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Tag 9: Big Corn Island

Nach einem eher minimalistischen Frühstück warteten wir bis ca. 9 Uhr auf unser am Tag zuvor gemietetes Golfcart. Es kostet 80 Dollar pro Tag und ist echter Luxus hier auf der Insel. Außer Taxis dürfen groß keine Autos hier fahren. Und wir sollten auch, zumindest an diesem Tag, die Einzigen auf der Insel bleiben, die mit so einem Teil umherdüsen. Christiane traute sich nicht als erstes zu fahren, aber das kenne ich ja schon, gell Andrea und Christin? 😉 Mit knatternden tösenden Geräuschen verließen wir das Gelände und fuhren mit unseren Rucksäcken zu unserem heutigen Hotel, dem Sunrise Hotel auf der Südseite der Insel. Wir konnten auch gleich einchecken und haben unsere Badesachen angezogen und nur das Nötigste mitgenommen. Das Zimmer war sehr basic, kostet aber auch nur die Hälfte vom Paraiso. Wir begannen unsere Rundtour Richtung Norden und kamen auch sofort an einen Traumstrand, dem Sally Peachie! Er erinnerte etwas an den Otto Beach auf Little Corn, aber natürlich mit einer Straße und ein paar Buden. Gott sei Dank, denn da konnte ich mir meinen Wasservorrat kaufen (20 Cordoba pro kleine Flasche). Ansonsten aber nur ein paar Einheimische an der Straße und am Strand keine Menschenseele. Wir genossen die Szenerie auf einem angeschwemmten Baumstamm sitzend und schauten den Wellen im türkisfarbenen Wasser zu. Der Sand war karibisch weiß und war von gebogenen Kokospalmen gesäumt. Wunderschön.

Ein paar Kilometer weiter fanden wir noch mehr wunderschöne naturbelassene Strände und türkisfarbene Buchten.

Danach fuhren wir Richtung Norden und um die Hälfte der Insel rum, durch eine Wohnsiedlung der Einheimischen, am Hafen vorbei, wo die Boote nach Bluefield und Little Corn ablegten, bis weit in den Westen zum Picnic Center Beach. Die Straße gab es dort nicht mehr, sondern nur noch Schotterpiste. Es war wieder Werktag, Ostern war vorbei. Wir fuhren an uniformierten Schulkindern vorbei (erinnerte mich an meine alten Pionierzeiten) und an stark geschäftigen Handwerkern, die zu unserem Entsetzen die schönen Kokospalmen am Strand wegholzten. Hier wird doch nicht schon für größere Hotelresorts gerodet?

Am Picnic Center Beach gibt’s bisher nur zwei Unterkünfte, das Arenas Beach Hotel (sah nicht nach unserer Preisklasse aus) und ein Stück weiter am Ende des Weges das Picnic Center Restaurant mit ein paar einfachen Zimmern im Motelstil direkt am endlos langen breiten weißen Sandstrand. Das Arenas Beach hatte eine Art Schiff als Strandbar, doch auch da waren nicht wirklich viele Touristen. Wir fuhren daran vorbei bis zum Ende der Sandpiste und parkten unser Golfcart im Schatten einer Palme. Das Meer ist hier in der Bucht extrem ruhig und die Wasseroberfläche spiegelglatt. Das Restaurant hatte zu und Wohngäste gab es scheinbar keine. Der Strand war wieder menschenleer, einfach der Wahnsinn! Hier musste sogar ich ins Wasser, zumal es gerade in der Mittagssonne unerträglich heiß war. Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht mehr so gerne ins Meer gehe, aber hier wäre man schön blöd, nicht baden zu gehen. Das Wasser war badewannenwarm, man konnte weit reinlaufen und es waren keinerlei Steine, Krebse, Fische oder sonstiges zu sehen. Einfach nur weißer Sand und kristallklares Wasser. Ein Traum von einem Strand. Ganz für uns allein!

Als der Hunger etwas quälte, fuhren wir zur Ringstraße zurück und entdeckten ein chilliges Restaurant an der Landebahn unweit des Mini-Terminals. Es war offen, aber wir waren die Einzigen. Wir aßen Shrimps zum Mittag und beobachteten, dass die Landebahn doch noch intensiv als Abkürzung und Baseballfeld genutzt wird. Es gab Durchgänge im Maschendrahtzaun, die nur geschlossen werden, wenn ein Flugzeug im Anmarsch ist, was ja nur dreimal am Tag der Fall ist. Da die Landebahn einen Großteil der Insel durchzieht, wäre ein außen drumherum gehen auch echt blöd. 

Merkwürdigerweise haben wir außer im Paraiso kaum Touristen auf der Insel gesehen. Im Gegensatz zu Little Corn waren wir fast überall die einzigen Weißen und scheinbar mit unserem Golfcart auch eine kleine Sensation. Man lachte und winkte uns immer freundlich zu und manchmal sprang auch ein Kind hinten auf und fuhr eine Weile mit.

Im Laufe des Tages fuhren wir an einigen Strecken mehrmals vorbei und man grüßte sich dann schon wie alte Bekannte. Es war super und hat echt Spaß gemacht. Nach dem Essen mit kostenlosem Wifi fuhren wir ein Stück weiter zum Long Beach, wieder auf Schotter- bzw. Sandpiste am Strand entlang bis zu einer extrem chilligen kleinen Bar mit Hängematten und Liegestühlen direkt am langen Sandstrand. Wieder keine Menschen. Der Sand war nicht ganz so weiß, sondern eher rotbraun und die Wellen sehr hoch. Am Ende des Strandes lief gemütlich eine Kuhherde am Wasser entlang. Wir holten uns zwei Toñas (Bier) und setzten uns an den Strand. Wir saßen lange dort. Es war einfach super entspannend. Natürlich war da auch wieder ein Hund, der seine Steicheleinheiten einforderte. Und ein sehr schöner schwarzer Hengst neben der Bar.

Es war fast unwirklich so ganz allein an einem so schönen Strand. Also ich persönlich würde jedem empfehlen, die Tage auf Big Corn zu verbringen und vielleicht nur einen Tagesausflug nach Little Corn zu machen. Wenn überhaupt. Es ist dort drüben halt alles sehr klein und wirkt somit überlaufen. Der einzige wirklich schöne Strand zum Liegen und Baden ist der Otto Beach (wobei der natürlich echt der Knaller ist). Und ich glaube, jeder fährt nach Little Corn, weil’s so ursprünglich sein soll und dabei bleibt Big Corn auf der Strecke und hat kaum Touristen an den Stränden. Es wird total unterschätzt. Meine Empfehlung daher: Big Corn und Tagesausflug für 70 Dollar zu den Pearl Keys, das sind mehrere traumhafte kleine Eilande (ähnlich San Blas oder Malediven), die zumeist unbewohnt sind und in nur 90 Min. von Big Corn zu erreichen sind. Inkludiert ist der Besuch von 4 Keys, trinken und Lunch. Buchbar z.B. im Paraiso Beach Hotel. Gegen Abend brachten wir das Golfcart zurück ins Paraiso und fuhren für 20 Cordoba p.P. mit dem Taxi zum Sunrise. Wir duschten, zogen uns um und gingen ggü. ins Casa Canada zum Essen. Ein wunderschönes Hotel mit dem einzigen Pool auf der Insel. Noch. Wir aßen auf einer kleinen Plattform auf Stelzen und hatten auch diese für uns allein. Es gab Pizza! Endlich mal kein Gallo Pinto. Am Anfang war dieses Gericht ja noch lustig, aber das gibt’s immer und überall, selbst zum Frühstück. Nee, Reis und rote Bohnen geht gerade einfach nicht mehr. 😉

Wir tranken zum Abschluss des wirklich wunderbaren Tages noch einen Macua, einen Cocktail mit Flor de Caña (nicaraguanischer Rum und gleichzeitig natürlich Nationalgetränk), Guavensaft, Orangensaft, Limonensaft und Sirup. Sehr, sehr lecker!

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