Australien · South Australia

Mt. Ive Station – South Australias Outback mit Lake Gairdner

Tag 5: Majestic Oasis Apartments – so hieß unsere Unterkunft am Spencer Golf in Port Augusta. Für den Preis von 96,-€ war es allerdings nicht sehr majestätisch. Länger würde ich hier nicht verweilen wollen, obwohl es sogar einen kleinen Pool gab. Am Abend wurde die Gegend etwas gruselig und am Supermarkt um die Ecke wurden wir von vermutlich alkoholisierten Aborigines abgecheckt, die Tobi sogar hinterher liefen, als sie an sein kostbares Bier wollten. Da hat er aber die Beine in die Hand genommen, haha. Am Morgen ging ich mit Mika nochmal hinter das Haus auf den Spielplatz, wo wir Rennpferden beim Schwimmen in der Bucht zusahen.

Nach einem letzten größeren Einkauf starteten wir ins Outback. Wir fuhren auf den National Highway 1 (‚Eyre Highway‘), der 2246 km nach Westen bis nach Perth führt. Wir fuhren ihn allerdings nur knapp 70 km bis Iron Knob entlang, wo wir dann auf eine Schotterpiste nach Nordwesten ins Nirgendwo abbogen. Wir stoppten kurz vor dem Tor der alten Eisenerz-Hütte, die erstmals 1899 in Betrieb genommen wurde. Gründer war übrigens ein Deutscher aus Minden: Ernst Siekmann. Seit 1998 verkommt Iron Knob zur Geisterstadt, wird aber zunehmend vom Bergbau-Tourismus wieder belebt.

Nun aber los! Auf ins Outback! Viel zu sagen gibt es dazu eigentlich nicht. Dort ist ja nichts, außer roter Sand, Salzbüschel, hier und da ein paar Bäume und Sträucher. Aber dennoch einfach TRAUMHAFT SCHÖN! An den Farben kann ich mich nicht satt sehen!

Ach halt! Na klar gibt es da noch mehr! Natürlich Kängurus! Sie endlich mal live zu sehen – das hat schon was. Lustige Tiere sind das! Diese hier waren bestimmt 1,70 m groß. Dann die Kaninchenkopfform, die kurzen Vorderbeine, der lange Schwanz und ganz zu schweigen vom Beutel. Wusstet ihr das die Weibchen zwei Uteri und zwei Vaginen haben? Also ich nicht!

Irgendwann gegen 13:30 Uhr erreichten wir dann endlich die Mt. Ive Station, eine riesige Schaffarm im Herzen der Gawler Ranges, am südlichen Ende des Lake Gairdner, dem viertgrößten Salzsee Australiens. An der noch ungefähr 10 km entfernten Zufahrt trafen wir auf ein altes U-Boot. Weiß der Teufel, wer das hierher gebracht hat und warum. Wir haben vergessen, zu fragen, was es damit auf sich hat.

Ich hatte im Vorfeld einige Male mit Linda gemailt, da man die Farm nur auf diesem Wege buchen kann. Ich hatte uns ein rustikales Zimmer in den alten Scherer-Hütten gemietet. Das war von allen Varianten noch die komfortabelste. Fotos gibt es keine, nur so viel: wir haben vorsichtshalber im Moskitozelt geschlafen.

Wir ruhten uns eine Weile aus und entschieden uns dann, doch noch heute die Highlights der Umgebung zu erkunden. Ich besorgte uns den Schlüssel zum Gate, blechte die Zutrittsgebühr von 30 AUD und dann starteten wir gegen 15 Uhr zum Lake Gairdner. Wir passierten den Old Dog Fence, den über 5000 km langen Maschendraht-Zaun, der die Schafweiden im Südosten Australiens vor Raubtieren, hauptsächlich Dingos (Wildhunde) und Füchsen, schützen soll. Er ist der längste ununterbrochene Zaun und somit das längste ‚Bauwerk‘ der Welt. Das zweite Tor auf der Strecke stand offen und die Strecke war insgesamt ziemlich sandig. Ein Vierertrupp Emu’s kreuzte unseren Weg. Ein Auto oder gar menschliches Leben allerdings nicht.

Am Lake Gairdner waren wir vollkommen auf uns allein gestellt. Niemand da. Nein halt, das stimmt nicht! Millionen Buschfliegen waren schon vor uns da! In keinem meiner Reiseführer oder Rechercheartikel wurde ich vor diesen Viechern gewarnt. Ja ok, Fliegen wurden mal erwähnt, aber das was uns dort erwartete kann man nicht mit Worten beschreiben. Halleluja! So etwas haben wir noch nicht erlebt. Im Sturzflug versuchen sie unglaublich penetrant in unsere Körperöffnungen hineinzufliegen um uns unsere eiweißhaltigen Flüssigkeiten auszusaugen. Nichts ist sicher: kein Mundwinkel, kein Nasen- oder Ohrloch und ganz sicher nicht die Augen! Sie krallen sich an den Wimpern fest und lassen erst bei Handberührung von dir ab. Von den giftigen australischen Tieren, vor denen jeder warnt, haben wir kein einziges gesehen. Dabei liegt die wirkliche Gefahr im Busch in der Luft! Ein Entkommen ist unmöglich! Irgendwo weiter draußen auf dem See hatte ich in Spitzenzeiten schätzungsweise 70 Fliegen auf mir sitzen. Absolut abartig!

Was tut man nicht alles für ein gutes Foto? Gut vorbereitet, wie ich bin, hatte ich uns Fliegennetze für den Kopf besorgt. Natürlich nicht damit rechnend, dass ich sie in diesem Ausmaß nutzen muss. Und wer sich jetzt fragt, warum sie auf den Fotos nicht zu sehen sind: dank Photoshop ist mir virtuell das gelungen, was mir im Real Life versagt blieb. Ich habe sie gnadenlos ausradiert! Ich will nicht zeitlebens an diese schwarze Höllenbrut erinnert werden! Mika’s Gesicht und unser unteres Double Shoot sollte aber Anzeichen für den Wahrheitsgehalt meiner Aussagen liefern.

Nun aber zum See: Wahnsinn, wie groß der ist. An bestimmten Stellen ist kein Horizont auszumachen. Und weiß wie Schnee! Unglaublich, diese Weite! Im Kontrast mit dem roten Basaltgestein und dem strahlend blauen Himmel liegt hier ein Motiv zu Füßen, das seinesgleichen sucht.

Nachdem wir es nicht mehr aushalten konnten, flüchteten wir so schnell es ging ins Auto. Wir waren mittlerweile firm darin, die versehentlich eingezogenen Viecher wieder aus dem Auto zu befördern. Aber es blieb dennoch nervig. Die 35 Grad im Schatten (welcher Schatten?) taten ihr Übriges. Auf dem Rückweg ärgerten wir nochmal das Emu-Quartett, indem wir sie in ihrer Ruhe störten.

Der nächste Abzweig von der großen Sandpiste führte uns auf einen 4WD-Track. Hatten wir nicht, aber der 2×2 SUV hat trotzdem tapfer durchgehalten. Auch wenn er zwischenzeitlich an seine Grenzen kam und wir stecken geblieben sind. Nachdem ich aber etwas Geröll per Hand beseitigt und die Strecke begradigt hatte, konnte die Tour weitergehen. Zu sehen gab es am Ende eine 1892 erbaute Staumauer. Nett, aber nichts besonderes.

Der zweite Abzweig brachte uns zu den Organ Pipes. Nicht diejenigen, für die die Gawler Ranges berühmt sind, aber auch ganz nett. Da wir für den steinigen Weg nicht ausreichend schuhgerüstet waren, beließen wir es dabei, sie von Weitem zu bestaunen. Die Fahrt dorthin war aber schon spektakulär genug: auch hier wieder ein 4WD Track.

Die Nachmittagssonne tauchte die umliegende trostlose Landschaft in fantastisches Licht. Wir nahmen die Beine in die Hand und sahen zu, dass wir vor Einbruch der Dunkelheit wieder auf der Farm waren.

Uns erwartete auf dem Rückweg und dann auch auf der Farm ein fantastischer Sonnenuntergang. Aber die Fliegen, Leute, die FLIEGEN!

Wir nutzten die Gemeinschaftsküche und den Aufenthaltsraum, um noch eine Kleinigkeit zu essen und Tischtennis zu spielen. Danach verschwanden wir in unser Zelt.

PS: Im Übrigen war mir der berühmte australische Outback-Sternenhimmel dank des Fast-Vollmondes nicht gegönnt. Nix mit Milchstraße knipsen, Stativ umsonst mitgeschleppt. Nun ja, ein anderes Mal vielleicht. Muss ich eben nochmal wiederkommen. Dann aber bei Neumond!

2 Kommentare zu „Mt. Ive Station – South Australias Outback mit Lake Gairdner

  1. @ Aborigines: das überrascht mich jetzt ein wenig. Ich hatte sie als eher scheu und nicht an Kontakt interessiert wahrgenommen. Auch in alkoholisiertem Zustand (sie, nicht ich ..). @ Outback: ja, man muss es erst mit eigenen Augen gesehen haben, um wirklich zu begreifen, wie schön so viel Kargheit sein kann 😍. @ doppelte Weiblichkeit der Kängurus: das wusste ich in der Tat auch nicht! @ U-Boot: das ist ja echt der Knaller 😂! Und sehr fotogen vor dem knalligen Rot der Outback-Erde. @ Fliegen: ja, die sind an Penetranz nicht zu überbieten! Ich bin in den betroffenen Gegenden auch nur mit dem schicken Netz über der Rübe herumgelaufen 😅. Doch die fantastischen Fotomotive, die dir dann vor der Linse lagen, waren es doch wahrlich wert, dafür die Unannehmlichkeiten in Kauf zu nehmen, oder? Die Fotos sind ja auch echt klasse geworden. @ Nachmittagslicht: dieser Himmel, dieses Licht, dieses Farbenspiel! I ❤️Australia! @ Vollmond: da ereilte dich ja leider das gleiche Schicksal wie mich in der Wüste Omans. Next time!

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