Lateinamerika · Nicaragua · Reisen

Tag 6: Isla de Ometepe – Managua – Corn Islands

5:30 war Aufstehen angesagt. Gott, war mir heiß. Jemand (ich nenne keine Namen) hatte die AC ausgeschaltet und ich war klitschnass. Mein Moskitozelt habe ich natürlich nicht wieder vierfachgefaltet bekommen, wie zu erwarten war. Mal sehen, vielleicht dann nochmal am Airport probieren. Punkt 6:15 starten wir zum Port Las Brisas bei San José del Sur, wo wir eine knappe Std. später ankamen. Auf den Straßen war schon reges Treiben: Kuhherden wurden getrieben, Pferde gingen allein auf der Straße spazieren, Kinder und Hunde spielten. Es war sehr idyllisch und friedlich. Vor der Fähre, die schon da war, mussten wir wieder etwas Schlange stehen, aber es ging recht zügig. Die Fähre war diesmal gefühlt doppelt so voll wie auf der Hinfahrt und es war innen verdammt warm. Ostern steht vor der Tür und scheinbar ist ganz Nicaragua unterwegs, um die Feierlichkeiten vorzubereiten. Die Semana Santa (Karwoche) scheint hier genauso wichtig zu sein, wie Weihnachten. Glücklicherweise entfliehen wir dem Wahnsinn ja auf die Inseln. Am Ufer von Las Brisas standen vereinzelte Waschplätze im Wasser, die schon intensiv genutzt wurden. Kuhherden und Pferde tranken oder badeten im See. Ja, das ist Nicaragua, wie man es sich vorgestellt hat.

Die 80 Min. vergingen ziemlich langsam und in San Jorge war so starker Wellengang, dass der Käpt’n nochmal fast 20 Min. brauchte, um anzulegen. Die Fähre schwankte gefährlich und im Fenster sah ich mal nur Wasser und mal nur Himmel. Nichts für schwache Mägen. Und nichts für Christiane. 😉 Am Kai stand schon unser Fahrer mit dem „La Omaja“-Schild und geleitete uns zu seinem erstaunlich neu aussehenden klimatisierten Auto. Die Fahrt nach Managua dauerte inkl. Stop an einer Tanke, wo ich mir mal einen Ice-Cappuccino gegönnt habe, ca. 3 Stunden. Unterwegs kamen wir zweimal in eine Polizeikontrolle und bei einer davon wurden unsere Rucksäcke sporadisch untersucht. Es schien als suchten sie ganz gezielt nach etwas. Am Flughafen suchten wir erst die Toiletten, dann den ATM und dann den La Costeña Terminal auf. Es wirkte auf einmal wieder alles so zivilisiert und westlich. Bis wir in den Terminal von La Costeña kamen, haha. Klein, familiär, leicht abgeranzt. Bevor wir 2 Dollar Ausreisegebühr(?) zahlen mussten und durch die Kontrolle gingen, aßen wir im großen Terminal nebenan noch schnell einen Snack. Es war die erste Mahlzeit heute und das Geld absolut nicht wert. Der Warteraum glich größenmäßig einem durchschnittlichen Wohnzimmer. Vor uns startete eine Propellermaschine nach Bluefields, einem kleinen Ort an der Karibikküste. Dort sollte unsere Maschine auch regulär zwischenlanden. Es waren fast nur Gringos im Raum, darunter auch ein Paar Deutsche, Engländer und US-Amerikaner. Leider hatte unsere Maschine 1,5 Std. Verspätung und mit der Warterei wuchs die Panik vor dem Propellerflug. Aber im Nachhinein völlig unbegründet. Die Maschine wirkte ziemlich neu und der Flug war zwar laut, aber weniger holprig als befürchtet. Die Maschine war fast voll und da alle auf die Corns wollten, flogen wir direkt nach Big Corn durch. Lustig fand ich, dass es auch Sitze entgegengesetzt der Flugrichtung gab…wie im Zug an einem Vierertisch. Die Landung auf Big Corn war schon spektakulär. Plötzlich tauchte im Ozean Land auf und in Nullkommanichts setzten wir auch schon auf inkl. Vollbremsung auf der kurzen Landebahn. Die Zeiten, wo die Einheimischen die Landebahn noch als Fußweg nutzten und dort Stände aufgebaut waren, sind scheinbar vorbei. Heute existiert ein Zaun rund ums Rollfeld. Ist wahrscheinlich aber auch sicherer so für Mensch und Tier. Die Ankunftshalle erinnerte mehr an eine Bushaltestelle und unser Gepäck wurde direkt an uns gegen Schnipsel übergeben. Vor der Tür warteten schon Taxis auf uns und brachten uns für 20 Cordoba p.P. zum Dock. Es wartete bereits ein volles Pangaboot. Das ist eine kleine tiefergelegte Nussschale, auf der schätzungsweise 40 Leute Platz fanden. Nach deutschen TÜV wahrscheinlich eher weniger. Es gab aber Schwimmwesten für alle, die wir auch anziehen mussten…und wollten. An der Kasse löhnten wir 5 Dollar p.P. fürs Ticket und stiegen ein. Natürlich wurden auch hier unsere Passnummern notiert. Im Januar ist ein Pangaboot bei schlechterem Wetter gesunken und dabei sind ca. 12 Touristen ertrunken. Wir erhielten glücklicherweise Plätze in der letzten Reihe, vor uns saßen zwei deutsche Pärchen. Gegenüber konnten wir Land ausmachen und dachten erst, dass das Little Corn ist. Leider war dem nicht so, denn LC war viel weiter weg und fast nicht zu sehen.

Dann ging es los…erst sehr ruhig, dann immer schneller und wilder. Wir flitzten in einem Wahnsinnstempo über 3 m hohe Wellenberge, wenn nicht sogar noch höher, und unter dem Boot knallte es ohrenbetäubend. Wir fingen an zu beten, dass es nicht auseinander bricht. Der Bug lag plötzlich 1-2 m über uns und wurde ganz schön durchgeschaukelt. Das Wasser spritzte überall ins Boot rein. Der weite offene Ozean war sehr rau und in den Gesichtern war abzulesen, dass viele Panik schoben und an das gesunkene Pangaboot dachten. Bei dem Wellengang ist es auch fast unmöglich im Meer treibende Menschen wiederzufinden. Wie gesagt…wir beteten nur noch. Nach einer knappen Stunde waren wir dann drüben und waren pitschnass. Also zumindest ich, die außen saß. Am Dock wartete natürlich niemand vom Las Palmeras, obwohl es so verabredet war. Stattdessen sprach uns ein anderer Einheimischer an, der uns den Weg zeigte und meinen Rucksack trug. Das Hotel lag 400 m vom Dock entfernt und der Weg führte durch die Wohngegend der ganzen Einheimischen auf Little Corn. An ärmlichen Hütten, dreckigen Rinnsalen, hohen Zäunen mit riesigen Schlössern, einer Schule, einer Kirche und mehreren Shops und Comedores vorbei, führte er uns zum Las Palmeras. Es war dunkel, als wir dort ankamen und wir bezogen unser Zimmer im OG eines Bungalows. Es war geräumig und hatte eine AC, aber ansonsten nicht so sehr sauber. Wir hatten die obere Etage für uns und somit auch einen eigenen Balkon mit Holzbank. Wir warfen die Rucksäcke auf die Betten und zogen gleich wieder los, denn Durst und Hunger quälten uns. Der Garten des Hotels war sehr schön, mit Hängematten und Liegestühlen direkt am Ufer. Aber kein Sandstrand, sondern hohe Wellen und etwas Müll (Seegras und Plastikzeug), der an die Hotelmauer klatschte. Auf der anderen Seite des Hauses entdeckte ich am Ufer einen Affen an einem viel zu kurzen Seil. Wir waren total geschockt! Er war an eine Art Laufleine geknotet, die ihm ermöglichte, an einem ca. 3 m langen Seil entlangzulaufen. Nicht mal eine Palme kann er hochklettern. Einfach nur ganz furchtbar! Wir sind sofort hoch zur Managerin und ich sagte ihr, dass wir das ganz schrecklich finden. Sie kam dann mit irgendwelchen Ausreden, von wegen dass er zu den anderen Häusern klettern würde, wenn er nicht angebunden wäre. Ich erwiderte, dass sie ihn frei lassen soll. Keine Chance. 😦 Wir gingen erstmal die 400 m Weg zum Village zurück. Wir brauchten eine neue Unterkunft, denn das kann ich mir keine 2 Tage antun, geschweige denn unterstützen. Auf dem Weg kamen wir am Sunshine Hotel vorbei, etwa 50 m vom Dock entfernt. Es sah sehr einladend aus und wird von einem kanadischen Pärchen geführt. In der Rezeption war ein Schild, dass man ab 17 Uhr im Tranquilo Café nachfragen soll, also gingen wir weiter. Wir hatten eh Hunger. Viele Backpacker-Bars gibt’s auf der Westseite nicht. Das Desideri, das Tranquilo und das Los Delfines. Und noch eine kubanische Bar. Ansonsten noch ein paar einheimische Snackbuden bzw. Bars, wovon wir auch mal eine ausprobierten. Im Tranquilo fanden wir dann Lisa, die das Problem sofort verstand und uns umgehend auf ihrem Tablet eincheckte. Sie war total sympathisch. Wir aßen noch etwas, surften ein bisschen im www und genossen die wuselige Atmosphäre. Das Tranquilo ist wirklich sehr nett und gemütlich. Preislich ist es für Nicaragua zwar eher teuer, aber immer noch ok. Der Weg zurück war stockdunkel und in der Tat auch etwas gruselig. Die sehr hohen Zäune (sogar um die Kirche ist Stacheldrahtzaun) irritierten mich nachhaltig. Angekommen in unserem eigentlich netten, aber leider etwas ungepflegten, Bungalow duschten wir noch und legten uns schlafen. Der Tag hatte es mal wieder in sich.

Hier noch ein paar Fotos vom Las Palmeras. Ohne den Affen und mit schönerem Strand könnte es dort echt nett sein.

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