Asien · China · Tibet

Chongqing – Lhasa

Tag 9: Heute ist es soweit, wir fliegen in das geheimnisumwobene Tibet – unser persönlicher Höhepunkt der Reise. Auch viele andere in der Gruppe machen die Reise hauptsächlich wegen dem Abstecher zum „Dach der Welt“. Seit dem 7. Jhd. ist das 3600 m hoch gelegene Lhasa Tibets Hauptstadt. Das Wahrzeichen der Stadt ist natürlich der Potala Palast, die frühere Residenz des Dalai Lama, bevor er 1959 ins Exil nach Indien fliehen musste. Tibet umfasst rd. 1,2 Millionen Quadratkilometer und hat lediglich 2,8 Millionen Tibeter.
Aber ich nehme ja schon einiges vorweg…erstmal gab’s natürlich Probleme bei der Anreise. Nicht ganz pünktlich verließen wir 07:10 das Hotel per Bus Richtung Flughafen. 08:40 sollte der Flieger gehen, das fand ich ganz sportlich! Aber mit dem Check-In und der Sicherheitskontrolle lief alles reibungslos. Nur mein Mini-Deo wurde konfisziert, weil ich damit das Flugzeug hätte in die Luft jagen können. Wir mussten in zwei Gruppen durchgehen. Inken und Horst hatten ihr Tibet-Permit ja erst einen Tag vor Abreise erhalten und mussten daher extra gebucht werden. Da nach Tibet aber nur Gruppen ab 5 Personen einreisen dürfen, wurden Jana, ich, Georg und Lilo (boah, haben wir die gefressen) mit dazugeschrieben. Alles nicht so einfach. Boarding war pünktlich und wir hatten alle hervorragende Plätze, da die Maschine nicht ganz voll war. Wenn wir im Flugzeug jetzt halbwegs zusammen sitzen, wird die Stimmung immer ausgelassener. 15 Minuten nach originärem Starttermin wurde es schon unruhig. Es endete damit, dass wir alle wieder aus der Maschine raus mussten. Und ihr glaubt nicht, was das für einen Grund hatte. Der absolute Brüller!!! Der Kofferwagenfahrer ist mit samt beladenen Anhängern gegen die Turbine der Maschine gerammt, sodass sie flugunfähig war. Hallo? Sowas hat man doch auch noch nicht erlebt. Hahaha, ein Knaller. Wir also raus, bei Starbucks einen Vanilla Latte geholt, ein bisschen im Internet gesurft und dann den Gate gewechselt. Ich glaube es war gegen 10:45, als wir eine andere Sichuan Airlines Maschine betreten haben. Die Plätze blieben gleich und so hatte ich einen schönen Fensterplatz. Der Flug ging 2,5 Stunden. Oben gab’s dann Reis mit Hühnchen. Noch gehts mit dem Reis, mal sehen, wann ich ihn nicht mehr sehen kann. Der Landeanflug in Lhasa war schon spektakulär. Die Gebirgsketten drumherum sind schon bis zu 6000 m hoch und ganz weit hinten war der Himalaya zu erkennen!

In Lhasa gelandet ging es in ein paar kurzen Schritten vom Flugzeug direkt zum Gepäckband. Der Flughafen ist echt niedlich! So winzig. Eine Passkontrolle gab’s merkwürdigerweise nicht nochmal. Dabei wollte ich doch einen Tibet-Stempel. Aber es gehört ja zu China, also auch nicht zu verwunderlich. Wir merkten sofort, dass die Luft dünn war und fast alle hatten einen sagenhaften Puls. Ich dachte, mir springt das Herz aus dem Brustkorb. Man steht, wird wieder ruhiger, geht drei Schritte und bekommt Herzrasen. Krass, was nur 70% Sauerstoffgehalt ausmachen können. Unser örtlicher Reiseleiter Gelie (tibetisch: Glück) hängte jedem von uns einen langen weißen Schal, einen Hahda, als Begrüßung um den Hals. Das bringt Glück und Reinheit. Eine wunderschöne Geste. Ein Gruppenfoto folgte. Wir haben auch erfahren, dass nur 12.000 Ausländer pro Jahr ins Land gelassen werden, Chinesen ausgenommen. Gerade in diesem Jahr sind sie echt streng. Eine Gruppe vor uns wurde die Einreise verweigert. Daher ist es also ein echtes Privileg, Tibet zu erleben. Wir freuen uns riesig.

Die Fahrt vom Flughafen nach Lhasa dauerte eine Stunde und verging total schnell. Wir benutzten die einzige Autobahn Tibets (25 km lang und 2005 fertiggestellt) und einen 2,5 km langen Tunnel durch eine Bergkette, der erst letztes Jahr fertig gebaut wurde. Vorher musste man oben drüber und brauchte daher drei Stunden nach Lhasa. Gut, dass wir jetzt erst hierher sind. Unterwegs war die Landschaft schon atemberaubend schön. Unser Hotel „Thangka“ (tibetisch: Wandteppich) liegt mitten im Zentrum, sodass wir vom Bus abgesetzt wurden und 10 Min. zu Fuß laufen mussten. Die Koffer wurden gebracht.

Diese paar hundert Meter, die wir gelaufen sind, haben uns total fertig gemacht. Das Herz raste, die Beine butterweich. Man kann es schlecht beschreiben. Vielleicht, wenn man eine wichtige Prüfung hat, von der viel abhängt und dazu noch etwas beschwipst ist…so ist in etwa das Gefühl. Später kommt dann noch Kater dazu, bei dem einem mehr, beim anderen weniger. Jana hat jetzt am Abend total erwischt. Ihr ist kotzübel und ihr Schädel dröhnt…trotz Medikamente. Ich habe bis auf das Herzrasen noch gar nichts. Komisch eigentlich. Sonst nehme ich doch immer alles mit. Nach der Ankunft gegen 15:00 hatten wir erstmal Ruhephase verordnet bekommen. Ich habe anderthalb Stündchen gedöst, Jana hat gelesen. 18:00 haben wir hier im Hotel gegessen und waren anschließend noch eine Weile auf der Dachterrasse. Was für ein Anblick! Wir können über ganz Lhasa schauen und direkt auf den Potala. Und ringsum die Gebirgsketten…der Wahnsinn!!!

Seit ca. 20:00 sind wir jetzt auf dem Zimmer. Gerade ist es 22:40. Jana kann nicht schlafen, ihr geht’s echt schlecht. Mal schauen, ob das bis morgen besser wird oder ich Shuwen rufen muss. Wir hoffen einfach das Beste!

5 Kommentare zu „Chongqing – Lhasa

  1. Hi Verena, schön Deine Berichte zu lesen. Ich hoffe für Euch, dass Ihr mit der Höhe klarkommt. Höhenumstellung ist mehr als unangenehm, mir ging es mal in Peru auf knapp 5000 m am Schlechteten. Schlafen geht in hoher Höhe kaum, bitte trinkt bis zu 6 Liter, das war immer das Patentrezept gegen Höhenkrankheit. In
    Tanzania und Nepal waren es bei uns fast 8 Liter die wir einfach reinbekommen mussten. Also Mädels, trinken, trinken, trinken und viel Spass in Tibet. Ich bin wieder im schönen JC 😦
    Liebe Grüße
    Sandra

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  2. …noch'n Tip…keine Zichteln, keine Cola und um Gottes Willen kein Alkohol…Alkohol und Ziggi verändern die Blutgefässe, es geht noch weniger Sauerstoff als nur die fehlenden 30 Prozent und die Kohlensäure in Cola und Co. sind wohl auch scheisse….
    Grüßli
    Sandra

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  3. Na so was hab ich auch noch nie gehört. Wie kann man denn gegen eine Turbine fahren ?? Ihr nehmt echt alles mit. Freut mich, dass es euch in Tibet so gut gefällt und das es Jana besser geht.

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  4. Hallo ihr zwei Reisenden, das klingt alles sehr sehr spannend u. ich freu mich jetzt schon auf die Bilder. Jana wünsche ich ganz doll gute Besserung! Wir lesen eure Berichte immer ganz fleißig u. freuen uns auf jede neue Mail. Ganz liebe Grüße aus der Heimat u. passt auf euch auf!
    Matthias u. Andrea

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  5. Liebe Mädels und (noch unbekannterweise) Robert.

    Ich verfolge Eure Emails mit viel Lesespass und freue mich, dass Ihr so weit weg vom Alltag seid.

    Keine Sorge, im Amt ist alles paletti.

    Also, genießt Euren Urlaub und wenn es wichtige News gibt, bekommt Ihr diese sofort.

    LG
    Tobi

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