Europa · Polen

Krakau – anders als geplant

Ich sitze gerade in einer wunderschönen Unterkunft auf der Terrasse direkt an der Donau und denke mir, dass es wohl nicht viel schönere Orte geben kann, an denen man seit Jahren mal wieder einen Reiseblogeintrag schreiben sollte. Mein Blick schweift hinüber ans andere Flussufer, dass zu Serbien gehört. Dort ist die Tabula Traiana zu sehen. Kaiser Trajan ließ hier 102 n. Chr. die für 1000 Jahre lang längste Brücke der Welt (1097 m) bauen und setzte ihr mit dieser Tafel ein Denkmal. Aber was erzähle ich da – ich bin ja schon mitten drin in der Reise. Also zurück zum Anfang.

Am 8. Mai 2026, am Tag der Befreiung, ging es gegen Mittag für uns los in Richtung Krakau. Unser erster Stop auf einem langen Roadtrip durch Osteuropa. Krakau’s Nähe zur Strecke gen Süden brachte mich auf die Idee, endlich einmal das KZ Auschwitz-Birkenau zu besuchen. Ich war schon mehrfach in Buchenwald oder im Mittelbau Dora bei Nordhausen, aber Auschwitz ist sicher nochmal eine ganz andere Hausnummer. Leider blieb uns der Besuch jedoch verwehrt. Ben schaute noch auf der Hinfahrt nach Tickets für den nächsten Tag, doch es war nichts zu machen – alles ausgebucht! Für Sonntag hätten wir morgens noch Tickets bekommen, aber da mussten wir ja schon weiter. Aufgrund der Größe des Geländes und der Tatsache, dass keine Ferien oder Feiertage sind, wäre ich nie auf den Gedanken gekommen, dass es keine Tickets mehr geben würde. Nun ja, Lehrgeld bezahlt. Nächstes Mal.

Die Fahrt verlief sehr gut. Im Prinzip ging es von Berlin aus immer nur geradeaus und in Polen war die Autobahn wie leer gefegt. So kam es, dass wir innerhalb von sechs Stunden in unserem Hotel Convictus Craiova (96€ pro Nacht inkl. Frühstück) in Krakau waren. Sowohl das Zimmer als auch das Frühstück sind sehr zu empfehlen.

Auch die Lage ist super, da es nur 50 m zur nächsten Tram-Haltestelle sind, die uns direkt zum Marktplatz brachte. Die Tickets sind einfach zu kaufen, da man auf Deutsch umschalten kann. Wir nutzten allerdings die App und haben die Tickets online gelöst.

Am nächsten Morgen sind wir also in die Krakauer Altstadt anstatt nach Auschwitz. Das Salzbergwerk Wieliczka oder die Schindler-Fabrik wären noch Alternativen gewesen, aber da wir die Stadt noch nicht kennen, haben wir es ruhig angehen lassen und uns den Tag nur für die Altstadt freigehalten. Wir sind zuerst zum Marktplatz und haben dort ein paar Runden gedreht.

Einen kurzen Blick haben wir in die Marienkirche erhascht, allerdings war es im Vorraum so voll, dass wir gleich wieder raus sind. Das Prinzip, wonach Besucher (oder nur Betende?) eingelassen wurden, hat sich uns nicht erschlossen. Aber dieser kurze Blick war wirklich beeindruckend. Ein wunderschönes Kirchenschiff!

Danach sind wir zur Platzmitte, da dort bei den Markthallen der Eingang zum Museum des unterirdischen Marktes sein sollte. War er auch, die Tickets aber musste man auf der anderen Seite des Gebäudes in einem kleinen Büro kaufen. Der Eintritt kostete ca. 10,50€ p.P. und man musste einen Time-Slot angeben. Wir wollten sofort rein. Gesagt getan.

Etwa zwei Etagen tiefer waren wir dann in einem zum Teil immersiven unterirdischen Museum zur Stadtgeschichte Krakaus mit frei gelegten Straßen und Gebäuden aus dem Mittelalter. Hier waren Handwerkshütten (z.B. Schmiede), Fuhrwerke, alte Gerätschaften und gepflasterte Wege zu sehen, die durch Ausgrabungen freigelegt wurden. An den digitalen Touchscreens war auch alles in Deutsch nachzulesen. Das Klima war angenehm – im Hochsommer sicher eine willkommene Abkühlung. Der Markt ist irgendwann vollständig abgebrannt und wir gehen davon aus, dass man einfach auf die Ruinen drauf gebaut hat und der heutige Marktplatz dadurch über die Jahre immer weiter nach oben gelangt ist.

Danach musste ein Käffchen her. Oder ein Eis. Unser Kollege Patrick hat uns das Café Wedel am Marktplatz ans Herz gelegt, also sind wir direkt dorthin. Mir kam es gleich so bekannt vor, als ich in die Karte geschaut habe und ich erinnerte mich daran, dass ich mit Vanessa im polnischen Posen letztes Jahr in genau dem gleichen Café war. Eigentlich ist es eher eine Chocolaterie. Allein beim Anschauen der Karte hatte ich drei Kilo mehr auf den Rippen. 😉

Nachdem eine Pro-EU-Demo vorbeigezogen war, sind wir wieder los. Noch eine Runde um den Marktplatz, ein paar Street-Dancern zugeschaut und dann in die angeblich so beeindruckende Florianska-Straße.

Die Florianska hat viele Geschäfte und ja, auch hier und da ein paar sehr schöne Häuser, aber warum sie jetzt in Google extra hervorgehoben wurde, haben wir nicht verstanden. Vielleicht waren die Bewertenden vorher im House of Illusions oder aber im Cannabis-Shop direkt daneben. 🙂

Das Florianstor hingegen war wiederum sehr schön. Hier gelangt man hinaus aus der ehemals eingemauerten Altstadt und kommt in einen Park, der ringsum der Stadtmauer folgt. Ein hübsches Kleinod, das zum Verweilen einlädt.

Wir spazierten durch den Park und schlugen an anderer Stelle den Weg zurück zum Marktplatz ein. Hunger machte sich bemerkbar. Vorbei an mehreren Universitätsgebäuden und einem hübschen Campus liefen wir in einem großen Bogen zurück zur Florianska, um dort in einem Piroggi-Lokal einzukehren.

Ich habe das erste Mal Piroggi in Posen gegessen und fand die damals eigentlich ganz gut. Auch hier in dem Lokal schmeckten sie ausgezeichnet. Leider konnte man die verschiedenen Sorten immer nur in einem 8er Paket bestellen, was tatsächlich viel zu viel war (ca. 15€ inkl. Softdrink). Ich hatte welche mit Ziegenkäse und Spinat, was mir schon nach dem 4. Stück geschmacklich zu viel im Mund war. Einen Mix aus mehreren verschiedenen hätten wir bevorzugt. Aber nichtsdestotrotz waren sie sehr lecker und satt wurden wir logischerweise auch. Außerdem war das Ambiente äußerst traditionell und gemütlich.

Wir fuhren mit der Tram die Hälfte der Strecke, also ca. 15 Minuten, zurück in Richtung Hotel und stiegen an der Weichsel aus. Von dort hatte man einen wunderschönen Blick auf die Burg Wawel und per Handy-Zoom konnten wir sogar den Wawel-Drachen Feuer speien sehen, der am Fuß der Burg das Gelände bewacht.

Wir spazierten bin zu einem kleinen Freizeitpark und ich entschloss mich kurzerhand dazu, meine Angst zu überwinden und zum ersten Mal so ein hohes Riesenrad zu besteigen (9,50€ p.P.). Ich glaube, ich war das letzte Mal als Teenager in einem Riesenrad und damals waren die bedeutend kleiner. Ich erinnere mich noch dunkel, dass ich vor vielen Jahren im Prater-Rad war, aber die meiste Zeit auf der Bank in der Mitte der Gondel saß und mir die Augen zugehalten habe. 🙂 Schade ums Geld, aber ich hatte einfach zu viel Höhenangst. Nun ja, ich nehme es vorweg…die erste der drei Runden war es genauso, getreu dem Motto: Augen zu und durch. Aber dann wurde es besser und ich konnte auch ein paar Fotos machen. Nur direkt nach unten sehen hat nicht geklappt und oben auf dem Scheitelpunkt waren die Augen dann doch wieder zu.

Von oben konnte man einen herrlichen Blick auf die Wawel-Burg, die Innenstadt, das Weichsel-Ufer und das Kongresszentrum bestaunen. Die Aussicht war wirklich fantastisch, dennoch war ich glücklich, nach drei Runden wieder festen Boden unter meinen Füßen zu haben. Höhenangst ist echt ätzend.

Wir fuhren mit der Tram zurück zum Hotel und kauften noch im direkt danebenliegenden Kaufland ein bisschen was für den Abend und die morgige Fahrt ein. Den Tag ließen wir gemütlich in unserem hübschen japanisch anmutenden Zimmer mit Netflix ausklingen.

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