Lateinamerika · Nicaragua · Reisen

Tag 10: Big Corn Island – Finca Esperanza Verde

Heute mussten wir uns leider von dem wunderbaren Big Corn Island verabschieden. Schweren Herzens bestiegen wir um 11 Uhr unser bestelltes Taxi, dass uns vom Hotel zur Landebahn brachte. Ich sage mit Absicht nicht Flughafen, da dort wirklich nur ein kleiner Warteraum ist, der sich direkt an der Landebahn befindet. Irgendwie sehr schnuckelig.

Um 11:15 Uhr war Check-in und unser Flug sollte 12:45 Uhr starten, was er auch ziemlich genau tat. In der Wartehalle befanden sich neben ein paar Backpackern hauptsächlich Einheimische, die auf’s Festland wollten. Und da wir ja so gerne fliegen, gab es diesmal auch zusätzlich noch die Zwischenlandung in Bluefields. Yeah! Der Flug von Big Corn Island nach Bluefields war wieder sehr ruhig und man konnte schon bald das Festland näher kommen sehen. Es ist schon erstaunlich wie unterschiedlich die Landschaften in Nicaragua sind. Vor der Küste von Bluefields gab es zahlreiche kleine Inselchen oder Schären. Der Urwald ging zum Teil auch direkt bis an die Küste heran. Der Stop selbst war relativ unspektakulär. Es gab, wie „freudig“ zu erwarten war, eine kleine kurze Landebahn mitten im Dschungel an der Küste und es sind sehr viele ausgestiegen, aber auch ein paar wieder eingestiegen. Bluefields machte einen netten Eindruck. Im Nachhinein ärgere ich mich ja doch etwas, dass wir keinen Ausflug zu den Pearl Keys unternommen haben. Die 70 $ wären eigentlich noch drin gewesen und dafür hätte man ein schönes kleines Stück vom Paradies gesehen. Oder ein Abstecher zur Pearl Lagoon. Naja, nun ist es nicht mehr zu ändern. Vielleicht nächstes Mal. 🙂 Gegen 14 Uhr landeten wir dann in Managua und auf dem Flug dorthin konnte man auch einige Vulkane sehen, wie z.B den Momotombo. In Managua angekommen konnten wir auch sofort aussteigen und ein paar Minuten später unsere Rucksäcke in Empfang nehmen. Da wir auch hier wieder im La Costeña Terminal landeten, der nur aus einem Warteraum bestand, wurde das Gepäck vom Flugzeug direkt per Hand zu dem Raum gebracht. Man hat den Schnipsel hingegeben und bekam sein Gepäck. Alles total easy going. Am Ausgang wartete auch schon unser Fahrer Oto, der uns zur Finca bringen sollte mit einem Schild der Finca Esperanza. Wir brachten unser Gepäck zum Auto und sagten Oto dass wir noch kurz Geld holen müssen. Er wartete dann beim Auto und wir stiefelten nochmal zum Hauptterminal, um uns mit den notwendigen Dollars zu versorgen, die wir für den Aufenthalt auf der Finca brauchten. Dann ging die Fahrt los. Wir ließen Managua links liegen und fuhren immer weiter Richtung Berge. Man konnte merklich sehen wie sich die Landschaft wandelte. Von der braunen Ebene wurde es immer grüner und hügeliger, bis man letztendlich nur noch durch Berge gefahren ist. Da man in Nicaragua nicht ganz so schnell fahren kann (oder will, weil es nicht der Mentalität entspricht), dauerte die Fahrt entsprechend lange und ich hatte genügend Zeit auch immer mal ein paar hübsche bunte Chicken-Busse und allerlei Treiben am Wegesrand zu fotografieren.

In Matagalpa machten wir einen kleinen Stopp, weil Oto noch ein paar Unterlagen abholen musste. Matagalpa ist meiner Meinung nach eine sehr hübsche und unterschätzte Stadt inmitten von Bergen und einer sehr schönen strahlend weißen Kathedrale, die man von überall aus sehen konnte. Wir fuhren gefühlt einmal durch die ganze Stadt, vorbei an bunten Häusern, Plätzen, umher bummelnden Schulkindern und tollen Wandmalereien. Die Sicherheit, was den Transport von Kindern im Auto angeht, sollte man hier allerdings nochmal überdenken.

 

Hoch oben auf einem der umliegenden Berge thronte ein riesiges blaues Kreuz. Ich nehme an, dass es ein Pilgerort für die Einheimischen ist. Matagalpa erinnerte uns teilweise auch an San Francisco – es gab wahnsinnig steile Straßen und zahlreiche Bodenwellen. Die Fahrt durch die Stadt hat wirklich Spaß gemacht, zumal wir auch eine Weile von einem Pick-up mit riesigen Musiklautsprechern auf der Ladefläche eskortiert wurden. 🙂 Etwas später fuhren wir dann noch durch San Ramon, eine Kleinstadt, die in unseren Augen touristischer aussah als sonst üblich. Allerdings habe ich keine Touristen auf der Straße gesehen. Sie erschien jedenfalls sehr herausgeputzt mit zahlreichen der gewohnt bunten Häuschen, einem schönen zentralen Park mit vielen bunten Spielgeräten für Kinder, Bänken und Pavillons im Grünen, die zum Verweilen einladen. Eben ein richtig nettes Örtchen zum Wohlfühlen.

Hinter San Ramon verließen wir dann die geteerte Straße und bogen auf eine Art Feldweg ab, der sich dann wirklich über etliche Kilometer durch die Berge schlängelte, immer steiler bergauf und noch steiler und steiler. Da der Abgrund dann logischerweise auch nicht mehr gesichert war, konnte ich irgendwann auch nicht mehr aus dem Fenster gucken, sondern rutschte immer weiter in die Mitte des Autos und hielt mir manchmal die Augen zu. Es wurde doch extrem hoch und ich mit meiner Höhenangst bekam dann leichte Panikanfälle. 😉 Aber irgendwann erreichten wir dann tatsächlich die Finca, hoch oben in den Bergen und uns bot sich ein traumhafter Ausblick über die umliegenden Berge. Vivianne, die Besitzerin der Finca, empfing uns dann auch gleich und teilte uns nach kurzem Smalltalk mit, dass es in ca. ein bis zwei Stunden, ich glaube 19:30 Uhr, Abendessen geben sollte. Wir stöhnten innerlich auf, weil wir unglaublichen Hunger hatten. Danach zeigte uns ein Angestellter der Finca unser „Baumhaus“. Es ging einen leicht steilen Pflasterweg den Hang herauf und durch einen wunderschön angelegten Garten. Unsere Cabin befand sich auf Stelzen hoch oben und besaß den wohl klingenden Namen Colibri 1. Nach dem Vergleich mit den wenigen anderen Bungalows hatten wir doch tatsächlich die beste Aussicht von allen. Man konnte über die komplette Finca blicken sowie ins weit unter uns liegende Tal und auf die umliegenden Berge. Ganz weit am Horizont blinkten die Lichter Matagalpas. Ich vermutete, dass wir uns auf einem der höchsten Punkte in der Gegend befanden. Und damit nicht genug. Uns empfing ein traumhafter Sonnenuntergang, so dass wir geradewegs auf die Terasse gingen, uns in die Schaukelstühle pflanzten und den Sonnenuntergang genossen haben. Naja, nicht zu vergessen die tausenden Fotos die wir nebenbei geschossen haben. 🙂

Unser Baumhaus bzw. unser Bungalow war sehr hübsch: ein wunderschönes Waschbecken, eine normale westliche Keramiktoilette und eine geflieste Dusche. Ok, durch die Wände konnte man teilweise nach draußen schauen, aber das ist bei Holzhütten wohl nun mal so. Warmes Wasser gab es allerdings nicht wirklich, eher das Gegenteil. Es gab aber nochmal extra „warme“ Duschen auf der Hälfte des Weges von der Rezeption bis zu unserem Bungalow. Das Wasser wird auf der Finca selbst aufbereitet und mit Solarenergie gewärmt, eigentlich eine coole Sache. Dann hatten wir zwei Betten mit schönen neuen Moskitonetzen. Es war alles total sauber und wirkte fast neu und überhaupt nicht abgewohnt. Wir hatten Fliegengitter vor den Fenstern und eine schöne verglaste Terrassentür, sodass man, wenn man im Bett liegt, quasi den Sonnenuntergang vom Bett aus betrachten kann. Sehr romantisch und perfekt für Flitterwochen. Aber am besten war natürlich die Ruhe. Man hat lediglich die Urwaldgeräusche um sich herum gehört: unzähliges Vogelgezwitscher, undefinierbare Tierrufe und sogar Brüllaffen. Wir beobachteten die eigens auf unserer Terrasse angebrachte Feed-Station, wo die winzigen Kolibris süsses Wasser aufsaugen konnten. Es war Idylle pur und einfach nur herrlich. Unsere Koffer haben wir nicht wirklich ausgepackt, weil nicht sehr viele Ablagemöglichkeiten vorhanden waren. Als wir uns ein bisschen eingelebt haben, sind wir wieder runter zum Gemeinschaftsbereich gegangen, der aus dem Rezeptionsbereich, der gleichzeitig als „Restaurant“ dient, und eine Art Lounge-Pavillon besteht, wo bunte Hängematten angebracht waren und sich gemütliche Schaukelstühle aus Holz sowie eine große Rattan-Sitzecke befinden. Hier kann man herrlich rumgammeln und den Blick über die Berge schweifen lassen. Eine Oase der Ruhe…wenn keine Kinder dagewesen wären. Punkt 19:30 Uhr wurde dann die Glocke geläutet (mit Triangle) und es gab Abendessen. Das erinnerte ein bisschen an Ferienlager. 🙂 Das Essen selbst war hier auf der Finca etwas für gehobener. Ihr kennt das ja vielleicht: man geht in ein Sterne-Restaurant und bekommt nur ein kleines Häppchen auf einem riesengroßen Teller serviert. So ähnlich war das auch auf der Finca, aber dafür waren es super leckere und edle Sachen, die sehr frisch waren, wie z.B. der knackige organische Salat, wohl schmeckendes gedünstetes Gemüse und die Kartoffeln aus eigenem Anbau. Es gab fast nur autarkes Essen, das entweder auf der Finca oder im Umland angebaut wurde. Aber für 12 $ die Mahlzeit war es einfach zu wenig und wir hatten hinterher fast immer noch Hunger, obwohl es Vorspeise, Hauptgang und Dessert gab. Mit Kaffee hingegen konnte man sich unendlich selbst versorgen. Der wird auf der eigenen Kaffeeplantage angebaut und verarbeitet und sogar ich als Nicht-Kaffeetrinker muss zugeben, dass er unglaublich köstlich schmeckt! Nicht lange nach dem Essen und noch etwas im Netz surfen, verschwanden wir dann auch in unserem kleinen Baumhaus. Nicht ahnend, dass es eine gruselige Nacht werden würde.

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