Louisiana · Mississippi · Nordamerika · USA

Natchez (Mississippi) – Baton Rouge (Louisiana)

Tag 9: Heute wandelten wir in unseren weitschwingenden Reifrock-Kleidern auf schneeweißen hochherrschaftlichen Veranden luxuriöser Südstaaten-Villen. Naja…nicht ganz. Die Kleider fehlten leider. Aber wir konnten es uns gut vorstellen. Aber von vorn…

Nach einer unruhigen Nacht – ich konnte in diesem Motel einfach nicht gescheit schlafen – bekamen wir ein annehmbares Frühstück. Die Eier kochen und braten sie hier leider immer tot. Aber es gab tatsächlich Starbucks-Kaffee. Eine Anleitung wäre nur gut gewesen, denn wir hatten letztendlich natürlich zu viel Sirup eingerührt. Unmittelbar danach ging es auch schon ein paar Meilen auf dem Highway 61 zurück zum Historic Jefferson College. Hier hat tatsächlich der damalige Präsident der Konföderierten-Staaten Jefferson Davis studiert. Das war aber weniger der Grund warum wir dorthin wollten. Wir standen doch tatsächlich vor „West Point“, der Militärakademie aus „Fackeln im Sturm“. Ohja, wir konnten uns die Kadetten hier sehr gut vorstellen und wir haben an dem Platz gestanden, wo Orry und George mit den Wassereimern gedrillt wurden. Es wirkte nur alles etwas kleiner…typische Film-Schummeleien. Wir waren die einzigen Besucher dort und so hatten wir das Gelände ganz für uns alleine. Das war klasse. Heute früh hatten wir ca. 20 Grad, strahlenden blauen Himmel und eine leichte Brise. Es war wunderbar.

Danach sind wir in die Altstadt von Natchez. Wir hatten einen Plan der schönsten Antebellum-Häuser in Natchez und wollten die Driving-Route abfahren. Zuerst waren wir beim „Rosalie“, ein sehr großes rotes Herrenhaus mit vier weißen Säulen in einem großen Park direkt am Mississippi. Wir mussten einmal ums Gelände drumherum laufen, weil uns der Ticketverkäufer verfolgte und wir flüchten mussten. Wir wollten ja nur ein Foto und keinen Eintritt zahlen.

Das zweite war „Magnolia Hall“, auch sehr schön. Riesig groß, in einem Farbton aus braun und altrosa und ebenfalls vier weiße Säulen.

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In den Straßen, die wir durchquerten, waren natürlich auch sehr viele kleine Häuser…fast alle mit hübschen kleinen Veranden und französisch anmutenden gusseisernen Geländern. Natchez ist überhaupt eine niedliche kleine Stadt. Direkt am Mississippi ist sie auch wunderschön gelegen. Also ein unbedingtes Muss auf einer Südstaatenreise!!! Nur ein anderes Motel sollte man sich aussuchen.

Das dritte Anwesen war „Stanton Hall“. Wow! Was für ein Gebilde! Schneeweiß, riesengroß und mit einem tollen Garten drumherum. Es war augenscheinlich zum Hotel umfunktioniert, mit Pool und Rosengarten. Tolles Ding! Wir sind ein wenig auf dem Gelände umhergelaufen.

Noch so ein klasse Gebäude war „Dunleith“, ein quadratisches weißes sehr großes Herrenhaus mit einer umlaufenden Veranda und 28 weißen Säulen. Wir haben es einmal umrundet. Man konnte gar nicht genug Fotos knipsen.

Danach kam Highlight Nummer 1: die „Longwood Plantation“. Eine achteckige orientalisch anmutende Villa, einzigartig in Amerika. Sie war in einem Rot-Ton gehalten und ich weiß nicht wieviele weiße Säulen die drei Etagen tragen. Obenauf ist ein weißes Türmchen auf dessen Spitze eine große rote Zwiebel ist. Ein Wahnsinns-Bau! Wir haben dort die Führung für 12 Dollar mitgemacht. Unsere Gruppe fasste ca. 10 Leute, alles ältere Leute und wir. Natürlich waren wir die Exoten und schon vor Beginn der Führung wurden wir von jedem angequatscht. Die haben vor der Führerin sogar mit uns angegeben, unglaublich. Zwei Texanerinnen erzählten uns von ihrer Schiffsreise durch Deutschland, natürlich nur dem Westen. Und bei denen war Amsterdam auch gleich mal deutsches Land. Wir ließen sie erzählen. Aber als sie meinten, dass sie die Franzosen besser fanden, musste ich doch mal eingreifen. Irgendwo ist ja mal Schluss. Die Führung war sehr interessant und die Räume noch original eingerichtet. Leider wurde nur die untere Etage fertiggestellt, exakt 9 Räume (von ursprünglich geplanten 32), die alle von einer Rotunde in der Mitte abgehen. Sehr originell, so etwas haben wir noch nie gesehen! Leider durfte man nicht fotografieren. Der Bau begann 1861, aber der Architekt ist drei Jahre später verstorben, dann begann der Krieg, das Geld war alle und die Sklaven weg. Und so blieb es unvollendet. Schade eigentlich. Die Villa liegt in einem gigantischen Park mit See, weitab von der Straße. Wer die Serie „True Blood“ kennt, der müsste sie wiedererkennen, denn es ist der Wohnsitz des Vampirkönigs. Passend wie wir finden.

Wir spazierten noch eine Weile im Park herum und fuhren dann noch die vier letzten Herrenhäuser an. „Auburn“, „Monmouth“ und „Linden“ fotografierten wir nur noch vom Auto aus, es war dann auch schon sehr viel wärmer. Das letzte war „Melrose“ und weil es auch wieder von einem großen Park umgeben war, mussten wir uns doch nochmal bewegen, um ein schönes Foto zu machen.

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Gegen halb zwei verließen wir Natchez auf dem Highway 61 Richtung Süden. Nach ca. einer Stunde sind wir gen Westen auf den Highway 66 abgebogen und durch Wald und Wiesen an Kühen und Pferden vorbei bis zur „Greenwood Plantation“ gefahren. Das war Highlight Nummer 2. Wir waren neben einem Seniorenpaar aus Missouri und einer Brautgesellschaft wieder die einzigen Besucher. Die wirklich sehr hübsche Braut ließ dort ihre Hochzeitsfotos machen. Kein Wunder bei dieser Kulisse. Das Ehepaar war fast fertig mit der Besichtigung und musste uns natürlich auch nochmal erzählen, dass sie vor langer Zeit mal in Deutschland waren, wo genau konnte man uns aber nicht mehr sagen. Hmm. In Moskau waren sie noch…als es noch sicher war. Andrea und ich bekamen für 8 Dollar also eine Solo-Führung, auch nicht schlecht. Die Führerin war endlich mal leicht verständlich und hat uns allerlei Geschichten erzählt, inklusive Fotos angucken. Die Plantage dürfte „Fackeln im Sturm“- Guckern als „Resolute“, die Plantage von Justin La Motte bekannt sein. Der war ein Arsch, aber seine Hütte schon cool. Die Plantage wurde um 1830 erbaut und umfasste ca. 12.000 m³. Um 1850 war sie auf fast 50.000 m³ angewachsen. Wahnsinn! Hauptsächlich wurde Baumwolle angepflanzt und die Besitzer hatten 750 Sklaven. Dramatisch war, dass der Bürgerkrieg die Plantage teilweise zerstörte. 1915 baute die Familie Percy die Plantage wieder auf und 1960 brannte ein Feuer das gesamte Anwesen nieder. Nur die von Sklaven in mühsamer Handarbeit gefertigten Säulen standen noch. Acht Jahre später erwarb Walton Barnes das Gründstück mit ca. 1200 m³ und fing mit seinem Sohn Richard an, das Haus wieder aufzubauen. 1984 wurde sie dann fertiggestellt. Die Führerin erzählte, dass die Eigentümer nach dem Bürgerkrieg plötzlich hilflos da standen. Es waren keine Sklaven mehr da und plötzlich mussten sie alles selbst machen. Tja, dumm gelaufen. Wir konnten dann allein durch die ganzen Räume schlendern und mussten lediglich aufpassen, dass wir dem Brautfotografen nicht ins Bild rannten. Wir hatten die Filmszenen vor Augen, das war schon toll. Insgesamt wurden laut Führerin dort schon 11 Filme gedreht, u.a. „GI Joe 2“. Die Räume waren sehr schick und gemütlich eingerichtet. Ja, da konnte man es aushalten. Draußen im riesigen Park gab es noch einen See. Davor war eine weiße Hängeschaukel, auf der wir noch ein wenig verweilten. Ach war das herrlich. Hier hätten wir gerne übernachtet, denn auf der anderen Seite des kleinen Sees waren Bed & Breakfast – Unterkünfte mit Blick auf den See und dem Plantagenhaus. Es war so idyllisch, dass wir uns kaum losreißen konnten. Die angehende Abendsonne zauberte ein herrliches Licht.

Langsam lösten wir uns von dem traumhaften Anblick und fuhren weiter nach Baton Rouge, der Hauptstadt Louisianas, wo wir gegen halb sechs an unserem vorgbuchten Best Western Chateau Louisianne ankamen. Ach war das ein schickes Hotel. Es war der gleiche französisch angehauchte Baustil wie unser La Quinta in Atlanta, nur sehr viel eleganter und liebevoller gestaltet. Ja, hier wollten wir bleiben!

Denkste! Nix war’s. Keine Räume mehr frei. Die Dame von der Rezeption wusste gleich wer wir sind und meinte, dass uns doch Expedia schon versucht hat anzurufen. What??? *schock* Nach einer wilden Umhertelefoniererei mit dem Herrn von Expedia bekamen wir ein neues Hotel zugeteilt. Ich habe den so schlecht verstanden. Auf englisch telefonieren ist echt nicht meins. Noch dazu war die Akustik miserabel, wie ein Megafon. Aber immerhin entschuldigte er sich und versprach ein höherwertigeres Hotel herauszusuchen. Das ist ja wohl das mindeste! Statt 2 Sterne, sollten wir jetzt 3 Sterne bekommen und das ist in den USA schon ein erheblicher Unterschied. Oh man, wir hatten so einen Hunger und dann das! Ein herrlicher Tag kann ja nicht einfach mal problemlos zu Ende gehen. Nö! Er schwankte dann zwischen Comfort Suites und einem anderen Best Western. Ich sagte dann „the better one, please“ und die Dame von der Rezeption gab alles und unterstützte mich am Telefon. So kam es, dass wir eine Reservierung für das Best Western Plus Richmond Inn & Suites sowie eine Erstattung von 25 Dollars für die Unannehmlichkeiten erhielten. Aha. Wir beteten, dass es wirklich ein gutes Hotel ist. Wir bekamen netterweise noch eine Route ausgedruckt und schleppten unser Gepäck wieder zum Auto.

5-10 Minuten später standen wir vorm neuen Hotel…in einer echten Luxusgegend. Schon allein der Gang in die Lobby war ein Highlight. Oha! Und das Zimmer…klasse! Andrea meinte dann schon, dass uns das ruhig öfter passieren könnte. Die haben hier sogar richtige Daunenbettdecken anstatt diese üblichen Laken und Wolldecken. Und einen Flatscreen und einen traumhaften Pool (von dem man ja leider nichts hat, wenn man nur zum Übernachten hier ist). Wir haben vorhin gleich mal gegoogelt und die Übernachtung hätte uns normalerweise 129 Dollar gekostet. Wir bezahlen nun 45 Dollar!!! Hihi, war der Schlamassel doch noch mal gut gegangen. Aber es ist doch zum verrückt werden. Immer ist irgendwas. Naja.

Da uns die Mägen in den Kniekehlen hingen, mussten wir nochmal los. Es musste schnell gehen, also waren wir bei Burger King, jeder ein Menü für knapp 6 Dollar und Andrea gönnte sich noch ein Dessert. Auf dem Rückweg hörten wir ganz laut „unseren“ Südstaatenreise-Song und sangen kräftig mit: „Jolene“ von Dolly Parton! Wer hätte auch gedacht, dass wir hier zu Dolly-Fans mutieren? So, das war es für heute. Reicht ja auch wohl. Jetzt geht es in die tollen weichen hohen schneeweißen Betten. Vorhin lief der Film „Wasser für die Elefanten“, ein klasse Film, muss ich nochmal auf Deutsch sehen. Gute Nacht, ihr Lieben.

2 Kommentare zu „Natchez (Mississippi) – Baton Rouge (Louisiana)

  1. Hallo Ihr beiden,
    Wie versprochen habe ich die Zeit im Zug genutzt, um mich reisetechnisch auf den letzten Stand zu bringen. Bin übrigens gerade durch Kassel gefahren (08:20 Uhr) und sehe mir die Bilder an (so Gut es mit einem Telefon geht )
    Nach allem was ich so gelesen habe, vermute ich das Du einen DukatenEsel gefunden hast.
    Den halte in Eheren und bring ihn am Ende der Reise mit nach hause!!! (hoffentlich darf man aus dem tollen Land Esel ausführen, bei Äpfeln gibt es da nämlich Probleme)
    Nun Scherz bei Seite, ich weiterhin viel Spaß.
    Hab Dich lieb mein Schatz.
    Gruß an Andrea.
    Dein Tobias

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