Costa Rica · Lateinamerika

Tambor – Golf von Nicoya – Quepos

Tag 10: Auch heute weckte mich meine innere Uhr wieder Punkt 6 Uhr. Die Männer ratzten noch tief und fest, sodass ich mich wieder leise aus dem Zimmer stahl. Mein Plan war der hauseigene Trail zum View Point über den Klippen. Hätte ich geahnt, dass ich kurz danach vor einer wackeligen Hängebrücke stehe, wäre ich vielleicht lieber liegengeblieben. Ach was soll’s, ich habe mir ein Herz gefasst und bin drüber! Die Mile-High-Swinging-Bridge in North Carolina war 1000 mal schlimmer. Auf dem Weg begegneten mir Eichhörnchen und wieder viele hübsche Vögel, wie Buntkopfspechte und Langschwanzhäher. Oben am View Point traf ich dann zwei ältere Ladies aus den Staaten, die ebenfalls auf Birdwatching-Tour waren. Es traf sich gut, denn so konnten wir uns gegenseitig fotografieren. Von ihnen erfuhr ich auch, dass abends auf dem Gelände alles voller Brüllaffen sei. Na toll, war ja klar, dass ich das erst jetzt kurz vor unserer Abreise erfahre.

Wir trennten uns wieder und ich spazierte weiter über das Gelände, bis hin zu den Ställen, wo ich auch auf Hilde traf. Mehrfach flogen mit lautem Gekrächze Rote Ara’s über mich hinweg. Leider immer zu schnell für meine Kamera, was sehr schade war. Diese riesigen majestätischen Papageien, die bis zu 90 cm groß werden und kunterbunt im Himmel leuchten, haben mich am meisten beeindruckt. Aber auch meine anderen Entdeckungen, wie der sehr hübsche Eichhörnchenkuckuck oder der orange-bäuchige Schwarzkopftrogon können sich sehen lassen. Costa Rica’s Tierwelt – ich war hin und weg.

Nach meiner Rückkehr, ca. 2 Stunden später, gingen wir frühstücken und packten anschließend unsere Sachen. Gegen 12 Uhr checkten wir aus und fuhren ins 30 km entfernte Paquera zum Fährterminal. Wir hatten die Wahl zwischen der 11 Uhr – und der 14 Uhr – Fähre. Wir entschieden uns für Letztere, da wir morgens nicht hetzen wollten. Die Fahrt war kurzweilig und wir sahen kaum andere Autos. Als wir in die Nähe des Fährterminals kamen dämmerte es uns, wo die ganzen Autos waren. Schon ca. 2 km vorher landeten wir in dem Wartestau zur Fähre. Es war brütend heiß und durch die Bäume drumherum drang kein Luftzug vom Meer hinauf auf den Hügel, auf dem wir standen. Die Einheimischen waren natürlich vorbereitet und kamen mit Eis- und Getränkekarren vorbei. Wir waren viel zu früh, was aber auch gut war, denn sonst hätten wir sicher nicht mehr auf die Fähre gepasst. Nach einer gefühlten Ewigkeit ging es los. Wahnsinn, wieviele Autos (darunter auch große Busse und LKW’s) auf die kleine Fähre passten. Des Rätsels Lösung war die Öffnung einer Luke in den Unterbauch des Schiffes, in den wir dann auch tatsächlich reinfahren mussten. Es war stockdunkel und extrem stickig. Keine Frage, dass dies in Deutschland keinen Sicherheitscheck bestanden hätte. Die ca. 70-minütige Fahrt kostet 25,- USD pro Auto und Fahrer. Jeder weitere Passagier kostet lediglich 1,50 USD, ein wahres Schnäppchen.

In Puntarenas angekommen kann man sich eigentlich nicht verfahren, da sich der Ort über eine sehr schmale und lange Landzunge erstreckt. Besonders sehenswert erschien er uns nicht, weshalb wir auch keinen weiteren Stop einlegten. Wir hatten auch noch ein ganzes Stück Fahrt vor uns und es war bereits halb vier. Stutzig machten uns die Bahngleise, auf denen aber kein Zug zu sehen war. Ich recherchierte etwas und erfuhr, dass Puntarenas bis 1890 der wichtigste Freihafen Costa Rica’s war. Dann nahm die Atlantikbahn ihren Betrieb von San José nach Puerto Limón an der Karibikküste auf und Puntarenas verlor an Bedeutung. Bis dato wurden Bananen, Kaffee & Co. in Puntarenas verschifft und über Chile und das Kap Hoorn nach Europa transportiert, obwohl Costa Rica auch eine Atlantikküste hat, die strategisch wohl der bessere Startpunkt nach Europa dargestellt hätte. Erst 1910 wurde die Trasse San José – Puntarenas fertiggestellt, was den Hafen wieder aufleben ließ. Sogar Straßenbahnen fuhren auf der schmalen Landzunge.

An der bekannten Tarcoles Crocodile Bridge machten wir den ersten Stop, weil wir Hunger hatten. Allerdings wussten wir da noch nicht, dass es sich um diese Brücke handelte, da wir erst beim Weiterfahren die Krokodil-Warnschilder gesehen haben. Das Restaurant, in das wir einkehren wollten, wollte gerade schließen. Es war erst 17 Uhr, aber offensichtlich war die Touristen-Zeit vorbei und man hatte genügend eingenommen. Trotzdem hatten die netten Tico’s Erbarmen mit uns, winkten uns herein und schlossen hinter uns ab. Da wir die einzigen Gäste waren, wurden wir sehr schnell und zuvorkommend bedient. Ein Highlight war wieder ein Pärchen Roter Ara’s, dass lautstark seine Kreise über uns zog.

Die Fahrt nach Quepos zog sich noch ziemlich lange hin und so kam es, dass wir mindestens eine Stunde im Dunkeln fahren mussten. Da es kaum Straßenbeleuchtung gibt, war das Fahren dann nicht mehr so angenehm. Letztendlich haben wir unser Hotel, das La Foresta Nature Resort, jedoch ohne Umweg gefunden und sind müde in die Betten gefallen. Auch mit diesem Hotel hatte ich wieder ein glückliches Händchen, wie sich noch herausstellen sollte.

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