Asien · Reisen · Türkei

Tag 4: Istanbul – Galata-Turm, Chora-Kirche

Heute war der Start in den Tag etwas verkorkst. Ich bin um 6 Uhr aufgewacht und sah den kleinen Mann ohne Bettdecke da liegen, also habe ich ihn zu uns ins Bett geholt. Großer Fehler! Ab da war Halligalli im Bett angesagt. Wir gammelten noch bis um 8 Uhr rum und gingen frühstücken. Unsere nette Köchin war heute nicht da. Danach hatte Mika schon erste Müdigkeitsanzeichen und wir überlegten, was man nun kurzes anstellen könnte, bis zu seinem Mittagschlaf. Also gingen wir zur Tünel, der zweitältesten U-Bahn der Welt, und fuhren die eine Station den Berg hinauf. Es ist eine Art Standseilbahn und sie soll dabei 62 Höhenmeter überwinden…es war in der Tat ganz schön steil. Oben angekommen schlenderten wir ein Stück die Istiklal Caddesi entlang, die Prachtstraße von Beyoglu, die in eine Fußgängerzone umgewandelt wurde und auf der nur noch die alte Tram fährt (naja und die zig Anlieger). Die Straßenbahn erinnerte mich an die in San Francisco und New Orleans. Ich mag diese alten Dinger ja. Ansonsten fand ich die Straße eher unspektakulär. Klar, ein paar schöne Häuser im Jugendstil und viele Geschäfte, für mich als Shoppingmuffel aber eher langweilig. Die Straße geht bis zum Taksim-Platz, aber das taten wir uns heute nicht an. Wir kehrten um und gingen einen Teil des Berges hinab. Durch Zufall landeten wir dann auch direkt vorm Galata-Turm. Das Wetter war eigentlich nicht so gut dafür geeignet, um auf einen Aussichtsturm zu steigen (es war diesig und bewölkt), andererseits waren daher kaum Menschen im und auf dem Turm. Wir entschieden uns daher doch dafür, hochzufahren. Gott sei Dank gibt es dort zwei Fahrstühle. Den Eintritt mit jeweils 25 TL pro Erwachsener finde ich etwas überzogen, aber die Aussicht lohnt sich doch schon irgendwie. Die letzten zwei Etagen muss man auf einer sehr schmalen Wendeltreppe erklimmen, die man sich auch noch mit dem Gegenverkehr teilen muss. Der Buggy musste daher beim Lift bleiben. Oben angekommen, setzten wir uns erstmal und bestellten was zu trinken. Tobi einen Kaffee und ich das Nationalgetränk Ayran – ein buttermilchähnlicher Joghurtdrink. Muss ich nicht nochmal haben. Für Mika bestellte ich eine Art Gebäck, was aber auch eher mäßig schmeckte und somit mehr auf dem Boden landete als im Mund. Man konnte dann raus auf einen schmalen Rundweg treten und einmal um den Turm rumgehen. Der Weg war ganz leicht abschüssig zum Rand hin und mir wurden nach ein paar Schritten die Knie weich. Ich bin echt eine Lusche was Höhe angeht. Also schickte ich Tobi mit der Kamera einmal rum und bestaunte die grandiose Aussicht von innen durch die vielen Fenster. Hier wird einem erst richtig klar, welche Ausmaße die Stadt besitzt. Danach ging es wieder bergab und oh siehe da…die Sonne kam heraus und die Sicht wurde besser. Ich liebe es! Woran liegt sowas? Egal. Nicht ärgern, sondern weitergehen. Wir liefen den Berg durch süße kleine Kopfsteinpflastergassen hinunter bis zur Tünelstation und gingen zum Hotel zurück. Es dauerte nicht lange und Mika war eingepennt. Ich auch. 🙂 Tobi ging spazieren…irgendeinen Straßenbohrer begutachten. Wir ruhten von ca. 12 bis 14 Uhr. Mika bekam danach etwas Obstbrei und dann starteten wir mit der Straßenbahn in Richtung Chora-Kirche. Wir hatten Glück. Ich bekam nach einer Station einen Platz und Tobi nach der dritten Station den Sitzplatz neben mir. Es waren insgesamt glaube 10 Stationen bis zur Tramkreuzung Topkapi. Dort stiegen wir in die T4 und fuhren noch 3 Stationen bis Edirnekapi. Wir versuchten uns zu orientieren, um herauszufinden, in welcher Richtung das Chora-Kloster liegen muss und schlugen instinktiv den richtigen Weg ein. Es war interessant, zu sehen, wie die Istanbuler so weit entfernt von den Touristenattraktionen lebten. Die Häuser waren sehr klein und oft aus Holz, aber immer mit schönen Verzierungen. Und Katzen über Katzen! Ich war ja schon in vielen Städten, aber ich habe noch niemals so viele Katzen in einer Stadt gesehen. Und die werden auch immer alle gefüttert und sehen größtenteils gepflegt aus. Echt verrückt. Auf der Istiklal Caddesi habe ich einen alten Mann sitzen sehen, der hatte ungelogen mindestens 20 Katzen um sich drumherum sitzen. Und hier nahe des Chora-Klosters beobachteten wir an der alten Stadtmauer eine Frau, die in einer Art kleinem Tempel zig Katzen gerade Futter gegeben hat. Wir gingen auch an einem Haus vorbei, dass von oben bis unten mit kleinen Mosaiken verziert war. Wirklich außergewöhnlich. Der Eintritt in die uralte kleine Chora-Kirche kostete 15 TL pro Erwachsener. Das war ok. Von außen war sie umhüllt, wahrscheinlich wegen Restaurierungsarbeiten. Innen sah man dann sofort die alten und zum Teil zerfallenen Mosaikbilder. Der ganze Innenraum war voll von Mosaiken. Goldene, bunte, glitzernde Mosaikbilder. Sie muss zu ihrer Blütezeit eine wahre Pracht gewesen sein. Der Rundgang war kurz, da sie wirklich klein ist, und wir stärkten uns gegenüber in dem kleinen Tea Garden. Die Fresh Lemonade kann ich wirklich empfehlen. Mika tapste ein bisschen umher und zog sich dabei ein Hörnchen an der Stirn zu…naja, passiert. Seine Ausbeute bei den Kellnern war heute nicht so pralle: er bekam ein Erfrischungstuch. Wir teilten uns zu Dritt noch eine Cheese-Pizza und machten uns wieder auf den Heimweg. Bei der Umsteigestation Topkapi machten wir noch eine Pause auf einem Kinderspielplatz, auf dem Mika sichtlich viel Spaß hatte. Unter Gleichgesinnten fetzt das Leben nochmal ne Runde mehr. 😉 Die Straßenbahn zurück war wahnsinnig voll, sodass wir auf die nächste warteten. Leider achteten wir nicht darauf, dass diese dann nur bis Eminönü (eine Station dahinter ist unsere Haltestelle Karaköy) fuhr und nicht nach Kabataş. Und so staunten wir nicht schlecht als wir in Eminönü plötzlich rückwärts fuhren. Ein Mann hinter uns wollte uns noch darauf hinweisen, dass wir raus müssen, aber da wir ja leider kein Türkisch können, winkten wir dankend ab. Wir stiegen also bei der nächsten Station aus und quetschten uns nach zwei erfolglosen Versuchen in eine völlig überfüllte Bahn. Die zwei Stationen haben wir aber halbwegs überstanden und landeten kurze Zeit später wohlbehalten im Hotel. Mika schlief gegen 20 Uhr ein und wir gingen noch zum Kai in ein Restaurant etwas essen. Für Tobi gab es Lamm-Köfte und für mich heute die Calamaris. Danach kaufte ich mir noch ein bisschen Baklava für morgen. Da morgen 1. Mai und damit inoffizieller Feiertag ist, werden kaum öffentliche Verkehrsmittel fahren und nur wenige Läden geöffnet haben. In den letzten Jahren gab es immer viele Demos mit Ausschreitungen in der Stadt, sodass wir uns wohl nicht so weit vom Hotel wegbewegen werden.

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