Asien · China · Reisen

Lhasa

Tag 11: Wir waren wie immer vor dem Weckruf wach. Jana’s Kopfschmerzen waren weg, aber dafür war mir nun leicht übel. Ich bin nicht mit zum Frühstück, sondern habe mir erstmal zwei Dolormin verabreicht und dann gaaanz langsam geduscht. Das Zimmer hatte eine Glaswand zu unserem sehr geräumigen Badezimmer, aber leider hatte es keine Tür, was erst etwas gewöhnungsbedürftig war. Mir war dann so übel, dass ich wirklich überlegt habe, ob ich nicht im Hotel bleibe, habe mich dann aber doch hochgerafft. Jana brachte mir Yak-Buttertee vom Frühstück mit und ich trank brav die ganze Tasse aus…soll ja helfen und ich wollte doch mit. Scheußliches Zeug! Aber ich bin nur einmal in Tibet. Um 09:00 ging’s dann los zum Kloster Drepung, ca. 8 km vor der Stadt. Eine riesige Klosteranlage, an einen Berghang gebaut. Das war schon ziemlich eindrucksvoll.

Früher lebten dort 10.000 Mönche, heute noch ca. 500-600. Nach der Durchleuchtung (natürlich!) kraxelten wir schon wieder einen scheiss Berg hoch. Ich kann keine Treppen mehr sehen!!! Ganz oben vor der ersten Kapelle habe ich gestreikt und mit Gelie verabredet, wann ich wieder am Bus sein soll. Ich habe dann meinen eigenen Streifzug durch die Klostergassen gemacht und mein eigenes Tempo gefunden.

Die Ruhe und Einsamkeit tat mir mal ganz gut. Ausserdem war ich die Attraktion für die Mönche und Pilger, die mir begegneten. Bei der Weihrauchtante (siehe auch gestrigen Beitrag) hatte ich dann ein schattiges Plätzchen gefunden.

Gegen 12:00 tauchten die anderen wieder auf…total kaputt. Ich war froh, dass ich pausiert hatte, schließlich sollten noch zwei andere Kloster besichtigt werden. Wir fuhren direkt zum ehemaligen Sommerpalast des jetzigen Dalai Lama in Lhasa, nach Norbulingka. Dort lebte der Lama bis 1959, ehe er als tibetischer Soldat verkleidet nach Indien floh.

Die Anlage ist riesig, aber glücklicherweise ebenerdig. Es gibt 4-5 Paläste und sogar einen Zoo. Dazwischen wunderschöne bunte und idyllische Gartenanlagen. Wir besichtigten u.a. das Meditationszimmer, das Schlafzimmer sowie das Audienzzimmer mit dem riesigen goldenen Thron des Dalai Lama. Auch den Platz von Heinrich Harrer, der den Lama meistens in Norbulingka unterrichtete, haben wir bestaunen können.

Nach den Besuchen der zwei Tempel machten wir 20 Min. Picknick in den Gartenanlagen.

Die Pause tat allen gut. Danach fuhren wir mit dem Bus zum Hotel zurück, wo wir 20 Min. Harmoniepause hatten. Ich hatte null Bock mehr auf Klöster oder Tempel. Irgendwann ist man immer an dem Punkt, dass man eine Reizüberflutung hat, seien sie auch noch so schön. Aber zum Jokhang wollte ich natürlich auf jeden Fall, u.a. auch, weil man von dort aus einen wundervollen Blick auf den Potala haben soll. Anschliessend ging es also zu Fuß zum Tempel, der heiligsten Stätte Tibets, der glücklicherweise gleich um die Ecke von unserem Hotel war. Aus dem Hotel raus ging es durch einen Gang und dann rechterhand 50 m und man war mitten auf dem Barkhor. Das ist einer der drei Pilgerwege in Lhasa (1,5 km). Der zweite geht um den Potala und der dritte um die alte Stadtgrenze (7,5 km). Es waren sehr viele Pilger unterwegs, die ihre Gebetsmühlen drehten und sich manchmal mitsamt ihren Gebetsketten längelang auf die Strasse warfen.

Direkt am Barkhor schaut man auf den großen Barkhor-Marktplatz und direkt dahinter auf den Jokhang Tempel. Der Tempel ist im Vergleich sehr klein, aber nicht weniger beeindruckend. Im Gegenteil, durch die überschaubare Größe hatte er meiner Meinung nach mehr Charme.

 

Von der 2. Etage (Dach) schossen wir dann etliche Fotos vom Barkhor und dem Potala. Gegen 17:00 wurde Freizeit ausgerufen. Wir schlenderten langsam über den Markt zurück und ich handelte noch eine tibetische Handtasche von 160 auf 100 Yuan herunter. Wir ruhten uns im Hotel etwas aus und 18:00 gingen wir mit den anderen zu einem Hotel nahe des Barkhor, ca. 5 Min. entfernt, zum Abendessen. Direkt daneben war das „The Summit Café“, der tibetische Starbucks, den Jana und ich uns vor der Reise schon herausgesucht hatten. Auch Gelie bestätigte, dass es dort den besten Kaffee Lhasa’s gibt. Aber bei dem straffen Programm mussten wir uns das wohl abschminken. 😦 Das Essen war wieder ganz lecker, wenn mir auch die tibetische Küche oftmals zu scharf ist. Nach dem Essen gingen wir mit Meinhard und Renate zum Supermarkt, ca. 1 km entfernt, und deckten uns mit Lebensmitteln für unseren Tagestrip zum See und unsere 33-stündige Zugfahrt nach Xian ein. Der Supermarkt überforderte uns wieder total. Er war riesig und alles auf chinesisch (klar, was sonst?). Aber auf den Packungen ist niemals nichts in lateinischen Buchstaben, aber auch gar nichts, zu lesen. Beim ärmlichen Käseregal traf ich Shuwen, die mit erzählte, dass sie vielleicht einmal im Jahr Käse ist. Gott, ich würde sterben. Aber Chinesen oder Tibeter mögen Käse nicht. Das verstehe wer will. An der Kasse gaben wir Shuwen unsere Bons zum Absetzen, aber dummerweise ließ man uns ohne Bon nicht aus dem Gebäude. Alles sehr merkwürdig hier. 😉 Zurück nahmen wir für 10 Yuan eine Fahrradrikscha, mir war schon wieder schwindelig und ich hatte etwas Herzrasen. Das mit dem vielen Trinken sind ja gute Ratschläge, aber wenn man ständig auf Tour ist und nicht weiß, wann das nächste Klo bzw. Loch kommt, dann trinkt man automatisch weniger als man sollte. Und hey, ihr wart noch nie auf einer Klostertoilette. Ich war im Drepung und werde es nie vergessen! Leider bin ich scheinbar ne Ausnahme. Am ersten Tag (Ankunft) ging’s wir wirklich gut, am zweiten ganz leichtes Kopfdrücken und am dritten war’s schon richtig übel. Irgendwie wird’s von Tag zu Tag schlimmer und ich freue mich wirklich auf Xian (gesprochen: Schian) mit normaler sauerstoffhaltiger Luft und hoffentlich mal wieder Durchschlafen. Ohne Kopfschmerztabletten hätte ich ab dem dritten Tag nichts mehr unternehmen können, obwohl man das ja nicht machen sollte, weil man dann nicht merkt, wenn die Höhenkrankheit schlimmer wird. Trotzdem, ohne ging’s nicht und die Hälfte unserer Gruppe musste welche nehmen. Zwei von uns, Andreas und Claudia, hat es richtig böse erwischt. Sie sahen am zweiten Tag (Potala) schon richtig übel aus, weil sie in der Nacht nur gebrochen hatten, kämpften sich aber durch. Das war schließlich für die meisten das Tibet-Highlight. Am Folgetag ging dann nix mehr, ein Arzt musste kommen. Sie blieben mit Shuwen im Hotel, haben Spritzen bekommen und müssten mind. 5 Std. an Sauerstoffflaschen. Am Abend ging es ihnen dann wieder soweit gut, dass sie mit zum Essen kommen und auch schon wieder Lachen konnten. Die Fahrt zum Yamdrok-See am nächsten Tag war gesichert. Allerdings geht es bis auf 4800 m hoch und ob das so gut für die Beiden ist?

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