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Tag 9: Akumal – Chitchen Itza – Akumal

Heute sollte es nun nach Chichen Itza gehen, dem bekanntesten Maya-Tempelkomplex in Mexiko. Von dieser Maya-Stadt sind bis heute 20 Gebäude freigelegt, unter anderem die weltbekannte „Pyramide“ El Castillo. Wir sollten um 09:40 Uhr vom Hotel abgeholt werden, aber es wurde ca. 30 Minuten später. Außer uns fuhr noch ein Mann mittleren Alters aus unserem Hotel mit. Wir holten noch zwei in Tulum ab und düsten direkt bis kurz vor Chitchen Itza, wo es etwas zum Mittag gab. Wir hatten Badesachen an, weil uns Jeremias gesagt hatte, dass es dort eine Cenote beim Restaurant gibt. Die gab es auch – traumhaft schön und traumhaft voll. Das ganze war ein Hotelkomplex mit Buffetrestaurant, bei dem auch die Reisebusse einkehrten. Massenabfertigung! Jana, du weißt ja, wie ich das liebe. Das fanden wir in China schon so doof. Aber die Cenote war echt toll, ein sehr weit unten liegendes Süßwasserloch, umgeben von hohen Steilwänden mit Wasserfall und reinhängenden Lianen, dass an ein unterirdisches Fluss-System angeschlossen ist – angeblich dem größten der Welt. Das war schon sehr verlockend. Aber die Tatsache, dass heute schon Hunderte Touris ihren Schweiß darin abgewaschen haben, ließ uns dann doch nicht baden gehen und ich zog mich um. Wir aßen einen Happen und setzten uns dann in ein Café, bis der Bus weiterfuhr. Susanne, unsere deutschsprechende spanische Reiseleiterin mit Schweizer Dialekt, erzählte uns auf der Fahrt immer eine ganze Menge. Das konnte ich mir gar nicht alles merken. Im Gedächtnis ist mir aber noch, dass die Azteken früher Hunde gegessen haben. Sie haben eine Rasse ohne Fell gezüchtet und die konnte man auch begutachten, als wir einen Toilettenstop gemacht hatten. Die armen Tiere…so ohne Fell haben sie gar keinen Schutz gegen die Hitze. Ganz zu schweigen davon, dass es nicht schön aussieht. Aber heute werden sie nicht mehr gegessen. Gott sei Dank. Gegen 15:00 Uhr waren wir dann vorm Eingang von Chichen Itza und warteten, bis Susanne die Tickets geholt hat. Es war brütend heiß. 32 Grad und kein einziges Meereslüftchen im Landesinnern. Ekelhaft. Uns lief die Brühe nur so runter. Ihr mit euren Minusgraden werdet denken „wie toll“, aber ich weiß echt nicht, was schlimmer ist. In Chichen Itza liefen wir erstmal eine ganze Weile durch den Busch an unzähligen Ständen von einheimischen Souvenirhändlern vorbei. Man kann es auch übertreiben. Und irgendwie hat wohl alles nur „One Dollar“ gekostet. Komischerweise nicht mehr dann, als ich mir auf dem Rückweg den aus dunklem Holz geschnitzten und bunt bemalten Maya-Kalender gekauft habe. Aber immerhin habe ich ihn von 350 auf 200 Pesos runter gehandelt. Und da war ich schon beim 4. Stand. Vorher habe ich immer 150 versucht, aber darauf wollte sich einfach niemand einlassen. Frechheit. Als Erstes besichtigten wir das Observatorium, was noch ganz gut erhalten war. Hier berechneten die Maya z.B. die Umlaufzeit der Venus mit 384 Tagen und unterschieden sich mit diesem Ergebnis nur 0,08 Tage von den heutigen Berechnungen. Das waren schon richtig helle Köpfchen. Sie waren übrigens auch das erste Volk, das mit der Zahl Null rechnete. Die gab es zwar vorher schon in Indien, aber die wussten nicht so viel damit anzufangen. Die Maya nutzten sie. Kurz danach musste ich von der Gruppe weg. Ich hab die Reiseleiterin eh kaum verstanden und wollte lieber etwas fotografieren. Und vor allem wollte ich nicht immer in der Sonne stehen bleiben. Tobi ist zwangsläufig mit, obwohl er scheinbar sein Herz für Reisegruppen entdeckt hat. Er wollte ständig bei der Gruppe bleiben. Pfff. Wir sind dann zu einem Häuschen, wo es eine Toilette (mit lange anstehen) und etwas Kaltes zu trinken gab. Ich musste erstmal ne Runde ruhen. Maaan, war das heiß! Danach sind wir zum „El Castillo“, der großen berühmten Pyramide, die ja eigentlich keine ist. Pyramiden stehen in Ägypten, die Maya hatten Tempel. Schließlich haben sie mindestens eine Treppe, diese hier hatte auf jeder Seite sogar eine, und oben waren sie nicht spitz, sondern hatten einen Aufbau darauf. Wieauch immer, sie war unglaublich beeindruckend und verdammt hoch, wenn man so davor steht. Vor einigen Jahren konnte man sie noch besteigen, aber dann hat die Unesco sie restauriert und das Besteigen verboten, um das Weltkulturerbe zu erhalten. Finde ich auch richtig. Ich wäre auch eh nicht hoch. 😉 Nun aber zu den Menschen. Heute ist Nationalfeiertag! Natürlich! Was auch sonst, wenn ich hier bin? Irgendein Benito Juarez hat heute Geburtstag. Aber nicht nur das, nein, heute ist ab ca. 16:30 Uhr auch noch das berühmte Schlangenphänomen. Das findet nur zweimal jährlich, am 21.3. und 21.9. statt, immer zur Tag-und-Nacht-Gleiche. Nur dann werfen die Pyramidenstufen ein Schattengebilde, dass sich an den unteren Schlangenkopf an der Nordtreppe anschließt. Das Ganze sieht dann so aus (mit viel Fantasie), als wenn eine gigantische Schlange, ein Symbol des Schöpfergottes Quetzalcoatl, den Tempel herunterkriecht. Sie soll die Erde befruchten, sodass wieder genug Mais, Bohnen, usw. geerntet werden können. Heutzutage kommen die Menschen hierher, um Energie zu tanken. Die Götter der Maya waren übrigens nicht unsterblich, sondern mussten was essen und trinken, um zu überleben. Daher wurde ihnen immer ausreichend geopfert. Die Pyramide hat übrigens auf jeder Seite 91 Stufen, das ergibt zusammen mit der letzten Stufe zur Tempelplattform 365 – die Tage eines Sonnenjahres. Im regulären Maya-Kalender gibt es 18 Monate á 20 Tage. Das sind natürlich nur 360 Tage, aber am Ende eines jeden Jahres gibt es 5 Unglückstage. An denen weiß man nicht, ob die Sonne wiederkommt, sodass viel gebetetund dem Sonnengott geopfert wird.
Naja, jedenfalls könnt ihr euch sicher vorstellen, wie voll es vor der Pyramide war. Dios Mio! Wir gingen auf die Seite vom Tempel des Jaguars und schauten uns noch schnell den größten Ballspielplatz Mittelamerikas mit rund 150 m Länge an, bevor dort abgesperrt wurde. Man befürchtete wohl, dass Menschen die Mauern drumherum erklimmen, um einen besseren Blick auf die Schlange zu haben. Danach schauten wir noch eine Weile dem Ritual zu. Hatte ich schon die brütende Hitze erwähnt? Uff. Plötzlich verdunkelten Wolken die Sonne und Zigtausende Buhrufe schallten durch das Land. Das fanden wir lustig. Als sie nach einer Weile wieder kam, sah man plötzlich Massen von Leuten von der Süd- zur Nordseite rennen. Ich hätte mich beeiern können. Danach sind wir langsam zum Ausgang geschlendert. Um 17 Uhr sollten wir uns wieder alle dort treffen. Tobi hat mich etwas genervt. Ständig hatte er Angst, die Gruppe nicht wiederzufinden. Man ey, Jana und ich haben unsere Gruppe bei Hunderttausenden in der Verbotenen Stadt wiedergefunden und hier waren gerade mal um die 40.000. Das mit der Entspannung müssen wir noch mal etwas üben. Es dauerte eine ganze Weile bis wieder alle 36 Leute zusammen gefunden haben und dann sind wir dem Bus entgegen gelaufen. Hat aber eigentlich alles ziemlich reibungslos geklappt. Leider war dann im Bus die Klimaanlage ausgefallen. Ich hätte brechen können. Wir hatten auf dem ganzen zweieinhalbstündigen Rückweg zw. 28 und 32 Grad im Bus. Es war so nervig. Wir hatten ja schon letzte Nacht keine funktionierende Klimaanlage im Zimmer und dementsprechend eine sehr warme Nacht. Im Hotel gab es nämlich Stromausfall und der Dieselgenerator hat nur das Nötigste geschafft, bis auch er ausgefallen ist. 😦 Als wir im Hotel angekommen sind (glücklicherweise wurden wir wie morgens auch als Zweites wieder abgesetzt), haben wir nur noch schnell etwas gegessen und sind ins Bett. Chichen Itza ist auf jeden Fall eine Reise wert!

5 Kommentare zu „Tag 9: Akumal – Chitchen Itza – Akumal

  1. Na toll – habt Ihr also überlebt! Natürlich muß man sich bei einem solchen Ausflug im Klaren sein, daß alles anstrengend ist, aber man wird immer irgendwie entschädigt!!! Wenn es Euch gefallen hat, bleibt es ein beeindruckendes Erlebnis. Nochmal macht IhrS sowieso nicht!!! Rena, Du als alter Reisehase mußt das doch wissen? Schließlich bist Du meine Tochter und kennst die Wissbegierde unserer Familie ( auch Reisefieber ). Ich warte auf Skype! Liebe Grüße

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  2. Das klingt ja nach einem tollen Trip, abgesehen von der Hitze vielleicht (ich glaube, wir alle Daheimgebliebenen würden dennoch lieber nun Hitze haben als weiterhin Minusgrade über Minusgrade und Schnee ohne Ende…). Das mit dem Nationalfeiertag ist ja witzig. Da hast du ja wirklich Talent inzwischen für immer dir solche Tage auszusuchen. Hihi. Aber sehe es wie deine Mama. Es bleibt ein beeindruckendes Erlebnis und du wirst dich an all das noch in vielen Jahren zurückerinnern können, egal was auch immer daneben schief gegangen ist. So hast du wenigstens immer was zu erzählen. Das kannst du den nörgelnden Tobi auch so sagen :-). Das immer die Männer selbst im Urlaub nörgeln müssen, hihi… . Dabei ist es doch so toll, was ihr da alles wieder schönes erlebt. Ich wünsche weiterhin ganz, ganz viel Freude und Spaß!!!

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  3. Hab ich ihm gesagt, Angie. 😉
    Heute hatten wir einen schlimmen Monsunregen, es goss wie aus Eimern. Und ein Besoffener hat gerade das halbe Hotel zusammengebruellt, bis er von der Polizei abgefuehrt wurde. Es wird nicht langweilig. 🙂

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  4. Gut so :-). Er bzw. überhaupt die Männer sollen doch einfach mal im Urlaub nur genießen und nicht immer auf Kleinigkeiten achten was schief gegangen ist. Das macht auch das Leben um ein vielfaches angenehmer. Hihi.

    Na bei euch wird es wirklich nicht langweilig. Nicht schlecht was da bei euch so abgeht :-).

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