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Paris: 13.10.2014 bis 16.10.2014

Oh Paris – was bist du wunderbar!
Zu unserem 20. Jahrestag am 9. November dachten wir uns: „machen wir mal etwas ganz Besonderes“. Ziemlich schnell stand fest, dass wir 2-3 Tage irgendwohin fahren möchten. Meine Eltern boten uns netterweise an, die Zeit über nach Berlin zu kommen und Haus, Hund und Kind zu hüten (nicht unbedingt in der Reihenfolge :o)). Tobi war für Hamburg, ich für Brügge. Tja und herausgekommen ist Paris. So kommt das manchmal. Tobi war noch nie in Frankreich, ich war mit 15 auf Klassenfahrt dort und kann mich kaum noch daran erinnern. Die analogen Fotos von damals sind alle lila, weil sie überbelichtet waren, aber es sind ein bewölkter Himmel und dicke Klamotten zu erkennen. Ich weiß auch noch, dass ich auf dem Eiffelturm und in Notre Dame war und vor dem nostalgischen Karrussel am Fuße von Sacre Coeur stand. Das war’s. Ach und einen riesigen verkitschten Bleistift hatte ich mir damals als Souvenir mitgebracht, haha. Aber zurück zu unserem Trip. Die Flüge mit Easyjet von Berlin-Schönefeld nach Paris-Orly waren schnell gebucht (ca. 95,-€ p.P.). Für das Hotel habe ich länger gebraucht. Paris ist nicht einfach, was die Hotelsuche betrifft. Entweder ist es absolut teuer oder die Bewertungen auf Tripadvisor gehen gegen Null. Winzig ist scheinbar sowieso alles. Irgendwann habe ich dann das „Seven Hotel“ im 5. Arrondissement entdeckt. Ein kleines 4 Sterne Boutique Hotel im Herzen von Paris. Die Zimmer sind modern und mit interessanten Lichtilluminationen ausgestattet und bis Notre Dame sind es nur 25 gemütliche Fußminuten. Besser ging es nicht. Der Preis betrug 135,-€ pro Nacht (inkl. 10% Rabatt von hotels.com). Das war es mir einfach mal wert, um Paris und den Grund unserer Reise wirklich auskosten zu können. Und ich kann das Hotel wirklich jedem nur empfehlen!

Wir sind also am Montag gegen 10:45 Uhr in Orly gelandet. Der Flug war prima, das Wetter perfekt. Nach etwas Orientierungslosigkeit fuhren wir mit dem Orlybus für 7,50€ p.P. ins Zentrum (Denfert Rochereau). Von da aus waren es nochmal ca. 1,5 km bis zum Hotel (über die Avenue Denfert-Rochereau und den Boulevard de Port-Royal, der die Verlängerung des Boulevard du Montparnasse darstellt). Unterwegs aßen wir in einem Bistro eine Kleinigkeit (Käse-Omelette, Pizza) und machten uns den ersten und zugleich schockierenden Eindruck der Pariser Preise. Die Essenpreise mögen überzogen sein, aber sind gerade noch erträglich. Die Preise für Getränke allerdings sind absoluter Wucher und unverschämt, ähnlich wie in Rom. Unter 5,-€ ist kaum etwas zu bekommen und ich rede hier von Getränken von maximal 330 ml. Wir waren gegen 13:30 Uhr im Hotel und checkten ein. Leider war unser Zimmer noch nicht fertig, sodass wir unsere Rucksäcke dort ließen und uns zur Seine aufmachten. Hach, allein die Lobby und die Bar des Hotels waren schon ein echter Hingucker. Unweit des Hotels stand das Pantheon. Ja, in Paris gibt es auch eins. Leider wurde es gerade renoviert und sollte auch 8,-€ Eintritt kosten, also sparten wir uns die Innenbesichtigung. An der Seine angekommen standen wir auch schon vor dem grandiosen Anblick von Notre Dame. Wir setzten uns hier und da mal auf ein Bänkchen und ließen uns die Sonne in die Gesichter scheinen. Die Füße waren schon recht k.o. nach dem langen Weg zum Hotel und dann vom Hotel bis zur Seine. Wir bestaunten das prächtige Innere der Kathedrale. Diese Höhe ist der Hammer! Man bekommt fast Erpelpelle, so eindrucksvoll und gigantisch ist das alles. Auch hier ruhten wir etwas auf den Bänken und sogen die Aura ins uns auf. Wir rätselten über die Bauweise und betrachteten die zahlreichen Statuen, Fresken und Fensterbilder. Eines schöner als das andere. Draußen schlenderten wir noch etwas über den Vorplatz und traten dann den Rückweg an. Dieser führt hauptsächlich durch Saint Germain, ein Viertel voller kleiner enger Gässchen mit hunderten Restaurants, wo abends/nachts der Bär steppt. Leider steht das Pantheon (ca. die Mitte unseres Heimwegs) auf einem Hügel, sodass wir wieder gut pumpen mussten, ehe wir im Hotel ankamen. Dann bezogen wir unser Zimmer und verließen es auch nur noch einmal, um etwas zu essen zu holen. Es gab Chickenburger u. Cheeseburger von der Imbissbude gegenüber. Das Zimmer war einfach nur genial. Man kann es schlecht beschreiben, schaut euch die Fotos an. Fernsehen war anfangs ganz witzig, aber nach einer Stunde nervte es. Wir hatten nur französische Sender, was ein bisschen schade war.

Am nächsten Morgen standen wir 8 Uhr auf und verließen um halb zehn das Hotel. Wir gingen zur nächsten Velib-Station zwei Häuserblocks weiter und mieteten uns zwei Fahrräder. Die Registration ist total easy. Wir haben uns am Vorabend online Tagestickets für je 1,70€ gekauft. Dabei bekommt man eine Ticketnummer und muss einen 4-stelligen Pincode festlegen. Beides gibt man an den Stationen in den Automaten ein, sucht sich ein Fahrrad aus, gibt die Nummer ein und et voila, schon hat man einen Drahtesel an seiner Seite. Das Preissystem ist auch ganz einfach. Die ersten 30 Min. sind kostenlos, danach die 30 Min. 1€, danach die 30 Min. 2€, usw. Es ist also im Gegensatz zur Metro, Bus, etc. wirklich supergünstig, sofern man für die Strecke nicht länger als 1 Std. benötigt. Im günstigsten Fall nicht mehr als 30 Min. Wir haben es immer so gemacht, dass wir uns einfach zwischendurch mal „eingeloggt“ haben, wenn wir merkten, dass wir mehr als 30 Min. brauchen. dann muss man nur 2 Min. warten und kann sich das Fahrrad wieder ziehen. 😉

10:30 Uhr waren wir beim Eiffelturm und spazierten dort etwas rum. Das Wetter konnte nicht besser sein. Strahlend blauer Himmel!!! 10:50 Uhr trafen wir unseren Guide an der Statue von Gustave Eiffel. Ich hatte uns Tickets für eine 90-minütige Führung bei Get your Guide besorgt. Hier könnt ihr euch die Tour durchlesen: Eiffeltum Liebesgeschichte. Es war grandios! Neben uns beiden war noch ein argentinisches Ehepaar mit zwei Teenie-Töchtern und ein anderes Ehepaar dabei. Wir besichtigten erst kurz den Kriegs-Bunker unweit des Eiffelturms, wo wir einiges zur Entstehung und Geschichte des Turm erfuhren, dann den Fahrstuhl-Maschinenraum, der besonders für Tobi interessant war, und dann ging es auf die 2. Ebene hoch – natürlich ohne uns in die Schlange zu stellen. 😉 Und oben angekommen hielten wir uns nicht etwa bei den gewöhnlichen Touris auf, nein, wir gingen durch Absperrungen, Gittertreppen und „Geheimgänge“ hoch auf das Dach des Restaurants „Jules Verne“, wo sonst kein normaler Besucher hin kommt. Das war genial, aber auch merkwürdig. Wir liefen ja auf Gittern rum und waren ungefähr 2 Etagen über den anderen Leuten…quasi inmitten des Stahlgerüsts. Mir sah man die Mulmigkeit wohl auch an, denn der Guide fragte mich zweimal, ob alles ok sei. 🙂 Oh man und dieser Blick! Einfach sagenhaft. Das Ende der Stadt ist in keiner Himmelsrichtung zu sehen, obwohl die Sicht glasklar war. Unglaublich. Wir hatten einfach den perfekten Tag für den Eiffeltum, mehr kann man mit Worten nicht dazu sagen.

Nach der Besichtigung gingen wir ans Seine-Ufer, wo ein nostalgisches Karussel stand. Dort gönnte ich mir einen Nutella-Banane-Crepe. Ein Traum! Danach überquerten wir die Seine und suchten uns rechts vom Trocadero eine Bikestation. Von dort aus ging es über den Triumphbogen, vorbei an Moulin Rouge, bis zum Montmartre. Die Hälfte des Hügels erklommen wir mit dem Rad, des Rest zu Fuß. Bei der Wärme und der Steigung machmal kein Pappenstiel. Die Bikestation dort war auch vollkommen leer. Kein Mensch ist so blöd und fährt mit dem Rad hoch. 😉 Oben angekommen, schauten wir uns in aller Ruhe Sacre Coeur an – eine wunderschöne Kirche, ähnlich schön wie Notre Dame, nur etwas „gemütlicher“. Danach setzten wir uns auf eine Bank unterhalb der Kirche am Brunnen und genossen den Ausblick und beobachteten die zahlreichen Menschen, die sich dort oben versammelten und auf den Sonnenuntergang warteten. Wir überlegten, ob wir es ihnen gleichtun sollten, gingen dann aber doch langsam weiter. Wir beobachteten noch eine alte Frau, die mehrmals etwas auf französisch rief, woraufhin ein paar sehr gepflegte Karthäuser-Katzen aus den Gebüschen kam. „Die Katzenfrau von Montmartre“…das wäre doch ein schöner Titel für das Foto, das ich leider nicht geschossen habe. 😦

Unten am Fuße der Terrassen von Sacre Coeur war eine Bikestation, jedoch hatten wir hier wieder dieses Problem mit der Frequentierung, sodass leider kein Radl da war. Also liefen wir noch ein Stück weiter zur nächsten Station. In ganz Paris sind ca. 20.000 Fahrräder auf 1800 Stationen verteilt. Man findet demnach alle 300 m eine Station, was wirklich richtig cool ist. An der Metrostation Anvers wurden wir dann fündig und so ging es im Eiltempo in Richtung Seine, vorbei am riesigen Place de la Republique, am Nationalhistorischen Museum und am Hotel de Ville. Schnell noch ein Foto von Notre Dame im Abendlicht und dann zum Hotel. Wir hatten für heute wirklich genug und waren unglaublich hungrig. Unterwegs shoppten wir noch Baguette, Salami, Brie, Gouda und Butter sowie Wein und Bier. Zum Abendbrot gab es heute französisches Picknick im Bett. 😉 Wir waren völlig fertig von den rund 30 km, die wir heute geradelt sind.

Am nächsten Morgen schliefen wir mal ausgiebig aus. Ok, meine Nacht war 8:30 Uhr zu Ende…wahrscheinlich Gewohnheit, aber Tobi ratzte gut mit halb elf durch. Ich schaute mir derweil auf dem Handy die aktuelle Folge von „The Walking Dead“ an…was für ein Staffelauftakt! Spätestens dann war ich hellwach. 😉 Gegen 12:30 Uhr machten wir uns auf den Weg und fuhren nach Saint Germain – unsere Popöchen feierten Kirmes als sie den Sattel wieder berührten! Tobi wollte bei einem Asia-Imbiss zu Mittag essen und so kam ich auch zu meinem Sushi…super lecker! Man sollte es kaum glauben, daber die Preise in diesem Viertel sind in der Tat human. Danach spazierten wir durch die romantischen süßen Gässchen des Viertels, überquerten die Seine auf der Pont Neuf und gingen bis zum Louvre. Leider war heute tatsächlich Museumswetter…es war den ganzen Tag bedeckt und leicht nieselig. Glücklicherweise wurden wir aber nie nass. Das hätte unseren ohnehin schon verschnupften Nasen auch nicht sonderlich gut getan. Auf dem Platz mit den Pyramiden suchten wir dann das Arago-Medaillion, das, zusammen mit 134 anderen in Paris, den allerersten Null-Meridian der Welt markiert. Er wurde 1718 festgelegt. Erst später wurde sich in der internationalen Meridian-Konferenz von 1884 auf den Greenwich-Meridian geeinigt. Bekannt geworden sind die Medaillions u.a. durch den Bestseller von Dan Browns „Sakrileg“. Wir mussten den gesamten Platz umrunden und auch im Internet nach einem Foto googeln, bevor wir die Plakette tatsächlich gefunden haben. Niemand anderes nahm davon Notiz…merkwürdig. Durch einen menschenleeren Nebeneingang (für angemeldete Gruppen) gingen wir wieder ohne Schlange stehen direkt in den Louvre. Die Tickets hatten wir ja schon. Vom Louvre muss man sich ein eigenes Bild machen. Ihn zu beschreiben fällt schwer. Die ehemalige mittelalterliche Festung ist riesig und wirklich schön. Später wurde sie zu einem Palast umgebaut und diente jahrhundertelang als Königsresidenz und war Teil des Pariser Stadtschlosses. Der ehemalige König Heinrich IV. hatte ihr seine ganzen Mätressen und deren Kinder untergebracht. Nachdem Heinrich der XIV. nach Versailles umzog, verwahrloste das Anwesen, doch mit Napoleon zog später wieder ein großer Herrscher dort ein. Seit der französischen Revolution ist der Louvre ein Museum, es war das erste öffentliche Museum Frankreichs. Um alles vom Museum zu sehen, benötigt man sicher Jahre. Ich hatte mir von vornherein vorgenommen, nur die italienischen und französischen Gemäldeabteilungen zu besichtigen. Dies taten wir dann auch, aber selbst das war schon eine enorme Reizüberflutung. In der Grande Galerie hängt ein Bild neben dem anderen…Hunderte! Die Mona Lisa war natürlich sehr begehrt, auch wenn ich nicht verstehe warum. Das Bild ist klein, unauffällig und im Gegensatz zu vielen anderen auch nicht überragend schön.Und nur weil es den typischen Da Vinci Nebel besitzt und den Betrachter für damalig ungewöhnliche Verhältnisse aus jedem Blickwinkel vermeintlich anschaut, macht es das noch nicht zu etwas derart Besonderem. Ok, vielleicht bin ich da auch einfach ein Kunstbanause. Mir gefallen aber viele Gemälde von Michelangelo, Raffael oder modernere Kunst von Cezanne und Monet. Letztere waren dort aber leider nicht zu finden. Nachdem wir auch die umgekehrte Pyramide besichtigt haben, verließen wir den Louvre kurz nach fünf. Wir schnappten uns unweit entfernt zwei Räder und fuhren immer an der Seine entlang. Unser Ziel: Sunset vom Trocadero aus beobachten…sofern es einen zu sehen gibt, weil man von da den schönsten Blick auf den Eiffelturm hat. Unterwegs tranken wir noch ein Bier und eine Hot Chocolate in einem Cafe an der Seine. Es war ziemlich frisch, aber die Pariser Cafe’s, Bistros, Boulangerien, usw. besitzen alle Heizstrahler auf ihren Terrassen. Das ist bei solchem Wetter wirklich praktisch. 😉 Oben am Trocadero war es ziemlich voll. Die Idee hatten wohl mehrere. Natürlich waren wir auch wieder die Einzigen, die den Hügel mit dem Radl hoch sind. Dementsprechend waren unsere beiden Drahtesel dann auch die einzigen dort in der Bikestation. 😉 Leider war der Sonnenuntergang dann nicht so schön, da der Himmel total bewölkt war. Wir bummelten langsam Richtung Seine und Eiffelturm runter, um dann nach einem elendigen Fußmarsch wieder zum Fahrrad zu greifen. So langsam hatten wir davon auch die Nase voll. Die Füße und Ärsche taten weh und die Wege zerrten sich wie Kaugummi. Es war aber ein schöner milder Abend. Der Eiffelturm war toll beleuchtet und glitterte ab und zu in hellem weiß, dass auf Fotos leider nicht festzuhalten war. Wir radelten wieder zurück nach Saint Germain, wo wir in den belebten Gassen zu Abend aßen. Tobi freute sich auf ein Rumpsteak, dass dann leider einer Schuhsohle glich und ich bekam ein Fondue aus drei Sorten Käse mit Schinken-Salami-Teller und Kartoffeln. Keine Ahnung, was ich damit machen sollte…ich habe nur Weißbrot fondüisiert. Es war köstlich!!! Ich liebe Käsefondue! Nach ein bisschen Shopperei für meine Mädels, fuhren wir dann ausnahmsweise mal mit dem Bus zum Hotel. Günstigerweise hielt die Linie 28 gleich um die Ecke vom Restaurant und fuhr bis zur Rue Berthollet, in der sich unser Hotel befand. Die 2 Euro haben wir wirklich gerne bezahlt. 😉

Am nächsten Morgen checkten wir schweren Herzens um 11 Uhr aus, schnappten uns ein letztes Mal die Höllenräder und fuhren zur Orlybus-Station an der Metrostation Denfert-Rochereau. Leider lag die höher als unser Hotel und somit schimpfte ich den ganzen Weg über wie ein Rohrspatz. 😉 Unser Bus fuhr auch gleich los und um Flughafen ging merkwürdigerweise auch alles mal reibungslos, genauso wie bei der Anreise. Eigentlich beängstigend. Aber vielleicht spart sich das Schicksal die mühevollen An- und Abreisen bei mir auch nur für längere Flugreisen auf. Oder die Pechsträhne ist vorbei – das wäre ja auch wirklich an der Zeit. Wie auch immer. Es waren traumhafte Tage und in Paris waren wir sicher nicht zum letzten Mal. Eine wunderschöne, faszinierende Stadt!

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