Guatemala · Lateinamerika

Tikal

Tag 4: Auf unserem gestrigen Spaziergang durch Flores kamen wir wieder an der Agentur vorbei, bei der wir am Abend zuvor abgesetzt wurden. Da uns der Preis für den Transport  nach Tikal und zurück mit 90 Quetzals ganz günstig erschien, buchten wir kurzerhand unsere Tour für den heutigen Morgen. Wir nahmen nicht die Sunrise Tour, da es 1. immer einigermaßen bewölkt war, 2. die Tour bereits um 3 Uhr nachts los gehen sollte und 3. sie gleich 100 Quetzals teurer war. Wir entschieden uns daher für eine Tour später und sollten uns ab 4 Uhr bereit halten. Kurz vor 4 Uhr waren wir also unten im stockdunklen Foyer unseres Hotels. Geckos, die sich durch uns in ihrem Schlaf gestört fühlten, flitzten vor uns davon und aus dem Nichts erschien plötzlich ein Portier und brachte uns unsere Lunch-Boxen, die wir am Abend vorher bestellt hatten. Die Straßen waren schwarz wie die Nacht und natürlich verlassen. Ein bisschen gruselig war das schon. Eine halbe Stunde später wurden wir langsam unruhig, aber dann nochmal 15 Minuten später erschien endlich unser Minibus. Was für eine  Klapperkiste! Und natürlich schon fast voll. Christiane musste vor zum Fahrer klettern und saß auf einem mittleren Notsitz ohne Fußraum. Ich nahm im hinteren Gang platz – ebenfalls auf einem Notsitz, der ziemlich unbequem war, da die Rückenlehne nur halb so hoch war wie normal.

Nach einer knapp einstündigen rasanten Fahrt waren wir dann vor den Toren Tikals. Während die anderen Insassen ihre Tickets kauften, lauschten wir dem Gebrüll der Brüllaffen. Es war sehr still und man konnte vielerlei Dschungelgeräusche wahrnehmen. Die Brüllaffen übertönten allerdings alles. Coole Viecher!

Nochmal 17 km weiter war dann der Parkplatz erreicht und unser Guide Louis führte uns zum Eingang. Schon dort waren zahlreiche laut schnatternde Papageien auszumachen und auch pfauenähnliche Vögel schreiteten genüsslich über den noch sehr leeren Parkplatz.

Ich drohte Christiane schon vorher an, dass ich wahrscheinlich nicht lange bei der Gruppe bleiben würde und so kam es dann auch. Dieses Marschieren in einer Herde ist einfach nichts für mich, auch wenn es natürlich viel informativer ist. Es war auch jetzt schon ziemlich heiß und der Weg zum ersten Tempel lang und anstrengend. Man muss zunächst knapp 1,5 km auf einem breiten Schotterweg, an einem Ceiba-Baum vorbei und über einige Stufen und Rastplätze laufen, bis man die imposante Gran Plaza erreicht.

Mir war warm und ich brauchte mein eigenes Tempo, um auch mal allein in den erwachenden Dschungel hineinzulauschen, also ließ ich mich zurückfallen und machte auf einem vollkommen leeren Rastplatz ein Päuschen, um mein Sandwich zu essen.

Die Gruppe war dann natürlich weg. An der Plaza Este nahm ich den falschen Abzweig, wie ich später feststellen musste, und kraxelte einen steilen Schotterweg hoch. Vorbei an ein paar Höhleneingängen näherte ich mich offensichtlich von hinten einem Tempel. Am Rücken des Bauwerks führte ein schmaler Trampelpfad sehr steil nach oben. Da ich nicht umkehren wollte, blieb mir keine andere Wahl als hochzuklettern. Meine Fresse, war das anstrengend. Mit hochrotem Kopf und laut schnaubend erreichte ich den Gipfel und war erschlagen von dem Anblick, der sich mir dort oben bot. Wahnsinn! Ich stand auf der nördlichen Akropolis und vor mir breitete sich die Gran Plaza mit den beiden flankierenden Tempeln I und II aus.

So ein Bild sieht man nicht alle Tage und daher setzte ich mich auf eine Stufe und genoss erstmal die Einsamkeit dort oben. Diese Ruhe hielt nur kurz, da einige Minuten später eine kleine Reisegruppe zu mir stieß. Ich nutzte die Gelegenheit und ließ mich auf den Speicherchip brennen.

Oh und siehe da! Unten in der Mitte der Plaza stand meine Gruppe und lauschte den Erklärungen von Louis. Ich machte mich bemerkbar, sodass Christiane meinen steilen Aufstieg ebenfalls bildlich festhalten konnte (Foto folgt später). Ich kletterte rücklings die hohen Stufen der Akropolis hinunter und führte meinen Weg alleine fort. Auf dem Weg begegnete ich hin und wieder meinem Freund, den Nasenbär. So süß!

Auf dem Rastplatz von Tempel IV verspeiste ich dann meinen Apfel und wartete auf meine Gruppe, die aber auch nach 20 Minuten immer noch nicht auftauchte. Dafür kam die mir bereits bekannte kleinere Gruppe entgegen und ich erfuhr von deren Guide, dass die heutigen 38 Grad für einheimische Verhältnisse relativ wenig sind. Er berichtete, dass noch vor 3 Tagen und den gesamten Monat davor stets 45 Grad herrschten. Ich entgegnete, dass ich in Deutschland bei 15 Grad losgefahren bin, ließ mich aber gerne von den Kanadiern toppen, die ihren Urlaub noch bei Schnee angetreten hatten.

Ich lief weiter und plante, zurück zur Gran Plaza zu laufen und dort auf Christiane zu warten. Allerdings kam es anders und ich verlief mich. Schilder gab es nämlich fast keine.

Es ist schon faszinierend, wenn man so durch den grünen Dschungel läuft und plötzlich eine gigantische Pyramide vor einem emporragt. So erging es mir mit dem Mundo Perdido, einem trapezförmigen Tempel, der von den Maya zu astronomischen Zwecken genutzt wurde. An einer Seite führen hunderte steile Stufen hinauf zu einer Plattform, die einen unbezahlbaren 360-Grad-Blick auf den umliegenden Dschungel und die aus ihm herausragenden Tempelspitzen bietet. Meine Gruppe war gerade oben, denn unten wartete Louis, mit dem ich mich dann etwas unterhielt.

Als alle wieder unten und total begeistert waren, entschied ich schweren Herzens, dass ich mir den Aufstieg wohl auch antun musste. Also nichts wie hoch! Und oben angekommen war ich ebenfalls sprachlos. WOW, was für ein Anblick! Ich war allein auf der Plattform und blieb eine ganze Weile dort oben sitzen.

Auf meinem geplanten Rückweg zur Gran Plaza verlief ich mich wieder und lief in die entgegengesetzte Richtung, bis ich wieder am hintersten Rand der Maya-Stätte war. Aber so kam ich unfreiwillig noch an dem wunderschönen einsamen Tempel V und einigen anderen guterhaltenen Maya-Ruinen vorbei.

Es war mittlerweile schon brütend heiß in der Sonne und ich hatte genug. Doch der Weg zog sich! Hier und da nochmal ein Nasenbär und die sonnige Gran Plaza, auf der sich alle unter schattenspendende Bäume retteten.

Dann der lange Weg zurück, an dessen Ende mich aber ein Restaurant, eine eiskalte Cola und Schatten erwarteten. Punkt 11 Uhr war ich zurück und wartete auf die anderen. Um 12:30 Uhr fuhr unser Bus zurück nach Flores. Dieses Mal hatten wir auch Glück und mussten nicht auf den Notsitzen Platz nehmen.

Wir ließen diesen unvergesslichen Tag mit viel Pool-Time und einem Dinner mit relativ schönem Sonnenuntergang ausklingen, bevor es wieder unwetterartig aus allen Wolken schüttete.

2 Kommentare zu „Tikal

  1. Da haben sie euch ja ganz schön eingepfercht in dem Bus. Zum Glück war die Fahrt nicht so lang. Der bunte Vogel auf dem Parkplatz anfangs sieht toll aus! Der Nasenbär gefällt mir allerdings noch einen Tick besser 😎. Die Tempelanlage is sehr beeindruckend! Da hat sich das schweißtreibende Gekraxel doch wirklich gelohnt. Tja, das Verlaufen und Umwege gehen ist halt bisweilen der Preis dafür, frei und individuell durch die Gegend zu gondeln. Kommt mir sehr bekannt vor 😅.

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