Nordamerika · North Carolina · USA

Grandfather Mountain, der Bär & Downtown Asheville (North Carolina)

Tag 27: Unser letzter „richtiger“ Urlaubstag ist angebrochen. Ja, so schnell ist die Zeit dann doch vergangen, aber es wird auch langsam Zeit für’s heimische Bett und die eigene Badewanne. Unsere Köpfe können auch fast nichts Neues mehr aufnehmen.

Heute war unser Ziel der „Grandfather Mountain“ nahe Linville. Er ist ein in Privatbesitz befindliches Naturreservat und mit 1818 m der höchste Berg im Osten der Blue Ridge Mountains, die zu den Appalachen gehören. Auf der Südflanke des Berges verläuft der „Blue Ridge Parkway“ aufgeständert. Dieser Teil wurde 1987 als letzter Teil der seit 1936 gebauten und 755 km langen Aussichtsstraße fertiggestellt. Leider sind wir dort nicht hingekommen, da der Streckenabschnitt hinter unserer Abfahrt lag. 1952 wurde auf dem Berg die „Mile High Swinging Bridge“ errichtet, die höchste Hängebrücke der USA. Hier oben werden auch die größten und populärsten Highland-Games der USA veranstaltet, natürlich erst im Juli. Schade.Wir machten uns 10:45 Uhr auf den Weg, ca. 65 Meilen waren es bis dorthin. Auf dem Parkway kann man ja nicht so schnell fahren, daher hat es insgesamt 2,5 Stunden gedauert, bis wir den Berg erreicht haben. Wir fuhren wieder nur durch grüne Wälder. Ich glaube wir haben hier im Süden alle Grüntöne kennengelernt, die es auf der Welt gibt. Nur grün und immer wieder grün. Das Wetter war heute nicht ganz so freundlich. Es war sehr bewölkt, aber hat nicht geregnet, höchstens mal genieselt. Nach ca. 25 Meilen haben wir den Aussichtspunkt zum „Mount Mitchell“ passiert. Er ist mit 2037 Metern der höchste Berg der Appalachen. Nebenbei ist er der höchste Punkt östlich des Mississippi in Nordamerika und wird vom Appalachian Trail überquert. Wir bekamen ihn leider nicht zu Gesicht, er war wolkenverhangen. Ein Stückchen weiter waren wir scheinbar auf dem höchsten Punkt unserer Teilstrecke in den Blue Ridge Mountains angelangt. „Craggy Gardens“ war ein Bergkamm, von dem aus es rechts und links in die Tiefe ging. Rechts konnte man gar nichts erkennen, nur Wolken. Links konnte man weit unten das Tal sehen, wo zeitweise die Sonne schien. Über die Straße fegten die Wolken in schnellem Tempo hinweg, das hatte etwas sehr Mystisches und sah wirklich Klasse aus. Auf dem Foto kann man das nur so schlecht einfangen. Ein Giftshop war dort oben natürlich auch.

Wieder ein Stück weiter, wir fuhren teilweise durch dichte Wolken hinweg und haben kaum etwas gesehen, kamen wir zum „Grandfather Mountain View“, einem Aussichtspunkt, von dem aus man den alten Opa gut sehen und natürlich fotografieren konnte. Dann verließen wir den Parkway. Unten am Eingang zum Berg mussten wir natürlich Eintritt zahlen (mit Triple A 16,- USD). Es führte eine wahnsinnig steile und mit Spitzkurven gespickte schmale Straße bis auf den Gipfel. Gruselige Fahrt! Die Spitze des Berges war in zwei Gipfel aufgeteilt, den „Linville Peak“ und den „Second Peak“, die mit der besagten Brücke verbunden sind. Das hat uns eine CD erzählt, die wir am Eingang kostenlos bekommen haben. Ein paar Stufen führten noch bis ganz hinauf und dann standen wir vor ihr: der „Mile High Swinging Bridge“. Eine 1952 errichtete Metallbrücke, die an Drahtseilen hängt und nach rechts und links schwingt, weil sie in kleine Etappen aufgeteilt ist, die unabhängig voneinander schwingen. Ich hatte mir fest vorgenommen rüber zu gehen. Es hat eine Weile gedauert, aber dann habe ich all meinen Mut zusammengefasst und bin ganz tapfer rübermarschiert. Natürlich ohne stehenzubleiben und ohne runterzuschauen. Meine Beine haben vielleicht gezittert und butterweich waren sie auch. Drüben angekommen dachte ich nur „Scheiße, jetzt muss ich auch noch wieder zurück!“. Auf dem Second Peak gab es nur noch eine kleine Spitze, die man nur über lauter waghalsige Naturfelsen erreichen konnte. Man hatte vielleicht 1 m gangbare Breite, danach ging es in die Tiefe. Die US-Amis sind ja sowas von unerschrocken. Die kraxelten dort alle mit einer Leichtigkeit hoch, sogar in Schlappen, dass mir vom Zusehen schon ganz schlecht wurde. Sogar mit Kindern! Das ist eigentlich schon grob fahrlässig. Aber da kennen die nix. Ich hab kurz tief ein- und ausgeatmet und bin dann zurück. Plötzlich kamen mir natürlich ein Haufen Leute mitten auf der Brücke entgegen (und die ist nicht wirklich breit) und das Ding schwing nicht nur seitlich, sondern auch noch hoch und runter. Dazu dieses ekelhafte Quietschen. Ich dachte mein Herz setzt aus. Adrenalin pur! Drüben hielt Andrea alles mit Beweisfotos fest. Sie hat das Ganze mal sein lassen. Selbst für 100 Dollar wäre sie nicht rüber, ihr war vom Zusehen schon übel.

Wir machten noch einen Gang durch den Giftshop (natürlich) und machten uns dann auf den Rückweg…diesmal über die Interstates, so wie gestern auch. Wie gesagt, man kommt auf dem Parkway kaum voran. Bis zur Interstate 40 mussten wir ganz kurz auf den Parkway zurück und dann ein ganzes Stück Landstraße durch den „Pisgah National Forest“ fahren. Auf dem Parkway meinte ich noch ganz nölig zu Andrea, dass ich endlich mal einen Bären sehen will. Wir hatten schon in Colorado und Utah keinen gesehen und hier soll es doch schließlich auch so viele Schwarzbären geben. Wir fuhren vom Parkway ab und ca. fünf Minuten später passierte es! Unsere Herzen sind in die Hose gerutscht! Kurz vor mir sah ich ihn von links aus der Böschung springen, diesen „kleinen“ tapsigen schwarzen Teddy. Ich war schon zu nah ran, als dass ich noch hätte rechtzeitig bremsen können, hab es aber natürlich trotzdem gemacht. Wir waren auch nicht gerade langsam unterwegs. Glücklicherweise merkte er wohl auch, dass er das nicht mehr vor uns über die Straße schafft und bremste ab und lief einen Moment neben der Fahrertür her. Da wir noch zu schnell waren, kamen wir an ihm vorbei und er machte kurz hinterm Auto rüber auf die andere Straßenseite. Es waren nur Sekunden und wir konnten in dem Moment gar nix sagen. Aus mir kam nur ein „Oh oh ooooooh!“. Ich fuhr sofort links in eine Einfahrt (von was auch immer, mitten im Wald) und wir schnappten die Kameras und suchten das Stück ab, in dem er verschwunden war.

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Natürlich war uns das alles nicht geheuer. Er war noch nicht ausgewachsen, vielleicht zwei bis drei Jahre alt, und wir hatten Angst, dass plötzlich seine wütende Mama hinter uns steht. Schiss hatten wir ja schon. Leider war nichts mehr zu sehen. So aus sicherer Entfernung hätten wir den Kleinen ja gerne noch fotografiert. Wahrscheinlich war er so verschreckt, dass er sich irgendwo ins Dickicht gelegt und erst mal ne Runde gepumpt hat. Das arme Kerlchen! Was macht der aber auch so einen Blödsinn.

Wir fuhren dann weiter und waren noch eine ganze Weile aufgeregt. Man fährt dann auch ganz anders. Gegen 17:00 Uhr waren wir dann wieder im Motel. Heute haben wir auch gleich die richtige Abfahrt erwischt, nicht wie gestern. Aber sowas Bescheuertes auch! Wir waren auf der Interstate 40 und es kam ein Abfahrtschild auf die Interstate 240, die zu unserem Motel führte. Wir fuhren ganz brav ab. Es kam auch keine andere Abzweigung dazwischen, an der man sich hätte vertun können. Wir fuhren weiter und wunderten uns, dass uns die Gegend unbekannt vorkam. Ich schaute auf den nächsten Exit und auf die Karte…und wir waren immer noch auf dieser blöden I 40. Wie geht das bitteschön? Wir waren doch abgefahren! Unglaublich. Diese Beschilderungen sind echt der Hammer. Unser Motto hier im Süden: „Wenn man nach Osten fahren will, muss man erst nach Westen und umgekehrt!“. Andrea hat dann im Motel mit ihrem Freund und ich mit meiner Mutti geskyped, die doch tatsächlich halb Zwölf noch wach war.

18 Uhr sind wir dann nach Downtown rein und haben ein bisschen Asheville’s Archtiketur erkundet. Das ist ja ein wirklich übersichtliches Städtchen. Zwei Straßen rauf und drei runter und wir hatten den Stadtkern durch. Aber wirklich süß! Die Art-Déco-Häuser sind wirklich sehenswert. Und eine gute Barszene scheint es dort auch zu geben. Auf dem Bordstein weisen pinke in Stein eingelassene Markierungen (Indianerpfeile) auf besonders sehenswerte Art-Déco-Bauten oder andere Skulpturen hin, wirklich praktisch. Sogar eine Wall-Street und ein Flat-Iron-Building wie in New York gibt es dort…mit riesigem schwarzen Bügeleisen davor.

Leider nieselte es die ganze Zeit etwas. In Asheville hatte uns das Wetterglück dann endgültig verlassen. Da konnten wir froh sein, dass wir den ganzen Tag über halbwegs gutes Wetter, teilweise sogar Sonne, hatten.

Wir fuhren auf dem Rückweg zur Asheville-Mall, weil uns in der Stadt eingefallen war, dass wir uns mal so einen Yankee-Candle-Shop anschauen wollten. Steffi hatte in dem Reisebericht ihres Freundes so davon vorgeschwärmt, dass wir neugierig waren. Laut Google war so ein Shop in der Mall. Meine Güte war die diesmal groß, wir haben sogar nochmal umgeparkt, weil uns die Wege innen so lang erschienen. Alle großen Namen waren dort vertreten (z.B. Victoria’s Secret, GAP, Abercrombie & Fitch, usw.)…Jana hätte ich vorne in der Handtaschen- und Schuhabteilung bei Belk oder in so einem Body-Shop absetzen können und sie ein paar Stunden später wieder abholen können. Hihi. Der Yankee-Candle-Shop war auch da und total knuffig. Herrlichte Düfte waren das. Danke auch, Steffi! Das hat uns wieder unnötig Geld gekostet. Wir haben dann dort im Food-Court auch gleich etwas gegessen. Andrea beim Japaner Chicken Teryaki und ich an einem Sushi-Stand frisch zubereitetes Sushi. War das lecker!! Ein kleiner Charmeur war das auch. Ich war sein einziger Gast und er hat sich ganz fürsorglich um mich gekümmert. Um 21:00 Uhr waren wir nach einem kurzen Abstecher zur Tanke wieder im Motelzimmer und haben „Pretty Woman“ geguckt…mit tausenden Werbepausen. Das ist so krank! Wie können die so nur fernsehen? Ich könnte hier nicht überleben.

4 Kommentare zu „Grandfather Mountain, der Bär & Downtown Asheville (North Carolina)

  1. Richtig Rena!!! Aber bei Victoria Secrets oder GAP hätte ich auch noch vorbei geschaut! *lol*
    Yankee-Candles sind toll und wie die alle duften… hach.

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  2. @Jana: Du kennst diese Kerzen? Wo gibt's die bei uns? Dieser Shop gehört verboten. 😉

    @Tina: Warst du drüber gegangen? Heute frag ich mich, wie ich das geschafft habe. Bin eigentlich ein Schisshase, was sowas angeht.

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  3. Die gab's mal eine Zeitlang bei Strauss Innovation.
    Ich weiß aber auch, dass es einen Laden am Kurfürstendamm/Lehniner Platz gibt.
    Aber deck' dich mal gut damit ein, denn hier sind die immer ganz schön teuer. 😦

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