Europa · Spanien

Sevilla – Ronda – Tarifa

Tag 6: Heute ging es unserem kleinen Mann glücklicherweise schon sehr viel besser. Zu gut, denn die heutige Autofahrt war der reinste Horrortrip. Wir verließen unsere Bettenburg gegen 10:30 Uhr und statteten dank dem Orientierungssinn meines Handys den Altstadtgassen von Sevilla noch einen Besuch ab. Die sind ja nicht nur irre eng, sondern auch noch voller Menschen. Wir nahmen es mit Humor, denn dort heil durchzukommen grenzt schon ein bisschen an Wahnsinn. Wir fanden dann doch irgrndwann den Ausgang und machten uns auf in Richtung Süden. Die Straße war wieder super gut befahrbar…eine Art Schnellstraße ohne Ampeln oder dergleichen, was uns hätte aufhalten können. Leider motzte uns Mika aber in einer Tour voll, sodass unsere Nerven bis zum Äußersten strapaziert wurden. Irgendwann zwischen 13 und 14 Uhr erreichten wir Ronda, eines der wunderschönen weißen Dörfer (los pueblos blancos) Andalusiens. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was da los war. Es ist kaum mit Worten zu beschreiben. Der Ort hat einen recht schmalen Ortskern, der sich an einen Abhang schmiegt. Geteilt wird das Dorf durch die bis zu 200 m tiefe Tajo-Schlucht, über die im späten 18. Jhd. eine beeindruckende Steinbrücke gebaut wurde. Die Hauptverkehrsader ist eng, die angrenzenden Gassen noch enger. Und gefühlt eine Million Touristen in der Stadt! Der absolute Irrsinn. Den Original-Plan, zu parken und den Ort zu Fuß zu erkunden, verwarfen wir just in dem Moment des Durchfahrens. Wir sind doch nicht verrückt. Ich muss aber ehrlich sagen, dass Ronda einen sehr hübschen und zuckrigen Eindruck gemacht hat. Nicht umsonst waren berühmte Persönlichkeiten wie Rainer Maria Rilke, Ernest Hemingway oder Orson Welles hier länger ansässig. Von Letzterem wurde auf dessen Wunsch hin sogar die Asche hier begraben. Auch Ava Gardner erholte sich hier vom Scheidungsstress mit Frank Sinatra. Hemingway widmete Ronda sogar ein Kapitel in seinem Buch „Wem die Stunde schlägt“, denn darin wurden Übeltäter ebenfalls in eine tiefe Schlucht hinunter gestoßen. Zu einer anderen Jahreszeit, ohne die Horden von Reisebussen, hat man an einem Spaziergang durch diesen doch sehr interessanten Ort daher sicher große Freude. Wir fuhren also direkt durch auf die andere Seite und hielten an einem Platz vorm Kloster San Fancisco. Der Platz war recht leer, mit einem hübschen Brunnen, einem kleinen Spielplatz und ein paar netten Cafè’s drumherum. Wir pausierten dort etwas und Mika konnte sich auf der Rutsche austoben. In einer Bodega, die Tische auf dem Platz verteilt hatte, aßen wir Shrimps mit Reis (ich) und Calamaris (Tobi). Mika kostete natürlich von Beidem.

Danach entdeckte ich einen schmalen und sehr steilen Weg vom Dorf hinunter auf Schluchtniveau. Einige Male dachte ich, wir purzeln mit dem Auto vornüber, aber die Panikattacken haben sich gelohnt. Wir bekamen den wohl besten Blick auf die imposante „Puente Nuevo“, den man nur haben konnte. Und wir waren dort ganz allein. Total verrückt.

Nach ein paar Fotos und ein bisschen Gekraxel am Abgrund fuhren wir weiter Richtung Tarifa. Dieser Straßenabschnitt durch das Mittelgebirge Serranía de Ronda ist der Hammer! Traumhafte Kulissen, grandiose Aussichten und hübsche weiße Dörfer, die pittoresk und waghalsig an steile Abhänge gebaut wurden. Man fährt fast die gesamte Strecke äußerst kurvenreich auf rund 1000 m Höhe. Muss man erlebt haben! Mika schlief auch kurz hinter Ronda ein und wurde erst wieder 15 km vor Tarifa munter. Sehr entspannend für uns. Es war kurz vor fünf. Wir fuhren direkt zum bereits geschlossenen Büro von Costa del Sur und holten mit einem Code den Apartmentschlüssel aus einem Safe an der Straße! Easy! Dann verließ uns unser Glück, denn mein Akku war alle und wir wussten nun nicht mehr, wo genau das Apartment liegt. Ich erinnerte mich an die Fotos im Internet und die ungefähre Lage und fand so doch tatsächlich den Häuserkomplex am Strand anhand der ockergelben Farbe. Nach ein paar erfolglosen Versuchen, Türen zu Apartments zu öffnen, wurden wir schließlich fündig und waren begeistert. Eine tolle kleine Wohnung mit 2 Schlafzimmern, Wannenbad, geräumigem Wohn-/Essbereich und großer Terrasse. Die Schlafzimmer sind durch einen langen Flur vom Wohnbereich getrennt, was mit Kindern echt super ist. Vom Balkon aus sieht man den Pool, den Strand, die Straße von Gibraltar und sogar bis zum afrikanischen Festland. Wir richteten uns kurz ein und fuhren in den Lidl am Ortseingang. Später machte Tobi das Abendessen (Gemüsesalat mit frischem Thunfisch und Octopus) und Mika und ich unternahmen einen kleinen Strandspaziergang. Es war klasse! Der Strand ist wahnsinnig breit, aber sehr flach und feinsandig. Das Wasser war glasklar und angenehm erfrischend. Später ließen wir uns den Meeresfrüchte-Salat schmecken und ließen den Abend auf dem Balkon ausklingen…mit Blick auf das Lichtermeer vom marokkanischen Tanger.

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