den Weg nach Tarifa.

Nach einer ruhigen und etwas späteren Mittagspause im Apartment beschlossen wir, uns nochmal in die Altstadtgassen zu wagen. Es war bereits später Nachmittag und sehr viele Einheimische strömten Richtung Kirche. Wir bogen in die stilleren Gässchen ab und waren ganz entzückt von den liebevollen Details, welche die Läden und Gassen hübsch verzieren. Wir gönnten uns ein unglaublich leckeres Eis und fuhren anschließend direkt zurück zu unserem Hausstrand, wo wir den Tag mit wunderbarer Sonnenuntergangsstimmung ausklingen ließen. Seht selbst. :

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