Europa · Italien

Bilderbuch-Toskana und Parco Sculture del Chianti

Nach der wohl verdienten Mittagspause im Hotel, suchten wir unser Toskana-Glück in der Chianti-Region nordöstlich von Siena. Das Wetter war wunderbar, die Temperaturen perfekt und die Landschaft ein wahres Träumchen. Dieser Teil der Toskana ist besonders bekannt für seine Weinberge und malerisch gelegenen Gehöfte, zu denen Zypressenalleen führen und die von geradlinigen Weinreben umrahmt werden.

Von Weinrebe zu Weinrebe schraubten wir uns ins Hinterland Sienas. Hier und da begegnete uns der schwarze Hahn. Der „Gallo Negro“ ist das Gütezeichen der verschiedenen Weingüter dieser Region. Wir drehten die italienische Popmusik lauter und genossen die herrliche Fahrt – vorbei an Zypressenwäldchen und wunderschönen Gutshäusern.

Wir fuhren die ungeteerte Straße weiter und holperten vor uns hin, bis wir in der Ferne zwei riesige Paprika ausmachten. Das mussten Vorboten des Skulpturenparks sein. Und so war es auch. Kurz dahinter führte ein kleiner Weg zu einem Parkplatz und einem bunten Container, der sich als Kassenhäuschen mit kleinem Mini-Shop entpuppte. Ich hatte schon die Befürchtung, dass der Park geschlossen ist, da weder ein anderes Auto noch ein Mensch zu sehen war. Wir stiegen aus und klopften an der Container-Tür. Eine kleine Italienerin mittleren Alters öffnete uns lächelnd die Tür und winkte uns herein. Sie war sichtlich hocherfreut uns zu sehen und begann sofort, uns ganz viel zur Entstehungsgeschichte auf Englisch zu erzählen.

Der Park war die Idee eines italienischen Kunstliebhaber-Ehepaars, die eine Dauerausstellung zeitgenössischer Kunst im Einklang mit der Natur entwerfen wollten. Sie wählten bewusst Künstler aus allen fünf Kontinenten, die ihre Werke aus den unterschiedlichsten Materialien in die Natur integrieren sollten. Jeder Künstler besichtigte zuerst den Wald und machte erst im Anschluss daran einen Vorschlag für den ausgesuchten Ort. Materialien, Licht, Farben und/oder Geräusche sollten in perfekter Harmonie zueinander stehen. 2004 wurde der Park schließlich mit einem ein Kilometer langen Rundweg eröffnet. Wir lösten die Tickets für insgesamt 15 Euro und spazierten los.

Schon gleich hinter dem Eingangstor erwarteten uns die ersten Skulpturen: „The Blue Bridge“ aus blauen Glassteinen und bunte Kühe aus Holz. Die Kühe entstammen übrigens der kreativen Hand eines Künstlers aus Singapur – nicht das, was ihr erwartet habt, oder?

Für Kinder haben sich die Betreiber im Übrigen etwas ganz besonderes ausgedacht: ein kleines Falt-Büchlein mit bildhaften Ausschnitten aller Kunstwerke, die im Park vertreten sind. Mika war voller Elan und mit Begeisterung auf der Suche nach der jeweils nächsten Skulptur, um diese dann mit seinem Heftchen abzugleichen und das richtige Bild zu finden. Eine ganz tolle Idee!

Im Park gibt es ein Amphitheater aus weißem Marmor und schwarzen Granit, in dem im Juli und August kleine Konzerte aufgeführt werden. Es gibt allerdings auch ein paar Besucher, die ganzjährig dort sitzen und zumindest teilweise berühmte Personen darstellen. Der Turm aus grünen Glasplatten ist von einem italienischen Künstler und trägt die Bezeichnung „Energy“. Das Bild darunter zeigt euch die „Balance“.

Die Kunstwerke sind oft ein klein wenig im Wald versteckt und Mika war es eine Freude, sie vor mir zu entdecken und mich lautstark darüber in Kenntnis zu setzen. Tiere des Waldes sucht ihr auf den Fotos daher vergeblich.

Hier seht ihr zum Beispiel das Werk eines deutschen Künstlers: eine Grenzlinie aus weißen Steinen auf Metallstangen mit dem wohlklingenden und auch nachvollziehbarem Namen „Limes“.

Der Rundweg ist wunderschön angelegt und führt einen kleinen Hang hinunter, über eine Brücke und im Zickzack wieder etwas hinauf. Die unterschiedlichen Materialien aus Glas, Marmor, Stein, Metall, Holz oder Beton fügen sich bewundernswert in die umliegende Natur ein. Manche Bilder aus Mika’s Büchlein waren gar nicht so leicht zuzuordnen und teilweise nur an der Maserung oder anderen kleinen Details zu erkennen. Ich kann es nicht oft genug sagen: eine wunderbare Idee, die Kleinen „mit ins Boot zu holen“. Hier seht ihr unter anderem: „Falling Leaf“, „Leapfrog“ und „The Keel“.

Am besten haben Mika die Skulpturen gefallen, die zum Mitmachen eingeladen haben, wie „The Time Trap“ und „The Labyrinth“. In Letzterem habe ich natürlich so getan, als würde ich den Weg nicht mehr hinausfinden – was ein Spaß für Mika, haha. Der Künstler ist übrigens Engländer und fokussiert seine künstlerische Ader ganz speziell auf Labyrinthe.

Sehr interessant war noch dieses Kunstwerk mit dem Namen „Rainbow Crash“. In den Skulpturen des italienischen Künstlers spielen Neon und Glas oft eine fundamentale Rolle. Mika hätte sich am liebsten mit den kleinen bunten Steinchen die Hosentaschen gefüllt.

Eine weitere interessante Entdeckung war ein kleiner Abzweig mit quadratischen Metallblöcken namens „Off the Beaten Track“. Geht man durch die Lichtschranke zwischen den beiden ersten Blöcken hindurch, wird man mit klangvollen Tönen belohnt.

Nach diesem herrlichen und entspannten Spaziergang durch den Skulpturenpark verließen wir die Gegend in die Richtung, aus der wir gekommen sind. Durch die Infobroschüre wussten wir nun auch, dass die beiden Paprika zwei Meter lang sind, aus Kunstharz bestehen und ebenfalls zum Park-Interieur gehören. Und auch die „steinige“ Besucherschlange am Parkeingang entstammt der Hand eines japanischen Künstlers.

Wer sich noch mehr über den Park und seine Künstler informieren möchte, kann sich alles Wissenswerte auf der Webseite auch in Deutsch durchlesen. Ich habe nicht alle Werke fotografiert und so gibt es noch die eine oder andere Kunst zu entdecken. Im Übrigen kann man sich auch per App mit einem Audio-Guide durch den Park führen lassen.

Es war nun schon später Nachmittag, sodass wir den Heimweg antraten. Die idyllische Landschaft war atemberaubend und so musste ich dennoch hier und da einen kleinen Foto-Stop einlegen. Ist es nicht traumhaft schön?

Plötzlich sahen wir etwas am Straßenrand in der Sonne glitzern und mussten natürlich anhalten. Erst heute, beim Schreiben des Berichts und nochmaligen Durchforsten der Webseite des Skulpturenparks, habe ich entdeckt, dass dieses bunte Kunstwerk aus gehärtetem Glas ebenfalls zum Park gehört.

„Die Farben des Chianti“: die Erde, die Rebe, der Wein, das Olivenöl, der Himmel und die Farben des schwarzen Hahns. Bei genauer Betrachtung sieht man Details, wie Weintrauben, zwei Flaschen und Olivenzweige. Blickt man links an der Skulptur vorbei, kann man im Hintergrund das Panorama Siena’s erkennen.

Plötzlich, wie aus dem Nichts, verdunkelte sich der Himmel und es zogen dicke Regenwolken heran. Doch der Regen blieb aus bzw zog an uns vorüber. Hier ein kleiner Auszug unserer Heimfahrt. Wir fuhren den kompletten Nachmittag ausschließlich über unbefestigte Straßen und begegneten kaum anderen Autos. Ich hätte ewig so weiter fahren können!

Nach und nach baute sich eine herrliche Sonnenuntergangsstimmung auf, die wir bis zum letzten Sonnenstrahl genossen, bevor wir uns eine kleine gemütliche Trattoria suchten. Das war allerdings gar nicht so einfach, da auf Grund der Pandemie sehr viele Lokalitäten dauerhaft geschlossen waren. Diejenigen, die übrig waren, hatten entweder saisonbedingt bereits geschlossen oder machten erst spät am Abend auf. Und so kam es, dass wir sehr viele Kilometer verschwendeten, um letztendlich dann doch im Dorf unseres Hotels einzukehren. Die italienische „Mama“, die uns als einzige Gäste bewirtete, tat ihr Bestes, damit wir uns wohl fühlten. Aber leider war das Essen einfach nur schlecht. Die schönen Eindrücke dieses Tages konnte das aber nicht trüben.

„Ich träum von der Toskana, es war so wunderschön,

es gibt sehr viele Bilder, die möcht‘ ich wieder sehn.

Ich möcht‘ dort einfach nochmal hin, durch Alleen von Zypressen ziehn,

wo Thymian erfüllt die Luft, verbreitet seinen besten Duft.

In Sonnenuntergängen versinken, am Abend gut Chianti trinken,

ein Land voll Lebenslust fürwahr, möcht’s besuchen, Jahr für Jahr.“

(c) Adalbert Nagele

3 Kommentare zu „Bilderbuch-Toskana und Parco Sculture del Chianti

  1. Oh ja, der Blick über die Hügel der Toscana, vor allem im Abendlicht, ist ein Traum! Überhaupt sind dir an dem Tag mal wieder klasse Aufnahmen gelungen.

    Und muss ich es eigentlich noch aussprechen? Der Skulpturenpark ist natürlich voll mein Ding! Da wäre ich wohl ewig nicht herausgekommen 😅. Bisher hatte ich nur von dem Giardino dei Tarocchi, dem Park mit den Werken von Nici de Saint Phalle, gehört. Nun stehen also gleich zwei Skulpturenparks in der Toscana auf meiner Liste.

    Sag mal, verbraucht es eigentlich weniger Speicher auf WordPress, wenn du die Videos nicht direkt von der Kamera hier einstellst, sondern sie über YouTube einbindest? Das wäre auch für mich eine spannende Option.

    Gefällt 1 Person

    1. Lieben Dank!🤗 Schön, dass dir die Fotos gefallen.
      Das dachte ich mir, dass der Park voll dein Ding ist. Der war ja auch wirklich klasse! Und wenn du sogar noch einen zweiten Park weißt, dann nichts wie hin mit dir!☺️

      @YouTube: ich bin aktuell bei 82% meiner Speicherkapazität in WP (13 GB), d.h. ich muss mir bald etwas einfallen lassen. Videos nehmen einfach viel zu viel Platz weg, weshalb ich sie daher einfach kostenlos bei YT hoch lade und einfach verlinke. Funktioniert super!

      Gefällt 1 Person

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