Nordamerika · North Carolina · USA

Asheville – Cherokee – Asheville (North Carolina)

Tag 26: Wir sind in dem wunderschön gelegenen Städtchen Asheville, umgeben von Bergen und grüner Wildnis. Der Ort liegt am Zusammenfluss vom Swannanoa River mit dem French Broad River und wurde 1798 gegründet. Die Stadt befindet sich im Herzen der Blue Ridge Mountains. Hier befindet sich auch das „Biltmore Estate“, das größte Haus der USA in Privatbesitz. Da der Eintritt ab 29 Dollar kosten soll, haben wir uns das verkniffen. Wir haben vorhin versucht, ein Foto zu schießen, aber das kann man vergessen. Es ist kein Rankommen, ohne dass man zum Bezahlen aufgefordert wird. Wirklich schade. Von Weitem haben wir die Türmchen gesehen – ein riesen Ding.

In der Kleinstadt Asheville, rd. 70.000 Einwohner, soll es eine der höchsten Konzentrationen an Art-déco-Häusern in der USA geben und ist ähnlich tolerant eingestellt, wie z.B. San Francisco oder Key West. Wir werden morgen versuchen, etwas Zeit für Downtown einzuplanen. Unweit von unserem Hotel verläuft der Blue Ridge Parkway, eine hunderte Kilometer lange Freizeitstraße beginnend bei den Great Smokey Mountains und dem Cherokee Indianerreservat im Süden, durch die Blue Ridge Mountains bis hin zum Shenandoah Nationalpark im Bundesstaat Virginia im Norden. Am Schönsten soll eine Fahrt im Indian Summer sein, wenn sich alle Blätter in unzählige Farben verwandeln. Aber dafür sind wir leider zu früh dran. Von dieser Scenic Road hat man zahlreiche wunderschöne Aussichten, sogenannte „Overlooks“, auf die Berge.

Heute sind wir eine Teilstrecke abgefahren…und zwar ins Indianerreservat nach Cherokee, fast am Ende des Parkways. Für die knapp 60 Meilen haben wir 2,5 Stunden gebraucht. Ok, wir haben auch drei bis vier Mal gestoppt, um die Aussicht zu genießen aber hauptsächlich haben wir das den maximal 45 mph auf dem Parkway zu verdanken. Schneller geht aber auch beim besten Willen nicht. Viel zu viele Kurven, steile Abhänge ohne Leitplanken oder dergleichen und vor Angstschweiß triefende Hosen auf den beiden Vordersitzen unseres Autos.

Wir waren dann im „Oconaluftee Indian Village“, einem originalgetreuen Nachbau einer typischen Indianersiedlung der Cherokee aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Wir spazierten durch den Gartenpark nebenan, der kostenlos war.

Ins Dorf selbst sind wir dann nicht, weil uns der Eintritt von 16 Dollar für 4-5 Hütten zu happig erschien. Außerdem hatten wir vom Gartenweg schon einiges gesehen.

Wir sind dann ins „Museum of the Cherokee Indian“, Eintritt 10 Dollar, und das war es wirklich wert. Man erfährt viel von der Geschichte der Cherokee, ihrer Lebensweise, ihrer Kleidung und auch ihrer Vertreibung.

Etwa 25.000 Cherokee lebten Mitte des 18. Jhd. in den südlichen Appalachen. Mit zunehmenden weißen Siedlern mussten sie Stück für Stück ihr Land aufgeben. Sie versuchten sich anzupassen, sogar schwarze Sklaven besaßen einige. Verrückt! Der Silberschmied „Sequoyah“ erfand 1821 sogar ein Alphabet und die Cherokee arbeiteten eine Verfassung aus. 1830 unterschrieb Präsident Andrew Jackson den „Indian Removal Act“, der die Umsiedelung der fünf zivilisierten Stämme (Cherokee, Chickasaw, Creek, Seminole und Choctaw) nach Oklahoma im Westen legalisierte. Dafür wurden den Inidanern „ewige Landrechte“ versprochen. Die Mehrheit, unter Führung des Häuptlings John Ross, widersetzte sich der Umsiedelung und erhielt 1831/32 in zwei Prozessen vom Obersten Gerichtshof der USA Recht. Die Regierung unter Präsident Jackson ignorierte jedoch beide Urteile und ließ rund 16.000 Cherokee von der US-Armee zusammentreiben, die sie von 1838-39 nach Oklahoma eskortierte. Auf dem knapp 2000 km langen Fußmarsch starben fast 5000 Indianer an Erschöpfung, Hunger und Krankheiten. Dieses wohl grausamste Verbrechen der Weißen an den Indianern erlangte unter dem Namen „Trail of Tears“ (Pfad der Tränen) traurige Berühmtheit.

Die Nachkommen der Überlebenden leben heute als „Western Band of the Cherokee“ in Oklahoma. Etwa 1200 Cherokee aus dem Ort Qualla konnten in die Berge fliehen, wo ihre Nachfahren noch heute in der „Cherokee Indian Reservation“ leben. 1866 legalisierte North Carolina dann das Wohnrecht der Indianer, später erkannte auch die US-Regierung die heutige „Eastern Band of the Cherokee“ an.

Das Museum war wirklich liebevoll und detailgetreu gestaltet und wir haben sogar ein Autogramm von einem dort berühmten Cherokee namens Jerry Wolfe bekommen. Er hatte schon im zweiten Weltkrieg bei der Navy gedient und war beim D-Day in der Normandie dabei. Erwähnenswert sei noch der Film, den wir im Museum gesehen haben. Er handelte von der Entstehung der Welt, so wie sie die Cherokee sehen. Eine Wasserspinne namens Dayaunishi brachte so viel Schlamm vom Meeresboden an die Oberfläche, dass sich daraus die Erde bildete und ein großer Bussard formte mit jedem Flügelschlag die Great Smokey Mountains. Ja so war das! Oder wollt ihr etwas anderes behaupten? Aus dem Museum raus musste man natürlich durch den Giftshop…wie immer. Es gab nur einen Magneten, keinen Indianerschmuck. Der war leider viel zu überteuert. Danach ist Andrea noch zur Ladenstraße auf die andere Straßenseite und ich habe meine muskelkatergeplagten Waden in der Sonne geschont.

Es war dann schon ziemlich spät, sodass wir wieder gen Asheville aufgebrochen sind. Wir machten dann noch einen Abstecher zum Biltmore Village, ein echt süßes Dörfchen vor den Toren des Biltmore Estates (Estate = Anwesen). Alle Häuser wirken sehr europäisch und passen eigentlich so gar nicht hier in dieses Land.

Der Blick auf das Schloss selbst blieb uns, wie oben bereits erwähnt, leider verwehrt. Gegen 19:00 Uhr waren wir dann wieder im Hotel und es gab Abendbrot aus der Mikrowelle. Ick habe dermaßen Muskelkater in den Waden, unglaublich. Und gestern hatte ich den ersten Oberschenkelkrampf meines Lebens…böse Geschichte. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt. Aber Ruhe ist erst ab Sonntag angesagt, wenn wir in Atlanta angekommen sind. Morgen geht’s erstmal noch auf dem Parkway nach Norden, zum „Grandfather Mountain“.

3 Kommentare zu „Asheville – Cherokee – Asheville (North Carolina)

  1. Dir fehlt Magnesium Verena! Das hilft gegen die Krämpfe. Kostet bestimmt nicht viel in der Apotheke. Ansonsten habt ihr beide ja wieder viel gesehen u. hoffentlich schöne Bilder geschossen.
    So langsam gehts dem Ende zu, u. ihr habt bestimmt schon ein bischen Heimweh. Wir vermissen euch! Noch viel Spaß die letzten Tage.
    LG Mutti

    Gefällt mir

  2. Ihr immer mit eurem Zeug. 😉 Hatte doch nur den einen Tag einen Oberschenkelkrampf, weil ich so blöd im Bett gesessen hatte. In den Waden war nix, das war „nur“ Muskelkater. 😉

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s