Asien · China

Shanghai

Tag 2: Ohje, wo soll ich anfangen. Das Programm ist so straff, dass ich in den letzten zwei Tagen keine Zeit hatte, etwas aufzuschreiben. Ich versuche mal mein Hirn anzustrengen und mich bestmöglich zu erinnern. Aber ich muss mich mal kürzer halten, die kleinen iPhone-Tasten machen mich irre.

Also gelandet sind wir gegen 13:05 Ortszeit. Wir holten unsere Koffer und erstmal jeder 1500 Yuan (geteilt durch 8 ergibt Euro). Am Zollausgang erwarteten uns Meng, unsere ständige Reiseleiterin, und Zhang, unser örtlicher Reiseleiter in Shanghai. Der Großteil unserer Truppe war schon da. Wir sind 18 Traveller plus Reiseleiter und eigentlich ganz gut gemischt: ein Pärchen unseren Alters (Namen noch unbekannt), zwei Pärchen um die 45 (Andreas & Claudia, Georg & Liselotte), 3 Pärchen des silbernen Rangs (Meinhard & Renate, Rest noch unbekannt), ein Opa mit seiner Enkelin (23, Horst & Inken) und ein Vater mit seinem Sohn (24, Josef & Bernhard). Bisher waren alle nett, die einigen mehr, die anderen weniger und auch wenn es einige nicht hören wollen…der Sympathie-Grad zwischen Ost- und Westdeutschen schwankt teilweise erheblich. Ausnahmen gibts natürlich.

Wir haben uns alle kurz Hallo gesagt (eher unpersönlich, keine Vorstellungsrunde oder so) und haben dann die Koffer zum Bus gebracht. Danach sind wir zum Transrapid, der berühmte Hochgeschwindigkeitszug, der in 8 Minuten vom Airport nach Downtown fährt. Zu bestimmten Zeiten fährt er 400 km/h, bei uns 301.

Laut Zhang ein superlativ, dass wir natürlich fotografieren sollten, um damit zu Hause anzugeben. Naja. Schöner schneller Zug, aber eben nur ein Zug. Und immerhin von Deutschen erbaut. Qualität halt. Wir merkten schnell, dass Zhang (vielleicht Mitte 20) einen Schalk im Nacken hat und daher folgte oft ein Scherz dem nächsten, insbesondere was die wahnsinnig tollen besseren größeren schnelleren Sachen in Shanghai oder China im Gegensatz zum Rest der Welt anging.

Mit dem Bus fuhren wir dann zum Hotel und bekamen einen ersten Blick auf Shanghai…oh man! Wie soll ich diese Stadt beschreiben? Erstmal Fakten: 120 km breit, 125 km lang (das ist fünf mal soviel wie Berlin), 23 Millionen Einwohner und allein im Stadtteil Pudong gibt es 700(!!!) Wolkenkratzer. Das sagt schon viel aus. Der Spitzname der Stadt ist auch „Betonwald“, ziemlich treffend wie ich finde. Man kann es sich nicht vorstellen, wenn man es nicht selbst erlebt hat. So etwas haben wir noch nie gesehen!!! Wo man hinblickt Hochhäuser und Wolkenkratzer…kilometerweit. Dazwischen ganz klein ab und zu ein paar winzige Altstadt-Gassen mit alten Häusern, die laut Zhang aber immer weniger werden und bald gänzlich verschwunden sind. Eigentlich traurig. Aber in den alten Häusern sind die Wohnverhältnisse sehr schlecht: mehrere Familien auf engstem Raum. Die Bewohner warten regelrecht auf die Zwangsumsiedelung. Zu erwähnen wären auch noch die Strassen und der Fahrstil der Shanghaier. Es gibt in Shanghai unglaublich viele Hochstraßen. Es ist wie in einem Science-Fiction-Streifen. Teilweise bis zu 5-stöckige Straßenkreuzungen!!! Mehrere Autobahnen übereinander! Und zwar richtig weit oben! Wie gesagt, man muss es einfach gesehen haben. Und dann der Verkehr…unbelievable. Ich habe ja schon viele irre Fahrer erlebt, allen voran die Kambodschaner mit ihren Mofas oder die Franzosen. Aber was die Shanghaier abliefern geht auf keine Kuhhaut. Ein wildes hin und her Gewechsel auf den Spuren und Hupen am laufenden Band. Kein Auto bleibt länger als ein paar Minuten auf seiner Spur. So einen aggressiven Fahrstil hat man noch nicht erlebt.

Wir haben es am nächsten Tag noch bei einer Taxifahrt live miterlebt…ich sach euch, eieiei. Und das alles immer in luftigen Höhen mit Massen an Autos. Shanghai hat eine Nummernschildpolitik, um die Autoverkäufe zu verlangsamen, das bedeutet, dass die Kosten für ein Nummernschild manchmal sogar hoher sein können als das Auto selbst. Komisch, aber notwendig. Man kann sich wohl vorstellen, wie es wäre, wenn nur die Hälfte der 23 Millionen Einwohner ein Auto hätte. Ein Auto zu haben gilt hier daher immer noch als Zeichen des Wohlstands. Wow, da sind wir mit unseren zwei Autos richtig reich.

Aber zurück zum Hotel. Wir haben im Holiday Inn Downtown eingecheckt (3 Metro-Stationen vom Volksplatz, 4 vom Bund), also ziemlich zentral. Das 4-Sterne-Hotel war gut, die Zimmer ausreichend und weitestgehend sauber. Man hatte alles, was man braucht.

Wir hatten Pause von 15:30 bis 17:30 und fuhren dann mit dem Bus in das Golden River Hotel, in dem es ein angeblich gutes Restaurant geben sollte. Naja, vom Essen waren wir alle nicht sooo begeistert, aber es war ok. Die Atmosphäre allerdings war zum Brechen. Die Kellner hatten alle Walkie Talkies, aus denen furchtbar laute Stimmen drangen. Sauber war’s auch nicht wirklich. Es war wie in einer Abfertigungshalle am Flughafen oder auf dem Bahnhof. Von Gemütlichkeit keine Spur. Erste Gespräche bahnten sich innerhalb der Gruppe an, so langsam kenne ich auch fast alle mit Namen. Aber wir hätten uns für das erste gemeinsame Essen etwas persönlicheres und urigeres gewünscht.

Nach dem Essen fuhren wir zum Hafen am Bund, wo 19:30 unsere Lichterfahrt auf dem Huang Pu River startete. Das Boot war sehr überfüllt, aber das konnte unsere Stimmung nur wenig trüben. Diese funkelnde Skyline war einfach der Hammer. Dieses unwirkliche Gefühl des Glücks, in Shanghai zu sein, überkam uns wie ein plötzlicher Schauer. Wahnsinn! Dieses Lichtermeer, dass sich im Fluss spiegelt, diese gigantischen faszinierenden Türme, wie der Oriental Pearl Tower, der Jin Mao Tower oder das Financial Building (auch „Flaschenöffner“ genannt und aktuell höchstes Gebäude in Shanghai), sind einfach beeindruckend und architektonisch grandios. Rechts am Ufer das Stadtteil Pudong mit seinen 700 Wolkenkratzern und links der Bund mit seinen zahlreichen wunderschönen und herrlich beleuchteten Gebäuden aus der Kolonialzeit…gegensätzlicher kann eine Stadt wohl kaum sein.

Anschließend fuhren wir mit dem Bus zur nahen Nanjing Road, der In-Einkaufsmeile schlechthin. Mir taten die Augen weh vom vielen Bling Bling. Man stelle sich einfach den New Yorker Times Square auf einer Länge von 1,2 km vor und man weiß, wie diese Strasse im Dunkeln aussieht.

Nach 15 Minuten umher spazieren ging’s mit dem Bus zum Concession-Viertel, ein französisches Viertel aus der Zeit der Konzession Frankreichs, von dem leider nur noch ein paar kleine Gässchen übrig geblieben sind. Dort gab es auch einen Paulaner Biergarten, der (natürlich) sehr beliebt zu sein schien. Die Gassen waren sehr hübsch, aber inzwischen ist alles viel zu touristisch. Sehr schade!

Gegen 22:15 waren wir wieder im Hotel. Man, was waren wir breit. Ich war zu dem Zeitpunkt bereits mehr als 32 Stunden auf den Beinen, völlig irre. Der Weckruf sollte am nächsten Tag 7:30 erfolgen, also fackelten wir nicht lange und gingen schlafen. Wir hatten zwei Queen Beds, sehr angenehm zum ausbreiten. Ich glaube es dauerte keine 10 Minuten und ich war im Tiefschlaf.

3 Kommentare zu „Shanghai

  1. Hi Rena!

    Na mensch, das hört sich ja total toll und aufregend an. Schön, dass du uns so schön wieder an eurer Reise teilhaben lässt. Shanghai wird wohl auch oft als das New York Chinas bezeichnet, warum wissen wir ja nun dank deiner Beschreibung. Wahnsinn das mit der 5 stöckigen Autobahn. Schon allein deine Beschreibung erinnert an einen Science Fiction Film, wie mag das wohl im Realen aussehen… .

    Euch wünsche ich weiterhin viel, viel Spaß! Und grüße Jana ganz lieb!

    LG
    Angela

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  2. Das klingt ja alles sehr beeindruckend. Freu mich schon auf die Fotos dazu. Deine Beschreibung der Strassen erinnert mich irgendwie an die eine Doctor Who Folge, wo die Leute schon jahrelang im Stau stehen.

    Und wie gefällt dir so die geführte Reise? Bis ja sonst immer auf eigener Planung unterwegs. Ist sicher eine Umstellung oder?

    Na dann viel Spaß weiterhin.

    Liebe Grüße
    Eve

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  3. Hey Verena!!!

    Grüße von der Strandliege auf Bali!!!
    Im Gegensatz zu dir hatten wir bisher eine sehr entspannte Reise! Keine Probleme mit Bahn, Flieger oder einheimischem Verkehr. Wobei, hier auf Bali ist das mit dem Autofahren auch ein wenig anders als bei uns. Spurwechsel, Gas geben, abbremsen und co scheinen hier völlig
    normal zu sein. Wobei Spurwechsel auch großzügig benannt ist, denn dazu müsste man ja auch ne Spur halten… Und wie das mit dem Blinken hier funktioniert hab ich auch noch nicht so ganz gecheckt. Manchmal tun sie's auf jeden Fall. Und bei noch was kann ich dir nur recht geben, dieses Nase hochziehen! Furchtbar! An jeder Ecke, gern auch mit Auswurf! Wir haben ja die Vermutung, dass es an dem Essen liegt. Ist immer so schlotzig, so als hätten sie zu viel Maggi Soßenbinder verwendet. Der Schleimfilm im Mund muss ja dann auch irgendwie weg.

    Nun sind wir aber erstmal auf Bali angekommen und genießen unseren ersten Strandtag. Leider beide mit ner leichten Erkältung wegen den ganzen Klimaanlagen hier bzw. in Singapur. Hier ist ist ja alles eher „Open Air“ ☀
    So, jetzt wünsch ich dir aber noch gaaanz viel Spaß und tolle Eindrücke in China! Hoffe deine Gruppe ist sympatisch und die nächsten Wochen lassen sich gut aushalten!

    Viele sonnige und erholsame Grüße ganz aus der Nähe!

    Chrissi

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